„Die Elfer“ – Aus Freude an der Geselligkeit

Eröffnung des Schießstandes in der Wildenwarter Schloßwirtschaft: Herzog Max gab damals den ersten Schuss auf der Anlage ab.

Prien/Wildenwart –.

„In der bayerischen Tradition und Geschichte haben die Schützen einen ganz besonderen Platz“, so Herzogin Elizabeth in Bayern bei ihrer Ansprache zum 125. Jubiläum der Schützengesellschaft „Die Elfer“ Wildenwart. „Bestrebt, unser Bayern vor „mutwilligem Einzug und Beschädigungen“ zu schützen, gründeten sich schon früh die ersten bewaffneten Bauern- und Bürgerwehren, aus denen die heutigen Schützenvereine und auch die Gebirgsschützen entstanden. Dass Bayern, insbesondere Oberbayern, so reich an Brauchtum ist, hat es auch den Schützen zu verdanken. Die Verbundenheit der Schützen mit Bayern, der Geschichte und der Patrona Bavariae wird in Tradition für alle sichtbar – mit jeder Schießscheibe in den Wirtshausstuben.

Wie alles begann: „Zum geselligen Schießen“ trafen sich im Winter 1891 erstmals elf Männer aus Wildenwart in der Schloßwirtschaft. In knapp 130 Jahren ist aus den elf Gründungsmitgliedern von 1891 ein starker Verein von rund 150 Schützen entstanden. Während die elf Gründungsmitglieder 1891 ausschließlich Männer waren, ist der Frauenanteil im Verein heute erfreulich hoch.

100 aktiveMitglieder

100 Mitglieder, Frauen und Männer, beteiligen sich aktiv an den Schießvorhaben, darunter auch ein Dutzend Schüler und Jugendliche. Andreas Freund junior führt „Die Elfer“ seit 2003 als Erster Schützenmeister. Die SG Wildenwart hat – im Gegensatz zu den Feuerwehren und Trachtenvereinen von Atzing und Wildenwart – wie der Veteranen- und Kriegerverein Wildenwart Mitglieder in allen Ortsteilen der ehemaligen Gemeinde Wildenwart zwischen Hendenham und Siggenham. Seit 129 Jahren besteht die Schützengesellschaft „Die Elfer“ Wildenwart, geschossen wird aber schon viel länger. Heimatforscher Hans Hoesch wies nach, dass die Wurzeln des Chiemgauer Schützenwesens bis ins hohe Mittelalter zurückreichen. In der unmittelbaren Nachbarschaft werden in einer Chronik von 1322 erstmals die Aschauer Schützen erwähnt, 1641 wurden sie Gebirgsschützen genannt, in der Herrschaft Wildenwart verlief die Entwicklung ähnlich. Wann in Wildenwart zum ersten Mal geschossen wurde, lässt sich nicht mehr genau feststellen. Es existiert ein Kupferstich von Michael Wening, der etwa um das Jahr 1700 entstanden ist. Darauf ist ein Schießstand am Vogeltenn eingezeichnet. Vermutlich gehörte er zum Schloss und wurde vom Freiherrn von Schurff, dem damaligen Wildenwarter Schlossherrn, gebaut. Aus dieser Zeit liegen jedoch keine Unterlagen über das Wildenwarter Schützenwesen, über Gebirgsschützen oder das Aufgebot der Wildenwarter Herrschaft vor.

„Die Elfer“ entstanden 1891 als ein loser Zusammenschluss von elf Männern, die Freude an der Geselligkeit hatten und ein paar der langen Winterabende beim Vortelschießen in der Gastwirtschaft verbrachten. Das erste Schießen war am Donnerstag, 22. Januar 1891, so sagt es die reich bebilderte Vereinschronik aus.

Während der beiden Weltkriege kamen das Scheibenschießen und das Vereinsleben völlig zum Erliegen, nach dem Zweiten Weltkrieg dauerte es lange, bis sich die Schützen wieder zusammenfanden. 1956 wurde die Talerkette für den Schützenkönig angeschafft, 1977 wurde mit viel Eigenleistung der erste Schießstand auf dem Dachboden der Schloßwirtschaft ausgebaut. Der Verein schloss sich dem Schützengau Prien-Chiemgau an und nahm seither an allen Gauveranstaltungen teil.

Erste Fahne erstzum 100. Geburtstag

Zum 100. Gründungsjubiläum weihte Pfarrer Josef Preis 1991 die erste Fahne in der Geschichte des Vereins; die Fahnenmutter war Martina Gelder, Angelika Stocker die Fahnenbraut, Pate stand der Nachbarsverein „Chiemgauadler“ Umrathshausen. Schon ein Jahr später wurden „Die Elfer“ gebeten, den Göd bei der Fahnenweihe der „Thomasschützen“ aus Frasdorf zu machen, einer Bitte, der der Verein gerne nachkam.

2007 wurde mit großem Aufwand der alte Kuhstall in der Schloßwirtschaft zum Schießstand ausgebaut. Herzog Max in Bayern gab den ersten Schuss ab. Geschossen wird bei den Wildenwartern nur während der Wintermonate. „Mit dem jährlichen Maschkera-Damenschießen, mit Dorfkönigschießen und den Vergleichsschießen mit den beiden anderen Schützenvereinen von Frasdorf, „Thomasschützen“ Frasdorf und „Chiemgauadler“ Umrathshausen, wirkt der Verein über seine Mitglieder und Grenzen hinaus“, so Schützenmeister Andreas Freund. Der Schießbetrieb beginnt mit dem ersten Übungsschießen im Oktober und endet im April. Die Schützen treffen sich jeden Freitag ab 19 Uhr in der Schloßwirtschaft. Neuanfänger, vor allem Jugendliche, sind stets willkommen. reh

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