Asylbewerber auch in Grabenstätt - Bürger in Helferkreis kümmern sich um sechs Flüchtlinge aus Pakistan

"Eine schwierige Herausforderung"

Grabenstätt - Sechs Asylbewerber aus Pakistan wohnen seit 1. Mai am Marktplatz 4 in Grabenstätt, und bis Jahresende müssen unter Umständen noch 29 weitere Asylsuchende im Ort verteilt werden.

Darauf hat Bürgermeister Georg Schützinger in einer gut besuchten Info-Veranstaltung zum Thema "Asylbewerber in Grabenstätt" in der Schlossökonomie hingewiesen. Die diesjährige Soll-Prognose für die Gemeinde liege bei 35. Wo sie untergebracht werden könnten, sei derzeit noch völlig unklar, sagte der Bürgermeister.

Schützinger, die Asylsozialberaterin Annemarie Peter vom Diakonischen Werk Traunstein, die Grabenstätterin Barbara Kaulfuß, die sich seitens der Stadt Traunstein um die Asylbewerber kümmert, und der gemeindliche Geschäftsleiter Peter Lex informierten in der Veranstaltung über die drängendsten Fragen zum Thema Asyl und standen den interessierten Bürgern Rede und Antwort.

Das Menschliche sei wichtig und nicht irgendwelche theoretischen Gedankenspiele, betonte Barbara Kaulfuß. "Gehen sie einfach zu ihnen hin, haben sie Zeit, hören sie zu und machen sie sich frei von der ganzen Bürokratie", appellierte Kaulfuß, die für die Asylbewerber auch immer wieder sympathisch auf Englisch übersetzte.

"Sie haben Glück, dass ihre Asylbewerber Englisch verstehen"

"Sie haben Glück, dass ihre Asylbewerber Englisch verstehen, das ist nicht überall so", betonte Annemarie Peter, die schwerpunktmäßig im Bereich der zentralen Asylunterbringung in Grassau eingesetzt ist. Wichtig sei es, dass man mit ihnen kommuniziere, ihnen die Örtlichkeiten, Einkaufsmöglichkeiten und andere wichtige Anlaufstellen erkläre, sei es mit einfachem Englisch oder mit Zeichensprache. Hilfe sei immer als Hilfe zur Selbsthilfe zu verstehen.

Aus eigener Erfahrung wisse sie, so Peter, dass es nicht von heute auf morgen gehe, eine Beziehung herzustellen und Vertrauen aufzubauen. Das brauche Zeit und Geduld, gerade wenn unterschiedliche Kulturen und Mentalitäten aufeinanderstoßen.

"Bei uns war es am Anfang so, dass sich die Asylbewerber untereinander nicht vertragen haben", berichteten Monika Röder und Frau Gabriele Willeke vom Helfernetzwerk in Sondermoning. Ein ganz wichtiger Faktor bei der Integration sei die deutsche Sprache, betonte Peter und appellierte an die Bürger, sich als ehrenamtliche Deutschlehrer zur Verfügung zu stellen. "Überfordern sie sich und die Asylsuchenden dabei nicht, sie müssen ausprobieren, es dürfen Fehler passieren, auch wir haben einst so angefangen", so Peter. Für Lernmittel könnten Fördermittel beantragt werden.

Auf Nachfrage stellte die Diplom-Sozialpädagogin auch klar, dass jeder Asylbewerber nach drei Monaten Aufenthalt in Deutschland arbeiten dürfe, doch auch hierzu seien viele Formalien zu erfüllen, eine Genehmigung durch die Ausländerbehörde notwendig und zudem gelte erfahrungsgemäß, "ohne Deutsch geht gar nichts". Leiharbeit und Praktika seien für Asylbewerber zu deren Schutz grundsätzlich verboten. Zudem warnte Peter davon, Asylbewerber für ein paar Euro oder auch unentgeltlich beispielsweise im eigenen Garten arbeiten zu lassen, denn das sei Schwarzarbeit.

"Wir stehen uns mit unserer Bürokratie

nur im Weg"

"Wir stehen uns mit unserer Bürokratie nur im Weg, mit all diesen Auflagen und bürokratischen Hürden kriegen wir das nicht in den Griff", meinte Werner Fluhry aus Grabenstätt. Es sei überhaupt kein Problem, mit Asylbewerbern Ausflüge zu unternehmen, aber Fahrten ins Ausland, auch ein Kurztrip ins benachbarte Salzburg, seien absolut tabu, gab Kaulfuß zu bedenken.

Ein besonderer Dank gelte Ariane Looshorn und Rotraud Ruhl, die sich gemeinsam mit Barbara Kaulfuß von Beginn an um die neuen Mitbürger gekümmert und bereits Kontakte zu anderen Helferkreisen geknüpft hätten, lobte Bürgermeister Schützinger. "Letztendlich hoffen wir natürlich, dass sich diesem kleinen Kreis noch weitere Personen anschließen werden."

Gesagt, getan - so setzten sich nach der Veranstaltung einige engagierte Bürger zusammen und diskutierten mit den Asylbewerbern über das weitere Vorgehen. Weitere Bürger hatten schriftlich ihre Hilfe angeboten.

"Thank you for helping us", bedankten sich die aufgeschlossenen Asylbewerber für den herzlichen Empfang und die Integrationsbemühungen. Was ihre Freizeitgestaltung anbelange, würden sie sehr gerne Fußball spielen, betonten sie lächelnd.

Abschließend verwies Annemarie Peter noch auf das von ihr geschriebene Handbuch zur Betreuung von Asylbewerbern im Landkreis Traunstein, das auf der Homepage des Diakonischen Werkes Traunstein abrufbar sei und von ihr kontinuierlich aktualisiert werde.

Bürgermeister Schützinger bezeichnete den Info-Abend am Ende als "wichtige Grundlage, um die schwierige Herausforderung, die auch für uns als Gemeinde ganz neu ist, zu bewältigen".

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