Für eine halbe Million Euro: Bergen versorgt Ortsteil mit sauberem Wasser

Westlich neben der Kreisstraße TS 6 und dem Radweg verlegt die Gemeinde Bergen eine Wasserleitung von Stocka nach Enthal.
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Westlich neben der Kreisstraße TS 6 und dem Radweg verlegt die Gemeinde Bergen eine Wasserleitung von Stocka nach Enthal.

Die Gemeinde Bergen baut für ihren Ortsteil Enthal eine eigene Trinkwasserleitung – Kostenpunkt: 464 000 Euro. Denn die Enthaler hatten Keime in ihrem Wasser, es wurde gechlort, eine nachhaltige Lösung musste dringend her.

Von Gernot Pültz

Bergen – Mit sauberem, eigenen Trinkwasser will die Gemeinde Bergen künftig die Bürger in Enthal versorgen. Um das kostbare Nass, das sie aus ihrer Ägidiusquelle schöpft, in den Ortsteil an der Autobahn bringen zu können, baut sie eine Leitung an der Kreisstraße TS 6. Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung im Festsaal Nägel mit Köpfen gemacht und die Planung des beauftragten Ingenieurbüros Dippold & Gerold gebilligt. Die Kosten betragen schätzungsweise 464 000 Euro. Der Bau beginnt voraussichtlich im September. Und wenn alles so klappt wie geplant, steht die Leitung dann im November.

Großer Schreck: Keime im Trinkwasser

Die Bürger in Enthal erhalten bislang das Wasser nicht von der Gemeinde Bergen und ihrem Netz, sondern vielmehr von der Mühlener Gruppe mit Sitz in Vachendorf – an der aber auch die Gemeinde Bergen beteiligt ist. Mitte des vergangenen Jahres hatten die Bürger in Enthal eine Hiobsbotschaft erhalten: Im Trinkwasser, das sie ins Haus geliefert bekamen, befanden sich Keime. Betroffen waren rund 150 Haushalte. Die Bürger mussten das Wasser abkochen, mehrere Monate lang erfolgte eine Verchlorung.

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Lange blieb die Ursache für die Verunreinigungen unklar. Dann jedoch kam Licht ins Dunkel: Allem Anschein nach entstanden sie im Hochbehälter Enthal. Ende des Jahres stellte die Mühlener Gruppe dann die Versorgung über ihn ein und brachte schließlich das kostbare Nass direkt zu den Bürgern in Enthal, die damit dann kein verchlortes Wasser mehr erhielten.

Bürgermeister Stefan Schneider (Grüne Liste Bergen) erläuterte, dass die direkte Versorgung ohne die Nutzung des Hochbehälters in Enthal lediglich eine „provisorische Lösung“ sei. Schließlich habe die Gemeinde Bergen nicht zuletzt auch sicherzustellen, dass im Notfall genügend Löschwasser für die Feuerwehr vorhanden ist. Und der Bürgermeister erläuterte den Weg, den die Gemeinde nun einschlägt: Sie übernimmt selbst die Wasserversorgung der Bürger in Enthal – was jedoch bedeutet, dass sie eine Leitung bauen muss, um ihr Wasser dorthin bringen zu können.

Torf erschwert die Verlegung

Die Gemeinde verlegt sie – wie Matthias Gerold vom Ingenieurbüro Dippold & Gerold in Prien die Planung erläuterte – am westlichen Rand der Kreisstraße TS 6. Die Grundstückseigentümer hätten ihr Einverständnis in Aussicht gestellt.

Der Baugrund ist laut Gerold alles andere als fest: Mehrere Meter Torf, der sich leicht verdrängen lässt, seien gegeben – was die Verlegung nicht leichter macht. Gerold empfahl, von einer sogenannten offenen Bauweise weitestgehend Abstand zu nehmen. Statt einen Graben auszuheben und dann die Rohre hineinzulegen, brach er vielmehr eine Lanze für eine, dann aber aufwändigere und teurere „Spülbohrung“ – was bedeutet, dass unterirdisch ein Loch angelegt und dann die Wasserleitung eingezogen wird. Über dieses Verfahren erhalte man die Möglichkeit, die Rohre bis zu neun Meter tief in den Boden zu bringen und sie damit letztlich auf eine feste Unterlage zu bringen.

Im September soll es losgehen

Gerold erläuterte, dass die neue Wasserleitung von Stocka nach Enthal 825 Meter lang sei. 560 Meter werden seinen Angaben zufolge über Spülbohrungen und 265 Meter in offener Bauweise angelegt. Zuzüglich der erforderlichen technischen Ausstattung schätzte er die Kosten auf insgesamt 464 000 Euro. Zum Vergleich nannte er eine – alte – Schätzung: Wenn die Gemeinde die gesamte Leitung in offener Bauweise erstellen würde, dann müsste sie 332 000 Euro ausgeben. Allerdings kämen dann sicherlich auch noch weitere Kosten im Rahmen der Bauausführung hinzu, die sich in nicht geringer Höhe bewegen.

Den Zeitplan erläuterte Gerold wie folgt: Die Ausschreibung erfolge noch in diesem Monat, die Vergabe dann im August. Der Bau beginne dann voraussichtlich im September und gehe schließlich im November zu Ende.

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Kein Risiko eingehen

Der Gemeinderat diskutierte insbesondere über das Verfahren. Die Frage lautete: Ist, wie von Gerold vorgeschlagen, die teurere Spülbohrung vorzunehmen oder doch die billigere offene Bauweise anzuwenden? Mit dem Hinweis auf ähnliche Baumaßnahmen in Bergen, die geglückt sind, meinte Josef Gehmacher (CSU), dass die offene Bauweise auch im Falle der Wasserleitung von Stocka nach Enthal „machbar“ sei. Mit rund einer halben Million Euro seien die Kosten, die die Spülbohrungen verursachen, eine „Hausnummer“.

Schneider verwies auf die Ausführungen von Gerold und empfahl, kein „Risiko“ einzugehen. Wenn man durchgängig die offene Bauweise anwendet, dann spare man zunächst Geld. Doch möglicherweise ergeben sich dann jedoch unvorhergesehene Nachbesserungen, die dann ins Geld gehen.

„Klar gegen die offene Bauweise“ stellte sich Anton Rechenmacher (CSU). Sie sei „zu unkalkulierbar“. Rechenmacher will nicht in die Lage kommen, die Verantwortung für eine „Kostenexplosion“ übernehmen zu müssen.

Ein Engpass ist nicht zu befürchten

Herbert Berger (ÜW) stellte die Frage in den Raum, ob denn das Wasser aus der Ägidiusquelle ausreicht, um auch die Bürger in Enthal insbesondere in Trockenzeiten mit hohem Bedarf allerorten versorgen zu können. Schneider berichtete, dass der jährliche Verbrauch in einer Größenordnung von 200  000 Kubikmetern liege – und dass die Förderleistung damit jedoch noch längst nicht ausgeschöpft sei. „Wir haben doppelt so viel Wasser, wie wir brauchen.“ Der Bürgermeister schätzte dass in Enthal künftig 20 000 bis 25 000 Kubikmeter benötigt werden.

Mit 14:1-Stimmen billigte der Gemeinderat die von Gerold vorgelegte Planung. Dagegen stimmte Dr. Moritz Beyreuther (Grüne Liste Bergen), Erläuterungen gab er in diesem Zusammenhang nicht.

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