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BEGLEITUNG WERDENDER ELTERN

Erfolgreicher Protest der Hebammen in Traunstein und Berchtesgadener Land

Das Händchen eines neugeborenen Babys aus Traunstein. Um auch den Müttern besser die Hand reichen zu können, setzen sich Hebammen der Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land für den Erhalt der „Netzwerkstelle Hebammenversorgung“ ein.
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Das Händchen eines neugeborenen Babys aus Traunstein. Um auch den Müttern besser die Hand reichen zu können, setzen sich Hebammen der Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land für den Erhalt der „Netzwerkstelle Hebammenversorgung“ ein.

Erst fehlen die Berufskolleginnen, dann sollte es auch noch Abstriche bei der Personalie der „Netzwerkstelle Hebammenversorgung“ geben, die ohnehin schon zwei Landkreise, Traunstein und Berchtesgaden, abdecken muss: Das war Hebamme Iris Edenhofer zuviel. Sie und ihre Mitstreiterinnen setzten sich erfolgreich bei den Landräten für ihre Ziele ein.

Traunstein/Berchtesgadener Land – Rund 2000 Babys erblicken in den Kreisen Traunstein und Berchtesgadener Land jedes Jahr das Licht der Welt. Leider stehen ihren Müttern immer weniger Hebammen zur Verfügung. Vehement für den Verbleib der Hebammen in der Region setzt sich Iris Edenhofer ein. Die gebürtige Mühldorferin ist seit 1983 Hebamme und hat unzähligen Mamas vor und nach der Geburt geholfen. Sie saß im Präsidium des deutschen Hebammenverbands, war lange Zeit im bayerischen Hebammenverband tätig, sitzt zudem im Aufsichtsrat der Kreiskliniken Südostbayern. Für die Grünen hat Edenhofer auch ein Mandat im Traunsteiner Kreistag.

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Landräte lenkten nach Hin und Her ein

Dort schlug sie zuletzt die Alarmglocken für die Hebammen besonders laut. Und brachte damit sogar die beiden Landräte der Kreise Traunstein und BGL, Siegfrid Walch und Bernhard Kern, zum Einlenken.

Zur Vorgeschichte: Besonders aufgeregt haben sich die Traunsteiner und Berchtesgadener Hebammen sowie zahlreiche werdenden Eltern über die Pläne der Landräte, der „Netzwerkstelle Hebammenversorgung“ für beide Kreise, die bisherige Vollzeitkraft – eine erfahrene Hebamme – zu streichen und durch eine Gesundheitsmanagerin in Teilzeit zu ersetzen. „Mir erschließt es sich nicht, dass ein gut funktionierendes System kaputtgemacht wird“, wundert sich Elisabeth Hagenauer, ebenfalls Kreisrätin der Grünen. Unter den Hebammen wird die angedachte Lösung mit einer Gesundheitsmanagerin nicht gern gesehen. „Wir brauchen jemanden, der nicht nur verwaltet, sondern auch die Praxis kennt“, sagt Iris Edenhofer.

In Traunstein angesiedelt

45 frei schaffende Hebammen gibt es in den beiden Landkreisen. „Wir haben einen deutlichen Mangel“, sagt Edenhofer, „es gibt werdende Mütter, die keine Hebamme finden.“ Zudem habe es in den vergangenen Jahren immer wieder Ausfälle gegeben, die nicht nachbesetzt werden konnten.

Einst wurde die Netzwerkstelle Hebammenversorgung geschaffen, um beratend zu wirken, die wohnortnahe Hebammenversorgung zu stärken, um werdenden Müttern vor, während und nach der Geburt eine gute Versorgung und Betreuung zu bieten. Nachwuchsgewinnung und Fortbildung standen bislang im Vordergrund. Beide Kreise tragen jeweils rund zehn Prozent der Kosten. Gefördert wird die Stelle ebenso durch das Zukunftsprogramm Geburtshilfe des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege. Der Zuschuss: etwa 40 Euro pro Geburt.

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Die Netzwerkstelle ist seit Juni 2019 im Bildungszentrum in Traunstein verortet. Das Angebot sollte nun auslaufen, wurde aber nun kurzfristig bis Ende 2022 verlängert. Zu verdanken ist das unter anderem dem Einsatz von Edenhofer und ihren Kolleginnen.

Seitdem der Werdegang einer Hebamme auf ein Studium umgestellt wurde, läuft die Ausbildung theorielastiger. Das Externat, also die praktische Ausbildung, bestreiten die angehenden Hebammen bei „Einsätzen draußen“. Wenn Schülerinnen erfahrene Hebammen begleiten oder in den Kliniken in Reichenhall oder Traunstein arbeiten, erhalten sie die notwendige Praxiserfahrung, die sie für den Beruf brauchen.

Die Landkreis-Hebammen sind darauf angewiesen, so viele Externatsstudentinnen als möglich zugewiesen zu bekommen. „Vielleicht entscheidet sich eine dann dafür, hier in der Region zu bleiben“, sagt Edenhofer.

Pattform zur Vermittlung geplant

Ihr Einsatz für die Netzwerkstelle hat sich unterdessen gelohnt: In den Verwaltungen der Landkreise ist man vom Plan, auf eine Gesundheitsmanagerin zu setzen, abgewichen, möchte die Stelle teilweise mit einer praktisch veranlagten Hebamme ausstatten.

Im Juni soll das nächste Gespräch stattfinden: Hebammen, Landkreis-Mitarbeiter und Vertreter der Gesundheitsregionen plus sollen an einen Tisch kommen. Geht es nach Edenhofer, wird die Bedeutung der geförderten Stelle in Zukunft noch größer. Die Hebammen planen, eine Vermittlungsplattform aufzubauen. Damit werdende Mütter bei ihrer Suche nach Unterstützung noch schneller fündig werden.

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