Engagierter Bildungspolitiker mit Vermittlungsgeschick

Karl Kaditzky blickt auf fast 50 Jahre Kommunalpolitik zurück. effner

Traunstein – Mit dem Ausscheiden aus dem Traunsteiner Kreistag, dem er seit 1994 angehört hat, verlässt mit Karl Kaditzky ein weiteres politisches Urgestein das oberste Kommunalparlament.

Als ehemaliger Bürgermeister von Staudach-Egerndach und CSU-Fraktionschef im Kreistag von 2002 bis 2014 hat der 76-Jährige schwierige Phasen der Kreispolitik mitgestaltet und drei Landräte miterlebt.

Klare Standpunkte und Dialog über Fraktionen hinweg

Seine Fähigkeit zu klaren Standpunkten, zum fraktionsübergreifenden Dialog und zur Einbindung unterschiedlicher Interessen hat ihn immer wieder zum gefragten Gesprächspartner gemacht, wenn es um knifflige Auseinandersetzungen ging.

Fast ein halbes Jahrhundert, genau genommen 48 Jahre, hat sich Kaditzky mit hohem persönlichen Einsatz auf Gemeinde- und Kreisebene für die Kommunalpolitik engagiert. Dafür zeichnete ihn 2016 Bayerns In-nenminister Joachim Herrmann mit der Kommunalen Verdienstmedaille in Silber aus. Zusammen mit ihm erhielt auch Waltraud Wiesholer-Niederlöhner, langjährige Dritte Bürgermeisterin der Stadt Traunstein und Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion, diese Aus-zeichnung. „Natürlich waren wir nicht immer einer Meinung, konnten aber in der Sache gut, mit Respekt und vor allem fair miteinander diskutieren, um eine konstruktive Lösung zu finden“, erinnert sich Kaditzky. Eines der rückblickend bis heute größten Erfolgsmodelle des Landkreises war das 2005 initiierte Programm für Bildung und Infrastruktur, an dessen Gestaltung Kaditzky mit der CSU-Kreistagsfraktion und Landrat Hermann Steinmaßl maßgeblich mitgewirkt hat. „Für die Prognose aktueller Schülerzahlen haben wir uns seinerzeit erstmals auf eine professionell erfasste Da-tenbasis gestützt anstatt auf wenig aktuelle Ministeri-umshochrechnungen zu vertrauen“, erzählt der Staudacher. Eine verlässliche Zahlengrundlage war vor allem im Hinblick auf die hohen Investitionen für Schulbaumaßnahmen unerlässlich. Nach den ersten Erfolgen stieß das Modell auch in anderen Landkreisen und im Ministerium auf Interesse. Nach dem Start vor 15 Jahren soll das Projekt mit dem neuen Bildungscampus Chiemgau in den kommenden Jahren seinen Höhepunkt finden.

Eng damit verbunden war „der uns endlos erscheinen-de Kampf“ für eine Reihe wichtiger Straßenbauprojekte, wie sich Kaditzky erinnert. Dazu zählt die Nordumfahrung von Traunstein, die im Dezember 2012 eröffnet wurde, und die aktuell in der Realisierung befindliche Umfahrung von Altenmarkt mit dem Aubergtunnel. Nicht weniger nervenaufreibend war die schrittweise Fusion der bereits 1992 fusionierten Krankenhäuser in Traunstein und Trostberg zu einem Großverbund von sechs Kliniken zusammen mit dem Nachbarlandkreis Berchtesgadener Land. Auch dank geschickter Verhandlungsführung durch Kaditzky als Aufsichtsratsmitglied konnte der Zusammenschluss zur Kliniken Südostbayern AG 2009 erfolgen. „Da gab es viele Vorbehalte auszuräumen und vor allem die Finanzengpässe nach Einführung der Fallpauschalen sorgten immer wieder für schlaflose Nächte.“ Höhepunkt war die Abwendung der drohenden Insolvenz nach Auflaufen eines Zehn-Millionen-Defizits im Dezember 2014.

Aber auch auf anderen Feldern setzte Kaditzky politisch Wegmarken. Nach zwölf Jahren im Gemeinderat sorgte er von 1984 bis 2002 als ehrenamtlicher Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Staudach-Egerndach für die Errichtung eines eigenen Kindergartens und gemeindlichen Bauhofs sowie den Bau eines neuen Feuerwehrgebäudes und die Kanalisation des Gemeindegebiets. Dazu kam der Neubau eines Rathauses für die Verwaltungsgemeinschaft in Marquartstein. Als Hermann Steinmaßl altersbedingt nicht mehr als Landrat kandidieren konnte, machte sich Kaditzky dafür stark, den CSU-Kandidaten für die Nachfolge erstmals im Rahmen von basisdemokratischen Bürger- und Delegiertenversammlungen zu bestimmen und nicht im engen Führungszirkel der Partei. Nicht weniger engagiert erwies sich Kaditzky in seiner beruflichen Laufbahn vom Lehramtsanwärter 1968 in Rottau und Staudach bis zum Schulrat und Schulamtsdirektor seit 1982. „Die meiste Freude machte mir dabei die Ausbildung von Junglehrern als Seminarrektor.“

Als „einen meiner schwierigsten Momente“ erlebte Kaditzky zusammen mit Landrat Jakob Strobl den Kondolenzbesuch bei den Eltern einer jungen, hoffnungsvollen Skisportlerin aus Staudach, die im Dezember 2000 bei der Brandkatastrophe in der Gletscherbahn am Kitzstein umgekommen ist. Freude schenkt ihm und seiner Frau dagegen das Zusammensein mit den beiden Kindern seiner Tochter. „Auch wenn das momentan wegen der Corona-Krise nicht persönlich möglich ist“, sinniert er. Ein wenig Trost bietet der aktuelle Lesestoff zur deutschen Geschichte und zur Stadt Berlin, die er faszinierend findet. „Da kann man entspannt abschalten.“ eff

Kommentare