Von der Erde zum Mars in zehn Sekunden

Kurt von Kiesling hat die Sonne voll im Griff. Denn diese hat der Kunstlehrer mit viel Handwerk mitgestaltet. Zgela

Ising – Kurt von Kiesling gibt die Anweisung: „Eingabe der Koordinaten 47°55‘23.1“N 12°29‘36.7“E, Entfernung vom Startpunkt 8,8471 × zehn bis 14 Lichtjahre.

Countdown starten. Drei, zwei, eins, null!“ Und dann verlassen der Lehrer und sein Schülerteam ihre Heimatbasis, das Landschulheim Schloss Ising, um den Weg in Richtung Neptun auf sich zu nehmen. Denn genau bei diesem Planeten wollen sie ihren nächsten Schritt wagen und die notwendige Arbeit für ein großes Schulprojekt leisten: den Bau eines Planetenpfades.

„Und diesmal sind wir in der Rekordzeit von knapp zehn Minuten am Neptun angekommen, ganz ohne Beamen“, lässt Kurt von Kiesling verlauten, denn bei genauem Studium der Koordinaten zeigt sich, dass der äußerste Planet des Sonnensystems nur 837 Meter von der Schule entfernt ist, an der Grenze des Schulgrundstücks nahe dem Chiemseeufer. An dieser Stelle bauen die Beteiligten eine Infotafel auf und setzen den Grundstein für den ersten Planetenweg am Chiemsee.

Die Idee zum Lehrpfad entstand durch Norbert Prebeck, 41 Jahre alt und Lehrer für Physik und Mathematik. Die Kombination aus naturwissenschaftlichem Background und sein Sinn für Kunst waren es, welche ihn in einer freien Minute zu diesem Gedanken führten. „Es war eine spontane Idee, die im Kollegium so gut ankam, dass sich schnell ein Kernteam entwickelt hat. Wir haben auch gleich mit der Arbeit begonnen.“ Mit dem Kernteam meint Prebeck vor allem Kurt von Kiesling, Lehrer für Kunst und Sport, und zwei engagierte Schüler namens Peter Kerschel und Sebastian Wallner.

Das Konzept des Pfades ist, naturwissenschaftlich Interessierten aus den eigenen und umliegenden Gemeinden wie auch Gästen, einen „lehrfördernden Mehrwert“ am Standort Chiemsee zu geben und durch die Gestaltung des Weges ein Gefühl für die Dimensionen des Sonnensystems zu schaffen. Diese Idee kam auch bei der Gemeinde Seeon-Seebruck und dem Chiemgau Tourismusverband gut an, sodass Hilfe angeboten und Genehmigungen für den Bau erteilt wurden.

Die Parteien einigten sich auf einen Planetenpfad im Maßstab 1:5 400 000 000, der rund um das Grundstück des Landschulheims und auf dem Grundstück des Hotels Gut Ising entstehen soll. Die Sonne wird im Innenhof der Schule errichtet. Die Erde ist knapp 28 Meter von ihr entfernt und Merkur, Venus und Mars sind ebenso in unmittelbarer Nähe. Es wird daher möglich sein, von der Erde aus eine Marsmission in zehn Sekunden durchzuführen, ohne den Innenbereich der Schule zu verlassen, um schlussendlich allerhand Wissenswertes über den roten Planeten zu erfahren.

Dabei treffen interessierte Hobbyastronauten auf Edelstahlplatten befestigte Kugelkörper, die wiederum auf einem Steinsockel montiert sind. Jeder Planet ist abstands- und maßstabsgetreu zur Sonne nachempfunden. Somit sind die dem Mars benachbarten Himmelskörper Jupiter, Saturn und Uranus auf Gut Ising zu finden. Neben diesen wird eine Infotafel aufgestellt, auf welcher allerhand aktueller Daten, Fakten und Analysen des kosmischen Gebildes zu finden sein werden.

Hierbei ist es vor allem Kurt von Kiesling zu verdanken, dass er die richtigen Partner für die Realisierung des Projekts gefunden hat. „Allen voran war es die Zusammenarbeit mit der Braukon, welche die Materialien gestellt und viel konstruiert hat. Daneben haben wir auch Hilfe und Spenden von lokalen Unternehmen aus den Gemeinden Seeon-Seebruck, Traunreut, Trostberg und Bischofswiesen erhalten. Dafür sind wir sehr dankbar.“ Zudem sei auch gesagt, dass der Kunstlehrer selber Hand anlegt. Ob Schrauben, Stecken oder chemisches Formulieren von Harzkomponenten, von Kiesling trägt mit seinem Handwerk zum Gelingen bei. Peter Kerschel und viele weitere Schüler buddeln die Löcher zum Aufstellen der Sockel aus, Sebastian Wallner steckt zudem noch viel Herzblut in die grafische Gestaltung der Infotafeln hinein.

„2019 ist es so weit, dass wir die ersten Forscher und Weltraumtouristen in unser kleines Sonnensystem auf Reise schicken“, verkündet Kurt von Kiesling lächelnd. Bis dahin werden die vier Teammitglieder noch öfter Koordinaten festlegen, zu den Planeten reisen und mit ihrem Bau ihren ganz persönlichen Fußabdruck in der Gemeinde hinterlassen.

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