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GEMEINDERAT EINIGT SICH AUF EINEN KOMPROMISS

Energiewende: Eine Photovoltaik-Großanlage kommt ins Bernauer Moos

Auf der links gekennzeichneten Fläche ist der Gemeinderat mehrheitlich mit einer Großanlage einverstanden.
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Auf der links gekennzeichneten Fläche ist der Gemeinderat mehrheitlich mit einer Großanlage einverstanden.
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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Die Energiewende ist eines der erklärten politischen Ziele, um den Klimawandel zu bremsen. Bei konkreten Projekten vor Ort zeigt sich allerdings, dass die Entscheidungen nicht immer leicht fallen. So geschehen in Bernau, wo ein Landwirt auf seinen Flächen zwei Großanlagen für Photovoltaik bauen möchte. Damit konnte sich mancher Gemeinderat nicht anfreunden.

Bernau – Im Bernauer Moos wird eine großflächige Photovoltaikanlage entstehen. Der Gemeinderat einigte sich auf einen Kompromiss und beschloss mit 10:6 Stimmen einen Bebauungsplan für eine Fläche auf den Weg zu bringen. Mit 5:11 Stimmen hatte er vorher Anlagen auf beiden der zwei beantragten Flächen abgelehnt. Vorausgegangen war eine angeregte Diskussion, nachdem die Projektanten der Firma Maxsolar aus Grabenstätt das Vorhaben vorgestellt hatten.

Großanlagen sollen Energiebedarf decken

Chistian Preuß von Maxsolar wies auf die Notwendigkeit erneuerbarer Energien hin, um die Wende samt Kohle- und Atomausstieg bewerkstelligen zu können. Photovoltaik werde in „enormen Maß“ benötigt, ein „Klein-Klein“ reiche nicht aus, Großanlagen seien nötig. Zudem bezeichnete er Photovoltaik als günstigste Stromerzeugung.

Zum konkreten Vorhaben in Bernau erklärte Schachner, dass ein Landwirt im Moos auf zwei Hektar Grünland solche Anlagen errichten wolle. Die ebene Fläche nahe Bahnlinie, Autobahn und Straße sei prädestiniert dafür. Insgesamt machte er in diesem Bereich sogar 50 Hektar Potenzialfläche aus, in der kein Schutzgebiet betroffen und ausreichend Abstand zur Wohnbebauung im etwa 150 Meter entfernten Weisham gegeben sei.

Anlage hinter Bäumen und Hecken verstecken

Die Anlagen könnten hinter hochgewachsenen Hecken und Baumreihen „versteckt“ werden und sorgten bei einer Versiegelung von unter einem Prozent durch die Extensivierung der Flächen für eine ökologische Aufwertung.

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In der Fragerunde erkundigte sich Peter Pertl (CSU), ob der Strom in bestehende Anlagen eingespeist werden kann. Preuß erklärte, dass in der Regel eine Netzverträglichkeitsprüfung durchgeführt werde, die Netze seien „zum Teil voll“.

Severin Ohlert (Grüne) fragte nach Speichersystemen. Dazu sagte Thomas Schachner von Maxsolar, dass solche zu den Anlagen geplant seien. Franz Praßberger (ÜWG) wollte wissen, ob auch mit anderen Grundstückseigentümern gesprochen worden sei. Dies verneinte Preuß und nannte dies einen zweiten Schritt.

Photovoltaikanlagen nur auf Dächern?

Für Franz Schnaiter (CSU) sind solche Projekte notwendig, aber kritisch in solch „einzigartiger Kulisse.“ Er befürchtete, dass die Tür für weitere Flächen geöffnet werde.

Michaela Leidel (BL) vertrat die Meinung, dass Photovoltaikanlagen auf Dächer gehörten. Sie befürchtete durch solche Großanlagen eine Zersiedelung der Landschaft und „Wildwuchs“. Die Fläche im Bernauer Moos solle fürs Auge freigehalten werden.

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Ursula Zeitlmann (Grüne) entgegnete: „Wer so etwas sagt, hat den Ernst der Lage nicht vor Augen.“ Man könne nicht nur auf andere verweisen, trotz Schönheit der Landschaft sah sie Handlungsbedarf. Mahnende Worte gab es an dieser Stelle auch vom ebenfalls anwesenden Klimaschutzmanager David Schmidtner. Der Mensch habe schon immer massiv die Landschaft geprägt. Eine Verschiebung der Lasten in andere Regionen sei nicht gerechtfertigt: „Für den Kohleabbau sind in anderen Bundesländern Häuser weggerissen worden, damit wir hier das Paradies haben.“

Die Energiewende nannte er eine globale Thematik und dem Landwirt solle die Möglichkeit gegeben werden, sich weiterzuentwickeln.

Wertschöpfung für den Landwirt

Matthias Vieweger (CSU) sagte: „Wir brauchen regionale Energie.“ Er plädierte dafür, nur eine der beiden Flächen zuzulassen. Franz Praßberger (ÜWG) argumentierte mit der Wertschöpfung des Bodens für den Landwirt, dass Biodiversität auf den Flächen geschaffen werden könne und die Versiegelung nur punktuell sei. Die Anlagen kategorisch abzulehnen, weil man sie nicht anschauen wolle, hielt er nicht für richtig: „Wir müssen uns alle der Energiewende stellen.“

Severin Ohlert (Grüne) sagte, man sehe die Anlage nur Bruchteile von Sekunden, wenn man den Bernauer Berg hinunterfahre. Pia Ostler (Grüne) nannte das Projekt „sinnvoll und notwendig“.

Gemeinde wird Bebauungsplan aufstellen

Peter Pertl (CSU) sagte, er sei nur für die Fläche, die näher an der Autobahn liege. Helmut Wacher (WMG) sprach sich für eine geordnete und zusammengefasste Planung im Außenbereich aus, sei aber grundsätzlich für das Projekt, wie er sagte.

Der Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan soll nun in einer der nächsten Sitzungen gefasst werden.

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