20.000 Fahrzeuge pro Tag

Enttäuschung in Rimsting: Behörde sagt drei Mal Nein zu Tempolimit

Stark befahren ist Rimstings Ortsmitte, besonders zu den Stoßzeiten. Nicht nur für die Grundschüler, sondern auch für Anwohner werde dies zunehmend problematisch, so die Gemeinde. Pro Tag passieren bis zu 20000 Fahrzeuge die Hauptstraße, die sich oft nicht an Tempo 50 halten. Doch ein Limit lehnt das Landratsamt ab.
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Stark befahren ist Rimstings Ortsmitte, besonders zu den Stoßzeiten. Nicht nur für die Grundschüler, sondern auch für Anwohner werde dies zunehmend problematisch, so die Gemeinde. Pro Tag passieren bis zu 20000 Fahrzeuge die Hauptstraße, die sich oft nicht an Tempo 50 halten. Doch ein Limit lehnt das Landratsamt ab.
  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
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Das Rosenheimer Landratsamt sieht weder in Rimstings Ortsmitte, noch auf der RO22 bei Greimharting oder der RO32 eine Gefahrenlage. Ein Tempolimit lehnt die Behörde jeweils ab. Dass rund 20000 Fahrzeuge pro Tag durch Rimsting fahren und sich mancher Anwohner nicht mehr aus der eigenen Einfahrt traut, reicht als Argument nicht.

Rimsting – Die Enttäuschung ist groß im Gemeinderat, wenn man auch von vornherein geahnt hat, dass die Sache nicht leicht wird: Alle dringenden Verkehrsthemen, für die sich das Gremium zuletzt Lösungen erhofft hatte, sind von Behördenseite her abgelehnt worden.

Besonders trifft die Räte, dass das Landratsamt Rosenheim die streckenweise Tempo-30-Zone auf der Hauptstraße „nicht befürwortet“, wie es in einem aktuellen Schreiben an die Gemeinde heißt. Dieses nahm das Gremium ist der jüngsten Sitzung zur Kenntnis.

Die Straße bleibt das Kernproblem

Den Räten war es beim Antrag vom September um den Abschnitt zwischen der Priener Straße 12 und der Bushaltestelle in der Ortsmitte gegangen. Vor allem Kinder sollen dort sicher über die stark befahrene Straße zur Grundschule und zum Hort kommen. Man hatte sich auf ein Gesetz von 2016 berufen, welches das Verfahren für ein Tempolimit erleichtert, wenn sich an der betreffenden Straße unmittelbar Eingänge zu wichtigen sozialen Einrichtungen befinden. Das sei in Rimsting nicht der Fall, so das Landratsamt, die Eingänge lägen seitlich und damit geschützt.

Nina Weinland (Grüne) konnte die Begründung nicht nachvollziehen: „Um zum Schuleingang zu kommen, muss man die Straße überqueren, da fängt das Problem doch an.“

Gutachten kostet Geld

Nun überlegt man, sich ein Beispiel an Siegsdorf zu nehmen, wo innerorts nach einem Lärmgutachten eine Tempo-30-Zone genehmigt wurde. Dazu gab es eine rege Diskussion im Rat: Im Raum stand nicht nur die Frage, inwiefern sich die Rimstinger Situation mit der in Siegsdorf vergleichen ließe. Sondern auch, dass so ein Gutachten kein Spaziergang sei und obendrein viel Geld koste, bei ungewissem Ausgang. „Das Grundproblem bleibt der zunehmende Verkehr“, brachte sich Stefan Julinek (CSU) in die Diskussion ein. Bürgermeister Andreas Fenzl (CSU) pflichtete ihm bei. Gemäß einer neueren Zählung des Durchgangsverkehrs passierten rund 20 000 Fahrzeuge an einem Tag die Ortsmitte. Dies lenkte den Fokus des Gremiums auf „Pläne in der Schublade“ zu einer schon in der Vergangenheit thematisierten, weiträumigen Umgehung sowie auf eine Tunnellösung, wie sie einst schon die Gemeinde Halfing geplant, nach einer Bürgerbefragung aber wieder verworfen hatte.

Ein Dauerbrenner-Thema

Das vorläufige Fazit der Räte: „Wenn man nicht weiter nach alternativen Lösungen sucht, wird´s in 100 Jahren noch nichts.“ Fenzl teilte den Räten mit, dass im Februar ein Verkehrsplaner die Gemeinde besuchen wird: Mit ihm will man sich intensiv Gedanken um die Verkehrssituation im Ort machen.

Ebenso zur Kenntnis nehmen mussten die Räte, dass die Verkehrsbehörde zeitgleich den Antrag auf Geschwindigkeitsreduzierung an der Kreisstraße RO22 an der Greimhartinger Ortseinfahrt ablehnt. Auch dies ein Dauerbrenner zwischen Gemeinde und Landratsamt. Dieses schreibt, man habe dazu „wieder ein Anhörungsverfahren“ bei Polizei und Straßenbaulastträger durchgeführt mit dem Ergebnis, dass man keine Gefahrenlage sehe.

Amt empfiehlt einen Heckenschnitt

Eine Schlappe hinnehmen müssen auch Anwohner aus Öd, deren private Ausfahrt direkt in die RO32 (Greimhartinger Straße) mündet. Dort darf 100 km/h schnell gefahren werden, doch die Stelle ist laut Gemeinde „kurvig und unübersichtlich“. Was Lkw und Pkw nicht unbedingt daran hindere, ein riskantes Fahrverhalten an den Tag zu legen. Die Anwohner sehen sich dadurch gefährdet, aber das Landratsamt mauert: „Der Fahrzeugführer darf nur so schnell fahren, dass er sein Fahrzeug ständig beherrscht“, belehrt es in seinem Antwortschreiben die Rimstinger, die nach einem Tempolimit für Öd angefragt hatten. Das Amt empfiehlt ihnen für bessere Sichtverhältnisse auf die Straße einen Heckenschnitt.

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