Im Trend

Diese Priener sind abgehärtet durch Eisschwimmen im Chiemsee: Nur die Wollhaube schützt

Ein Gruppenfoto der „Wollhaubentaucher“ aus Zeiten vor Corona (v.l.): Mike, Vroni, Olli und Sonja. Sie schwimmen auch im Winter in verschiedenen heimischen Seen, zum Beispiel im Chiemsee.Privat
+
Ein Gruppenfoto der „Wollhaubentaucher“ aus Zeiten vor Corona (v.l.): Mike, Vroni, Olli und Sonja. Sie schwimmen auch im Winter in verschiedenen heimischen Seen, zum Beispiel im Chiemsee.
  • Tanja Weichold
    vonTanja Weichold
    schließen

Frühlingshafte Tage wärmten am Wochenende Gemüt und Gesicht, dennoch käme kaum jemand auf die Idee, deshalb gleich die Badehose auszupacken. Es gibt in Prien allerdings einen hart gesottenen Kreis, der der Kälte trotzt.

Prien – Selbst bei Schnee und Minusgraden waren rund um die heimischen Seen über den ganzen Winter Eisschimmer zu sehen, die sich ins wenige Grad kalte Wasser wagten. Unter ihnen ist Vroni Hötzelsperger. Sie erzählt im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen, was sie dazu antreibt.

Abgehärtet und ein gutes Gefühl

Die 39-Jährige ist einerseits fasziniert, was der menschliche Körper schaffen kann. Dazu kommt der gesundheitliche Aspekt: „Mein Immunsystem ist besser geworden, im Gegensatz zu früher habe ich fast kein Kopfweh mehr und ich bin nicht mehr so verfroren.“ Sie fühle sich hinterher frisch und neu. „Schwimmen ist für mich wie ein Abwaschen von Stress“, so Hötzelsperger.

Traurig über das Ende der Schwimmsaison im Sommer

Heuer sei ihr vierter „Eiswinter“, wie sie es bezeichnet. Sie erinnert sich daran, wie alles begann. „Ich war damals am Ende des Sommers traurig, dass die letzten Schwimmtage vor mir lagen. Da dachte ich mir, ich versuche es noch so lange, bis es mir zu kalt wird.“ Sie traf im Herbst andere Gleichgesinnte an und so entstand mit Mike Löwa, Olli und Sonja Eidenhammer die kleine Schwimmgruppe „Wollhaubentaucher“.

-

Neugierig geworden aufs Eisschwimmen

Vroni Hötzelsperger hörte in diesem Kreis erstmals vom Eisschwimmen und wurde neugierig. „Ich habe mich auf sämtliche Literatur gestürzt“, erinnert sie sich. „Wir haben gesagt, das probieren wir.“ Es folgte ein klärendes Gespräch mit dem Arzt, außerdem kaufte sich Vroni Hötzelsperger eine Schwimmboje. „Meine größte Sorge war am Anfang, was passiert, wenn ich im See bin und mir zu kalt wird.“ Sie und Mike planten ihr damaliges tägliches gemeinsames Training minutiös, berücksichtigten bei der Planung die Außen- und die Wassertemperatur, führten sogar Tabellen. „Die Wassertemperatur war unser Richtwert, den wir in Minuten maximal im Wasser geblieben sind.“

Pensum im eiskalten Wasser langsam gesteigert

Sie haben sich langsam gesteigert. „Wenn wir es einen Tag vier Minuten geschafft hatten, versuchten wir uns an die fünf Minuten“, so Hötzelsperger. Geschwommen werde mit Mütze, das sei „superwichtig“. Den Kopf tauche sie nicht unter Wasser und mache sich die Haare nicht nass, um den Körper nicht zu stark auszukühlen.

Mit Badeanzug im kalten Wasser und einer Eisplatte in der Hand: Vroni Hötzelsperger.

Kleidung in der Wärmflasche eingewickelt und warmer Tee

Zur Planung gehöre auch das Aufwärmen nach dem Kältebad, der warme Tee für hinterher ist immer dabei. „Du optimierst Deine Kleidung, etwas Bequemes, in das zu schnell hineinschlüpfen kannst.“ Je nachdem wie kalt es ist, wickle sie die Kleidung um eine Wärmflasche. Die „Wollhaubentaucher“ haben in den vergangenen Wintern in den Einzeldistanzen und in der Staffel an Sportveranstaltungen teilgenommen, nämlich am „Chiemsee Eiskönig“, den der TSV Bernau ausrichtet, und bei der Stadtmeisterschaft im Eisschwimmen am Wöhrsee in Burghausen (Landkreis Altötting). Aktuell liegen diese Veranstaltungen wegen der Corona-Pandemie natürlich auf Eis.

Die Pläne seien vor jedem Winter die gleichen: „Wir schauen, ob es uns wieder freut. Es ist schon eine Überwindung ins eiskalte Wasser zu gehen, vor allem wenn das Wetter dann auch noch ungemütlich ist.“ Wichtig sind ihr auch die Schwimmpartner. „Alleine würde ich mich nicht so weit schwimmen trauen und es würde mich auch nicht so freuen.“

Distanz immer mehr gesteigert

Im ersten Jahr, so erzählt sie, seien sie nur vorsichtig in kleinen Kreisen geschwommen. Nach mehreren Eiswintern sind es schon 200 Meter am Ufer entlang. „Ich würde die Weite schon gerne noch ausdehnen“, meint die Prienerin. Ihre Wahrnehmung ist, dass das Eisschwimmen im heurigen Winter „wahnsinnig zugenommen“ hat. Sie rät jedem Interessierten, vor dem Eisschwimmen ein klärendes Gespräch mit dem Arzt zu führen.

Chiemsee Eiskönig fiel 2021 ins Wasser

Für Vroni Hötzelsperger ist es die schönste Eisschwimm-Veranstaltung des Winters, doch musste auch sie heuer abgesagt werden: Die Rede ist vom „Chiemsee Eiskönig“, den der TSV Bernau ausrichtet. Auf der Internetseite der Schwimmabteilung berichtet Abteilungsleiter Matthias Vieweger, der Chiemsee Eiskönig traditionell am letzten Samstag im Januar stattfinde. Heuer hätte der TSV Bernau sogar das fünfjährige Jubiläume gefeiert. Hätte, denn coronabedingt sagte der Verein den Wettbewerb ab. „Obwohl die Veranstaltung weitgehend im Freien stattfindet, machen es gerade die Aufwärm- und Warmhalteeinrichtungen für die Eisschwimmer unmöglich, die geforderte Abstände und weitere Corona-Hygieneregeln einzuhalten.“ Vieweger schreibt von einer schweren Entscheidung, da sich die Veranstaltung einen bundesweiten Ruf erarbeitet habe, der sogar ins europäische Ausland reiche. Die Gesundheit der Sportler und die Eindämmung der Pandemie stehe aber im Vordergrund.

Mehr zum Thema

Kommentare