Ermutigung für andere Eltern

„Er ist perfekt, trotz Down-Syndrom“ – Staudacher Mutter über ihren Sohn

Esther Meinel-Zottl hat 80000 Follower auf Instagram und fotografiert inzwischen professionell. Meinel-Zottl
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Esther Meinel-Zottl hat 80000 Follower auf Instagram und fotografiert inzwischen professionell. Meinel-Zottl
  • Heidi Geyer
    vonHeidi Geyer
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Esther Meinel-Zottl aus Staudach hat 80000 Follower auf Instagram. Und einen zwei-jährigen Sohn mit dem Down-Syndrom. Wie das zusammen passt und warum ihr Sohn keinen Stress, sondern ganz viel Freude ins Familienleben bringt.

Staudach-Egerndach – Wenn das eigene Kind behindert zur Welt kommt, ist das für die Eltern meist ein großer Schock. So auch zunächst für Esther Meinel-Zottl (40) aus Staudach, bei deren Sohn das Down-Syndrom festgestellt wurde. Heute ist ihr Kind zwei Jahre alt und die Staudacherin macht anderen Eltern Mut – auch auf Instagram.

Ausgerechnet in der Schwangeren- und Familienberatung hat Esther Meinel-Zottl als Sozialpädagogin früher gearbeitet. Nahezu täglich war sie mit Frauen konfrontiert, die vor der Entscheidung standen, ihr ungeborenes Kind abzutreiben. Sie kennt die Zweifel und Nöte von Müttern, die erfahren, dass ihr Kind mit behindert sein wird. Auch aus der eigenen Familie: „Meine Schwester hat einen behinderten Sohn.“

Entscheidung gegen Tests

Ihre Zwillingsmädchen sind heute sieben Jahre alt. Vor drei Jahren war sie wieder schwanger. Auf Tests, um eine mögliche Behinderung vorab abzuklären, verzichteten sie und ihr Ehemann: „Für uns war klar, dass wir das Kind so nehmen, wie es ist.“

Sogar auf dem Titel der Zeitschrift Eltern war der junge Mann schon und freut sich sichtlich darüber.

In den ersten Tagen nach der Geburt fiel es ihr nicht auf, dann kam die Diagnose, dass ihr Sohn ein zusätzliches Chromosom hat, was als Down-Syndrom bezeichnet wird. Ihre Familie engagiert sich bereits seit Generationen für Behinderte. Ihre Eltern haben sich sogar bei der Arbeit in einem Behindertenheim kennengelernt.

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„Trotzdem hat mich die Diagnose erst mal umgehauen“, erzählt die Staudacherin. Auf den Gedanken, „dass etwas sein könnte“, sei sie damals gar nicht gekommen.

Zweifel und Glück

„Kurz habe ich mich schon gefragt, ob das so eine Art Bestrafung vom Schicksal ist“, sagt Meinel-Zottl. „Dann hab ich den Jungen angesehen und fand ihn perfekt. Perfekt, so wie er ist.“ Hilfreich sei auch die Unterstützung im Traunsteiner Klinikum gewesen. Denn in so einem Moment sei es sehr wichtig, wie Eltern davon erfahren. Die Unsicherheit im Umgang mit Kindern mit dem Down-Syndrom spürt sie oft. Selbst bei einer Ärztin im Krankenhaus.

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Meinel-Zottl wünscht sich, „dass man Eltern gratuliert und dass man die Eltern nicht bemitleidet, sondern sich mit ihnen freut, dass ein Kind zur Welt gekommen ist“. Ihr Sohn sei ein absolutes Wunschkind. „Er ist so zufrieden mit sich und bringt so eine Ruhe rein“, sagt die 40-Jährige. Ihr Sohn sei kein Stressfaktor, kein „Verhinderer“ eines Familienlebens. Auch nicht bei seinen Schwestern: „Die lieben ihn abgöttisch.“ Intensiver sei das Leben dadurch für die ganze Familie, in jeder Hinsicht.

Friede, Freude, Notaufnahme?

Sie romantisiert nicht. Gerade im ersten Lebensjahr musste ihr Sohn mehrfach als Notfall ins Krankenhaus, weil er keine Luft mehr bekam. „Das war schon eine Anspannung und das haben auch seine Schwestern gemerkt“, sagt sie. Ob sie tatsächlich die geplante mehrwöchige Reise der Familie mit dem eigenen Bus machen sollen, hat sie sich damals gefragt. Geklappt hat es dennoch – auch wenn sie in Frankreich erneut ins Krankenhaus mussten. „Die letzten eineinhalb Jahre war er aber gesund“, erzählt die dreifache Mutter.

Gottvertrauen und Instagram

Meinel-Zottl macht den Eindruck, das Leben so zu nehmen, wie es ist. Mit Leichtigkeit und Gottvertrauen. „Als ich noch in München gelebt habe, hat mich der ewige Vergleich der Muttis am Spielplatz sehr gestört“, erzählt sie. Dabei hat sie tatsächlich in der schillernden Social-Media-Welt Erfolg: Auf Instagram hat sie über 80 000 Follower mit ihrem Account „ourlifeinthealps“.

„Ästhetik hat in meinem Leben schon immer eine große Rolle gespielt.“ Vor ihrem Studium hat sie sogar eine Ausbildung als Kosmetikerin gemacht. Wobei es ihr nicht um Oberflächlichkeit geht: „Im Alltäglichen und in der Natur Schönes zu sehen, das gibt mir Kraft“, erzählt sie. Freiberuflich arbeitet Meinel-Zottl als Fotografin. Ein Bild von ihrem Sohn, das sie gemacht hatte war sogar auf dem Titel der Zeitschrift „Eltern“.

Ihre Töchter zeigt sie nicht, ihren Sohn hingegen ganz bewusst, nur seinen Vornamen behält sie für sich. Sie will Mut machen und Ängste nehmen. Auf Instagram fragen sie viele Schwangere und Mütter nach Rat, weil ihr Baby behindert ist. Meinel-Zottl will Menschen mit Behinderung in den Vordergrund rücken: „Ich sehe nicht den Makel, sondern das Schöne.“

Ein Extra-Chromosom – Das ist Trisomie 21

In der Regel haben Menschen zwei Exemplare des Chromosoms Nummer 21. Manche Menschen verfügen über drei statt zwei Chromosomen. Deshalb wird das Down-Syndrom auch Trisomie 21 genannt. Ursache ist ein Fehler bei der Produktion der Keimzellen. Eines von 650 Babys kommt mit Down-Syndrom auf die Welt. Folgen des zusätzlichen Chromosoms sind bestimmte äußerliche Merkmale, hinzu kommen medizinische Beeinträchtigungen. Ein Herzfehler, Fehlbildungen im Verdauungstrakt orthopädische Probleme wie Plattfüße sowie eine geistige Behinderung können die Folge sein. Die intellektuellen Fähigkeiten müssen aber nicht stark eingeschränkt sein. Dies ist auch stark davon abhängig, wie stark Kinder gefördert werden. Menschen mit Trisomie 21 haben besondere Fähigkeiten: Sie sind zärtlich und heiter, außerdem verfügen einige über ein musikalisches Talent.

Diagnose vor der Geburt

Am Ende des ersten Drittels der Schwangerschaft kann in einem für Mutter und Kind ungefährlichen Verfahren ermittelt werden, ob Hinweise für eine Trisomie 21 vorliegen. Für eine genaue Diagnose sind invasive Eingriffe am Mutterleib notwendig, die Risiken für das Kind bergen. Zudem besteht die Gefahr einer Fehlgeburt. Daher werden sie nur bei konkreten Verdachtsfällen genutzt. Etwa neun von zehn Frauen treiben nach Expertenschätzungen ein Kind mit Down-Syndrom ab.

Quellen: Netdoktor; Kinderärzte im Netz

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