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Gemeinderat diskutiert neue Möglichkeiten der Energieversorgung

Erdgas oder Fernwärme für Erlstätt?

In Grabenstätt gibt es bereits seit rund zehn Jahren östlich der Turn- und Mehrzweckhalle ein Biomasse-Heizwerk. Die Entscheidung, welche alternative Heizform in Erlstätt kommt, ist im Gemeinderat noch offen.
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In Grabenstätt gibt es bereits seit rund zehn Jahren östlich der Turn- und Mehrzweckhalle ein Biomasse-Heizwerk. Die Entscheidung, welche alternative Heizform in Erlstätt kommt, ist im Gemeinderat noch offen.
  • VonMarkus Müller
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Ob Teile von Erlstätt in Zukunft mit Erdgas beliefert werden oder an eine Fernwärmeversorgung angeschlossen werden, will der Grabenstätter Gemeinderat noch in diesem Jahr entscheiden. Vorab informierte er sich erst einmal über beide Energieträger.

Grabenstätt – . In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats stellten die Geschäftsführer Stefan Will von den Stadtwerken Traunstein und Wolfgang Wimmer vom Biomassehof Achental dem Gremium im Schlossökonomiesaal Möglichkeiten vor. Die Vorträge dienten der Information des Gremiums und es war keine Abstimmung notwendig.

Auf dem Weg zu den Klimaschutzzielen

„Gas ist sauber, sicher und preiswert und es lassen sich damit die kurzfristigen Klimaschutzziele ebenso einhalten wie die Etappenziele auf dem Weg zur Dekarbonisierung“, argumentierte Traunsteins Stadtwerke-Geschäftsführer Will. Grüne Energie aus Wind und Sonne in Form von Gas lasse sich speichern und vielseitig einsetzen. Jede zweite Wohnung in Deutschland werde sicher und zuverlässig mit Gas versorgt, so Will.

Alois Binder (CSU) hatte zuvor die Versorgungssicherheit und Preisstabilität in Zweifel gezogen. Laut Wirnshofer sei der größte Vorteil einer Gasversorgung, dass die Erschließung mit verhältnismäßig geringem Aufwand und in einem relativ kurzen Zeitraum erfolgen könnte, da zum Beispiel keine größeren Betriebsgebäude notwendig seien.

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„Ein Biomasseheizwerk mit Fernwärmenetz bietet hingegen grundsätzlich den Vorteil, dass die Wärmenergie aus nachwachsenden Rohstoffen nahezu CO2-neutral erzeugt wird und diese Energie beim Anschlussnehmer bereits als fertiges Produkt ankommt und nur noch über einen Wärmetauscher in das hausinterne Heizsystem übertragen werden muss“, zog Wirnshofer einen Vergleich. Zu erwarten sei „eine CO2-Einsparung von 660 Tonnen“, betonte Biomassehof-Geschäftsführer Wimmer. Er verwies auf die große Versorgungssicherheit, da man auf den langfristig verfügbaren regionalen Energieträger Holz beziehungsweise Hackschnitzel zurückgreifen könne.

Einmalige Investition bei Fernwärme

Als weitere Vorteile nannte er, dass nur eine einmalige Investition notwendig sei, Preisstabilität für den Kunden und Aufwertung der Immobilie. Kosten für Wartung und Reparaturen am Heizkessel entfielen ebenso wie für den Kamin.

Man werde als Gemeinde und Region auch unabhängig von fossiler Energie aus dem Ausland, stärke die regionale Wertschöpfung, sichere vor Ort Arbeitsplätze und leiste einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Ziele der Klima- und Energiedebatte, warb Wimmer.

Kommunales Unternehmen

In Grabenstätt waren in den vergangenen zehn Jahren 29 Eigentümer an das Fernwärmenetz angeschlossen worden. Hier stünde das Kommunalunternehmen „Fernwärmeversorgung Grabenstätt – Süd AöR“ als möglicher Träger bereit.

Wirnshofer sprach von einer funktionierenden Fernwärmeversorgung in Grabenstätt und er verwies auf die gute Zusammenarbeit mit dem Biomassehof Grassau. Der Bürgermeister räumte aber ein, dass bei der Verbrennung der Hackschnitzel ein hoher Technikaufwand für die Filterung von Feinstaub notwendig sei.

Von Nachteil sei auch, dass die Errichtung der notwendigen Infrastruktur mit Heizwerk und Leitungsnetz deutlich aufwändiger, langwieriger und kostenintensiver sei. Zudem benötige man für die Betreuung und den Betrieb Fachpersonal und der Brennstoff müsse regelmäßig mit Lastwagen angeliefert werden.

Anschluss an Erdgas in eineinhalb Jahren möglich

„1,5 Jahre ist ein guter Zeitraum“, beantwortete Wimmer die Fragen von Dr. Martin Brunnhuber (BG) und Waltraud Hübner (CSU), bis wann man mit einer Umsetzung rechnen könnte. Die durchschnittlichen Anschlusskosten an die Fernwärme für den Abnehmer würden sich Wimmer zufolge auf rund 7000 Euro belaufen, wobei bis zu 45 Prozent an staatlichen Fördermitteln abgerufen werden könnten.

Will sprach Anschlusskosten für Erdgas-Kunden von zirka 3500 bis 4000 Euro brutto für ein normales Wohnhaus. Noch in diesem Jahr werde eine Entscheidung für eine Erdgas- oder Fernwärme-Versorgung für Teile Erlstätts fallen, meinte Bürgermeister Wirnshofer auf Nachfrage.

Umfrage: Hausbesitzer sind für beide Energieformen gleich aufgeschlossen

Anfang 2021 signalisierten die Stadtwerke Traunstein Interesse, Erlstätt an das Traunsteiner Erdgasnetz anzuschließen. Die Gemeinde Grabenstätt fragte Ende April bei 270 Immobilieneigentümern ab. 74 bekundeten grundsätzliches Interesse, 49 weitere erklärten sich bereit, auf Erdgas umzusteigen. Auf Anregung von Gemeinderäten und Bürgern gab es eine zweite Umfrage mit zwei Optionen. 81 Eigentümer machten ihr Kreuzchen beim Erdgasanschluss, das waren 30 Prozent der Befragten. 89 Eigentümer bevorzugten hingegen einen Fernwärmeanschluss, das waren 33 Prozent der Befragten. „Die Anzahl der Eigentümer, die umgehend an ein Versorgungsnetz anschließen wollen, sind bei Gas und Fernwärme etwa gleich hoch, zudem sind die meisten Interessenten beiden Varianten gegenüber offen eingestellt“, resümierte Bürgermeister Gerhard Wirnshofer (BG/FW) in der Gemeinderatssitzung.

Er erklärte noch, dass Erdgas zwar ein fossiler Brennstoff sei, im Vergleich zu Heizöl jedoch den Vorteil biete, dass bei der Verbrennung ein Drittel weniger Kohlendioxid und zudem kein Ruß, Feinstaub und Schwermetall sowie nur geringe Mengen Schwefel freigesetzt würden.

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