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Debatte um Parteiausschluss des Altkanzlers

„Eine Schande!“: So sehen Chiemgauer Sozialdemokraten Gerhard Schröder

Schwierig ist das Verhältnis der SPD zu ihrem ehemaligen Parteivorsitzenden und Bundeskanzler Gerhard Schröder geworden.
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Schwierig ist das Verhältnis der SPD zu ihrem ehemaligen Parteivorsitzenden und Bundeskanzler Gerhard Schröder geworden.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Kann man mit Wladimir Putin befreundet und dennoch ein lupenreiner Sozialdemokrat sein? An Gerhard Schröder scheiden sich die Geister. Das sagen Sozialdemokraten aus dem Chiemgau zu ihrem Parteikollegen und der Debatte um seinen Ausschluss. Und was passiert mit „Kater“ Schröder von der Bernauer Bürgermeisterin?

Chiemgau – Er wäre der erste ehemalige Bundeskanzler gewesen, der von seiner Partei ausgeschlossen worden ist: Die Rede ist von Gerhard Schröder. Mit seiner Position zu Russland und Wladimir Putin eckte der frühere Kanzler schon öfter an, seit der Ukrainekrise erst recht. Mehrere SPD-Ortsvereine hatten daher seinen Parteiausschluss beantragt – der nun scheiterte. Die OVB-Heimatzeitungen haben sich bei Sozialdemokraten in der Region umgehört, wie sie zu Gerhard Schröder stehen.

Koflers Position unbekannt

Schon im Mai hatten die OVB-Heimatzeitungen eine Anfrage an die Traunsteiner Bundestagsabgeordnete Bärbel Kofler gestellt, die seit dieser Legislaturperiode Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ist. Aus zeitlichen Gründen fand damals kein Interview statt. Eine erneute Anfrage scheiterte in dieser Woche abermals an der Verfügbarkeit der Politikerin. „Aktuell ist Frau Dr. Kofler in ihrem Sommerurlaub und bricht am Freitag zu einer Dienstreise nach Ostafrika auf. Daher ist sie leider aktuell auch für uns Mitarbeiter momentan schwer greifbar“, heißt es seitens ihres Sprechers.

Erstaunlich ist das insofern, als sich Koflers Kreisverband sehr deutlich positioniert: „Gerhard Schröder sollte der SPD nicht weiter angehören dürfen. Die fehlende Distanzierung zum russischen Präsidenten Putin und dessen Krieg gegen die Ukraine sowie die geschäftlichen Verstrickungen mit russischen Öl- und Gasunternehmen sind eine Schande.“

„Unsägliche Aussagen“

Von „unsäglichen Aussagen“ Schröders ist dort die Rede, die nur seinen eigenen geschäftlichen Interessen dienten. „Als SPD im Landkreis Traunstein setzen wir uns auch weiterhin für einen Ausschluss von Gerhard Schröder aus der Partei ein“, schreibt der Kreisvorsitzende Sepp Parzinger aus Bergen. Er hoffe darauf, dass Berufung eingelegt wird, da Schröder der SPD und dem Ansehen der Bundesrepublik stark schade.

Die SPD-Geschäftsstelle Rosenheim Land ist in dieser Woche wegen Urlaubs geschlossen, bislang wurde keine Pressemitteilung verschickt. Die Priener Sozialdemokratin und Marktgemeinderätin Gabi Schelhas hat klare Worte für Schröder und sein Verhältnis zu Putin: „Wenn ich mit jemandem befreundet bin, dann sollte ich dem auch mal sagen können, ‚Burschi, ich finde das nicht gut, was du machst!‘, finde ich.“ Sie hätte sich gewünscht, dass Schröder sich distanziert. Dennoch ist sie gegen einen Parteiausschluss: „Er ist halt auch nur ein Mensch, der Fehler macht.“

Versöhnliche Töne in Rimsting und Prien

Ebenso wie Thomas Friedrich, SPD-Ortsvereinsvorsitzender in Prien und Rimsting. „Die jetzige Entscheidung müssen wir akzeptieren und die weitere Entwicklung abwarten“, so Friedrich im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Für ihn sollte Schröder wegen seiner Beziehung zu Putin nicht ausgeschlossen werden. „Bislang hat er noch nicht so viele verwerfliche Dinge gemacht, dass ein Ausschluss zwingend notwendig wäre“, sagt der Sozialdemokrat. Außerdem könne Schröder möglicherweise beim Vermitteln zwischen den Kriegsparteien Ukraine und Russland von Nutzen sein.

Klare Position in Grassau

Der Grassauer Bürgermeister Stefan Kattari fand Schröder in seiner Jugend als Bundeskanzler gut. Aber er wisse, dass Schröder schon seit Langem polarisiert. Für ihn ist die Sache klar: „Wer einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg unterstützt, hat in der SPD nichts verloren.“ Wobei die Partei dadurch nicht entbunden sei, sich mit diesen Meinungen auseinanderzusetzen.

Die Katzen Söder und Schröder

Muss Kater Schröder nun ins Tierheim?

Söder und Schröder heißen die Katzen der Bernauer Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber. Sie selbst ist Christsoziale, hat mit Schröder also wenig am Hut: „Der ist ganz schön in Verruf geraten!“ Wobei nicht ganz klar ist, ob sie sich nun auf ihren Kater oder den Politiker bezieht. Der Kater darf aber, Name hin oder her, bleiben. „Zum Glück hat er Vornamen, auf die er recht gut hört“, erzählt Biebl-Daiber im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Sowohl auf „Schnorchel“ als auch auf „Snore“ (Englisch für Schnarchen). Man kann sich also in etwa vorstellen, welche Geräusche diese Katze von sich gibt. Ob dies eine weitere Parallele zu seinem Namensgeber ist, ist nicht bekannt.

Mit der SPD gemein hat der Kater jedoch die Fellfarbe, nämlich rot. Und abgängig, wenn auch geografisch und nicht inhaltlich, war Schröder jüngst auch, wenn auch nur für vier Tage. Ansonsten sei er aber eine treue Seele: „Das ist so gar nicht normal, er kommt jeden Abend heim.“ Das können Gerhard Schröders frühere Lebensgefährtinnen und Ehefrauen vermutlich nicht über ihn sagen. Und „normal“ finden viele Sozialdemokraten ihren Parteifreund auch nicht mehr.

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