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Weltweite Kunstaktion für Nachhaltigkeit

Eine neue Eiche zu Ehren von Joseph Beuys in Chieming gepflanzt

Dank tatkräftiger Mithilfe der Mitarbeiter vom Bauhof konnten Kunstvereins-Vorsitzender Herbert Stahl, Grünen-Abgeordnete Gisela Sengl und Friedrich W. Mumm von Mallinkrodt (von links) als Baumpaten zusammen mit Projektkoordinator Lothar Müller (Zweiter von recht) vor der Klinik Alpenhof in Chieming die neue Eiche zur Ehren von Joseph Beuys einpflanzen.
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Dank tatkräftiger Mithilfe der Mitarbeiter vom Bauhof konnten Kunstvereins-Vorsitzender Herbert Stahl, Grünen-Abgeordnete Gisela Sengl und Friedrich W. Mumm von Mallinkrodt (von links) als Baumpaten zusammen mit Projektkoordinator Lothar Müller (Zweiter von recht) vor der Klinik Alpenhof in Chieming die neue Eiche zur Ehren von Joseph Beuys einpflanzen.
  • Axel Effner
    VonAxel Effner
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In Chieming atmet die Botschaft von Joseph Beuys: Der berühmte deutsche Aktionskünstler wäre heuer 100 Jahre alt geworden. Seine Gedanken für einen wertschätzenden Umgang der Menschen untereinander, mit den Tieren und der Natur ist aktueller denn je. Chieming ist nun Teil einer bundesweiten Kunstaktion.

Chieming – Anlässlich des 100. Geburtstags des „Jahrhundert-Künstlers“ Joseph Beuys erinnern in diesem Jahr bundesweit zahlreiche Ausstellungen und Veranstaltungen an dessen Anliegen. Die gesellschaftliche und sozialkünstlerische Dimension seines Werkes ruft das im Jahr 2015 vom Museum DASMAXIMUM in Traunreut und dessen Stifter Heiner Friedrich ins Leben gerufene Projekt „Eichenpflanzungen zu Ehren von Joseph Beuys “ in Gedächtnis.

Die Eichenpflanzungen mit Steinsetzung lassen im Rahmen einer inzwischen bundesweiten Aktion immer mehr Orte und Menschen Teil des Netzwerkgedankens werden.

Jungbaum und Basaltstein gesetzt

Nach Eichenpflanzungen in Traunreut, Seebruck, Altenmarkt, Stein an der Traun sowie Burghausen und Tyrlaching im näheren Umkreis ist seit kurzem auch Chieming Teil eines weltbekannten Kunstprojekts. Anfang November folgt zum Beispiel auch noch eine Eichenpflanzung in Bernau am Chiemsee.

An malerischer Stelle vor der Klinik Alpenhof für Vater-Mutter-Kind-Kuren mit Blick auf den Chiemsee erinnert nun in Chieming eine respektable Jungeiche mit einem gut 1,20 Meter hohen Basaltstein samt Messingschild an Joseph Beuys.

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Zusammen mit Bürgermeister Stefan Reichelt und Mitarbeitern des Bauhofs pflanzten Projektkoordinator Lothar Müller, Schüler der Grund- und Mittelschule sowie als Baumpaten Friedrich W. Mumm von Mallinckrodt, Herbert Stahl als Vorsitzender des Kunstvereins Traunstein und die Grünen-Landtagsabgeordnete Gisela Sengl das Kunstwerk im Boden ein.

Reichelt erinnerte an Vorgespräche mit von Mallinckrodt, Ehrenvorsitzender des Kunstvereins Traunstein, im Herbst 2020, sich auch in Chieming an der Beuys-Aktion zu beteiligen. Bei der Suche nach dem richtigen Platz erschien der jetzige Standort als der „Ort, wo sich alles trifft“, ideal. Der Blick auf die Berge, den See und die Natur, die in langen Zeiträumen erschaffen wurden, passe gut zu der Millionen Jahre alten Basaltstele aus Vulkangestein als Symbol für die Vergangenheit.

Schutzbedürftiger Jungbaum wächst zur kraftvollen Eiche heran

Es sei faszinierend, in die Zukunft zu denken und sich zu vergegenwärtigen, wie der jetzt noch schutzbedürftige Baum mit der Wächterstele zu einer kraftvollen, schönen großen Eiche heranwachse, die ihrerseits Schutz biete. Der damit verbundene Perspektivwechsel sei auch Ausdruck von Nachhaltigkeit und dem damit verbundenen Gedanken an künftige Generationen, sagte Reichelt.

Müller sprach davon, wie Beuys 1982 mit der Aktion „7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“ zur Kunstschau der Documenta 7 in Kassel für Unverständnis, Protest und weltweites Aufsehen gesorgt hatte.

Angesichts weltweiter Umwälzungen, der Klimakrise und der Corona-Pandemie seien Beuys‘ Gedanken an eine notwendige soziale und ökologische Transformation heute aktueller denn je. Im Sinne von Beuys entstehe die eigentlich beabsichtigte „soziale Skulptur“ erst durch das schöpferische Miteinander der Menschen, die mit der Eichenpflanzung befasst seien.

In der Aktion bis nach New York verbunden

Stahl erinnerte an eine Kurzgeschichte von Jean Giono von 1953, in der ein Schäfer durch beharrliche Baumpflanzungen eine karge Gegend in der Provence wieder fruchtbar machen konnte. In dieser Tradition stehe auch das visionäre Werk von Beuys. Mit der Pflanzung sei Chieming mit regionalen und bundesweiten Aktionen und sogar mit New York verbunden, wo Heiner Friedrichs Dia Art Foundation 1988 bis 1996 Eichenpflanzungen im Sinne von Beuys organisiert hatte.

Schönheit der Schöpfung bewahren

Sengl freute sich darüber, dass in der Eichenpflanzung als Kunstprojekt Gedanken der „Freiheit, der Gestaltung und der schöpferischen Begegnung“ zusammenflössen. Es sei eine große Aufgabe, „die Schönheit der Schöpfung zu bewahren“. Von Mallinckrodt erinnerte, wie ihn als Ausstellungsbesucher das Engagement von Joseph Beuys beeindruckt habe. Dies habe auch den Anstoß gegeben, mit der Pflanzaktion in Chieming ein Zeichen zu setzen.

Joseph Beuys verstarb 1986 in Düsseldorf.

„Bäume sind Außenorgane des Menschen“:

Dieser Satz wurde in den 1980er Jahren noch als mythische Geheimlehre eines Künstler-Schamanen gedeutet, wie es in einer Pressemitteilung des Netzwerks Bayerischer Städte „Stadtkultur“ zu aktuellen Eichenpflanzaktionen in bayerischen Orten heißt. Beuys habe die Bäume auch als „Sensoren“ bezeichnet, die bereits etwas wahrnehmen, was die Menschen erst viel später erkennen. Mittlerweile sei uns schmerzlich bewusst, wie stark unser Leben von den Bäumen abhänge.: „Wir leben von dem Sauerstoff, den Bäume und Pflanzen hervorbringen.“Beuys selbst hat einmal gesagt, es ginge ihm um „die Seele der Menschen“. Ein Aspekt, der heute nach wie vor Bedeutung habe, sei der Kunstcharakter der Aktion. Der Gedanke, Baum und Stein ästhetisch aufzufassen und als Kunst zu betrachten, rücke lebendige Prozesse der Natur viel stärker in den Blick.

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