Energiegeladen: David Schmidtner berät als Klimamanager zwei Gemeinden

Beim Umwelttag in Rosenheim: David Schmidtner zusammen mit seinen Mitstreitern und Stellvertretern Georg Beyschlag (Mitte) und Philipp Ramming (links) von der Bürgerenergie Chiemgau.
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Beim Umwelttag in Rosenheim: David Schmidtner zusammen mit seinen Mitstreitern und Stellvertretern Georg Beyschlag (Mitte) und Philipp Ramming (links) von der Bürgerenergie Chiemgau.

Durchweg positiv beurteilt David Schmidtner (33) seine Tätigkeit als kommunaler Energie- und Klimaschutzmanager für Bernau und Aschau. Auch wenn es herausfordernd sei, für zwei Gemeinden gleichzeitig tätig zu sein, hat er viele Projekte bis zu ihrer Fertigstellung begleitet.

Von Elisabeth Kirchner

Bernau/Aschau – David Schmidtner hat in vielen Projekten mitgewirkt: Sei es ein Solarkataster, die jährliche Stadt-Rad-Aktion (in Bernau heuer zum dritten Mal, in Aschau dieses Jahr erstmalig), die energetische Sanierung des Bernauer Mehrzweckhallendachs und der Umstellung der Öl- auf eine Pelletsheizung, die nunmehr Halle und den neuen Kindergarten klimafreundlich und effizient mit Wärme versorgen sowie dafür die hohe passende Bundesförderung dazu durch eine aufwendige Projektskizze zu gewinnen, die Nahwärmeversorgung in Hohenaschau oder die Gründung der Bürgerenergie Chiemgau eG.

Schmidtner, seines Zeichens Master für nachwachsende Rohstoffe und erneuerbare Energien (TU München) und von der Handwerkskammer zertifizierter Energieberater, betont, dass die Projekte auch immer eine Gemeinschaftsleistung mit Gemeindeverwaltung und Bürgern seien. Seit fast vier Jahren für die beiden Gemeinden als Klimaschutzmanager und seit über drei Jahren als Vorstandsvorsitzender der BEC (Bürgerenergie Chiemgau eG) auch überregional in Sachen „Energieerzeugung und Nutzung vor Ort“ unterwegs zieht er im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung nun Bilanz.

Wie kann ich mir Ihre Arbeit als Klimaschutzmanager, auch im Zusammenhang mit interkommunaler Zusammenarbeit, vorstellen?

David Schmidtner: Meine Aufgabe ist es, als Kümmerer und Anstoßgeber die Aufgabe der öffentlichen Hand umzusetzen, unsere Lebensgrundlage zu schützen, was übrigens genau so auch in der Bayerischen Verfassung im Artikel 141 steht. Eine meiner fachlichen Arbeitsgrundlagen sind die Klimaschutz- und Energiekonzepte der Gemeinden. Diese übertrage ich in die Realität der Gemeinden. Die realisierbaren Potenziale sind in jeder Gemeinde in Hülle und Fülle vorhanden und wer langfristig denkt, unsere Lebensgrundlage schützen und Generationenverantwortung leben will, weiß, es gibt keine stichhaltigen Ausreden, jetzt nicht anzupacken. Noch dazu stärkt und stabilisiert die Energiewende unsere regionale Wirtschaft zusätzlich durch regionale Wertschöpfung. Was die interkommunale Zusammenarbeit betrifft, es ist natürlich schon fordernd: Zwei Büros, zwei PC, mehrere Mailaccounts, zwei Chefs – das hat sich aber mit der Zeit eingespielt. Gerade diese Herausforderung und Abwechslung, dass jede Gemeinde andere Voraussetzungen hat, seien es Gemeinderat, Verwaltung, Bürger oder die lokale Struktur, und dass man sich immer wieder neu reindenken muss, macht den Reiz meiner Tätigkeit aus. Und wenn Kommunen zusammenarbeiten, können beide Seiten voneinander lernen und profitieren, ganz abgesehen von den zusätzlichen Fördermöglichkeiten.

Eine Ihrer Arbeitsgrundlagen sind also die Klimaschutzkonzepte, sind diese auch für andere Gemeinden sinnvoll?

Schmidtner:Klimaschutz- und Energiekonzepte sind jeder Kommune, die ihre Vorbildfunktion ernst nimmt, zu empfehlen. Dafür braucht es dann aber auch einen Kümmerer, nicht nur mit fachlichen, sondern mehr noch mit zeitlichen Kapazitäten. Solche Konzepte dürfen nicht in der Schublade landen, sie rechnen sich langfristig und sind wichtig für die ganze Gesellschaft.

Fragen erwünscht

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Gremienoder Behörden und wie ist das Interesse der Bürger und Bürgerinnen?

Schmidtner: Ich freue mich immer über alle interessierten und begründeten Fragen, sei es von Bürgern, Kollegen oder dem Gemeinderat. Ich will recherchieren, ich will Antworten geben, Lösungen und Fördermöglichkeiten erarbeiten. Auf Landkreisebene arbeite ich ebenso sehr gut mit der Wirtschaftsförderung zusammen. Ökonomie und Ökologie sind kein Widerspruch, denn jeder weiß, beides brauchen wir zum Überleben; das Stichwort ist hier ganz klar die Gemeinwohlökonomie. Der Trend ist da, auch wenn es im Landkreis nur knapp zehn Klimaschutzberater gibt. Bei allen öffentlichen Veranstaltungen, an denen ich teilnehme, ist großes Interesse zu erkennen. Das zeigt sich beispielsweise auch bei unserer regionalen Energiegenossenschaft, die auf mittlerweile 250 Mitglieder angewachsen ist und die im vergangenen Jahr den Energiezukunftspreis Rosenheim erhalten hat.

Von Modell begeistert

An der Bürgerenergie Chiemgau eG sind ja nicht nur Bürger, sondern auch die drei Gemeinden Bernau, Aschau und Frasdorf beteiligt. Und wieso das Modell einer Genossenschaft?

Schmidtner: Die Gemeinden Neubeuern und Seeon-Seebruck sind mittlerweile auch schon Mitglieder, was mich sehr freut. Eine Beteiligung an einer Energiegenossenschaft erhöht nicht nur die Glaubwürdigkeit der kommunalen Klimschutzbemühungen, sondern entlastet den kommunalen Haushalt und beschleunigt gleichzeitig die Energiewende. So haben wir in den vergangenen Jahren 14 Bürgerenergie-Anlagen – das Blockheizkraftwerk im Bernamare mitgezählt – gebaut und auch viele Bürger zur Energiewende im Privatleben motiviert. Warum Bürgerenergie-Genossenschaft? Weil eine Genossenschaft gelebte regionale Wertschöpfung auf einem urdemokratischen Fundament ist, an der jeder Bürger, jeder Gemeinde teilhaben kann. Alle Beteiligte erhalten so langfristig eine finanzielle und ökologische Dividende.

Haben Sie ein Lieblingsprojekt? Und wo und was war bislang Ihre größte Hürde?

Schmidtner: Da kann ich keins benennen, denn jedes momentane Projekt ist dann mein besonderer Liebling. Und da kommt es auch nicht auf den Umfang, sondern die Wirkung an. Die größten Hürden sind tatsächlich unzählige, bewusst ungünstig gestaltete rechtliche Rahmenbedingungen für Energiezukunftsprojekte. Aktuell zum Beispiel der 52 Gigawatt-Deckel, der die gesamte deutsche Solarenergie-Branche und den Solar-Energieausbau schon in diesem Jahr existenziell bedroht. Hier stehen auch tausende Arbeitsplätze im Mittelstand auf dem Spiel. Das ist fahrlässige Bundespolitik. Dass viele Bürger und Bürgerinnen der Region bei der Energiewende trotzdem Vorreiter sind und sich nicht durch fossile Klientelpolitik abbringen lassen, lässt hoffen.

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