Endlich wieder was los im Kindergarten Unterwössen – Erweiterte Notebetreuung ab Montag

Ein ungewöhnlicher Anblick:Gähnende Leere in den Räumen des Kindergartens St. Martin in Unterwössen. Mit den Änderungen zu den Bestimmungen der Notfallbetreuung, soll aber bald wieder ein bisschen Leben in den Kindergarten kommen. flug

Nervtötende Stille im Kindergarten St. Martin in Unterwössen, so empfinden es die Kindergärtnerinnen. Nun öffnet die Notbetreuung ab Montag, 27. April, für Kinder aller berufstätigen Alleinerziehenden – und das Telefon steht nicht mehr still.

von Ludwig Flug

Unterwössen –. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Familienministerin Carolina Trautner (CSU) folgten den Anregungen des Bundes. Die Notbetreuung der Kindergärten und Schulen öffnet ab Montag, 27. April, für Kinder aller berufstätigen Alleinerziehenden. Auf eine Tätigkeit in einem Bereich der kritischen Infrastruktur kommt es somit bei Alleinerziehenden nicht mehr an. Zwei Elternteile können ihre Kinder dann in die Notbetreuung geben, wenn ein Elternteil im Bereich der kritischen Infrastruktur tätig ist.

Telefon stand nach Ankündigung nicht mehr still

Eine Stunde nach Bekanntwerden dieser Lösung, klingelte das Telefon der Kindergartenleiterin, Birgit Dupke, im Kindergarten St. Martin am Zollweg häufig. Viele Alleinerziehende meldeten ihr Kind für die kommende Woche an, berichtete sie unserer Zeitung. „Bei uns sind alle gesund. Wir unterhalten derzeit eine Gruppe zur Notbetreuung“, so Dupke weiter. „In so einer Gruppe dürfen wir bis zu fünf Kinder betreuen.“ Am Montag öffnet eine zweite Gruppe mit bis zu fünf Kindern. Das, und vielleicht auch eine dritte und vierte Gruppe, zeichnet sich derzeit ab.

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In der bisherigen Gruppe der Notbetreuung, beaufsichtigten die Kindergärtnerinnen Kinder von Eltern, die beide in systemrelevanten Berufen arbeiteten. Dazu zählen Berufe zur Wahrung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, der Infrastruktur oder der Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfes. Auch Berufe der Gesundheitsvorsorge und Pflege sowie der Bildung und Erziehung im Rahmen der Noteinrichtung gehören dazu.

Das gleiche Procedere galt für Kinder von Alleinerziehenden aus diesen Berufen. „Diese Kinder haben wir von 7 bis 16 Uhr gewohnt liebevoll umsorgt“, so die Kindergartenleiterin. Die Erzieherinnen wurden zudem oft um Rat gefragt, wenn sich Herausforderungen daheim bei der Betreuung ergaben. Dupke beschreibt die Eltern als überwiegend verständnisvoll, sodass alle die letzten Wochen der Corona-Krise gut überstanden haben.

Keine einfache Zeit für Eltern und Betreuerinnen

Für die Kindergärtnerinnen ist die Zeit nicht einfach, die Herausforderungen an die Organisation der täglichen Arbeit ist groß. Neue Konzepte entstanden, Alte wurden überarbeitet. Der Kindergarten entwickelte für die Kinder in der Notbetreuung ein besonderes Kinderschutzkonzept. Dazu gehört, dass immer die gleichen Betreuerinnen die gleichen Kinder beschäftigen. Andere Kindergärtnerinnen arbeiteten im Home Office.

Parallel blieben gewohnte Aufgaben, wie die Gestaltung der Gruppen und die Erstellung des Geburtstagskalenders. Besonders schwierig ist das Putzen und Desinfizieren. Die Erzieherinnen empfinden ein ungutes Gefühl, beschreibt Dupke. „Stille ist etwas, das selten bei uns vorkommt. Sie gehört eigentlich nicht in einen Kindergarten. Trotzdem, wir müssen gelassen bleiben.“

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Daheim in den Haushalten war die Situation angespannt, wie die Zeitung aus Gesprächen mit betroffenen Müttern erfuhr. Nach einer Studie der Sozialwissenschaftlerin Lena Hipp, Potsdam, betreffen die sozialen Auswirkungen besonders die Frauen.

Ursachen seien zum Beispiel die Arbeit im Home Office, wenn sich Frauen zugleich für die Betreuung und den Heimunterricht der Kinder verantwortlich fühlen. 1,8 Millionen berufstätige Alleinerziehende gibt es in Deutschland, lediglich 450 000 von ihnen hatten bisher Anspruch auf eine Kita-Betreuung. Das ändert sich nun.

Schutzmaßnahmen sind keine leichte Aufgabe

Mit der Einhaltung der erforderlichen Schutzmaßnahmen, wird dies keine leichte Aufgabe für die Kindergärtnerinnen werden. Doch Birgit Dupke und ihre Erzieherinnen freuen sich darauf, dass endlich wieder ein bisschen Leben in den Kindergarten einzieht. Wer sein Kind in die Notbetreuung geben möchte, erhält im Kindergarten das erforderliche Formular.

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