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Im Fall eines Angriffs

Ein Schutzraum für den ganzen Landkreis Traunstein? So ist die Region vorbereitet

Sieben derartige Katastrophenschutzsirenen gibt es im Landkreis Traunstein.
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Sieben derartige Katastrophenschutzsirenen gibt es im Landkreis Traunstein.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Auch wenn ein Angriff durch Russland nicht wahrscheinlich scheint, haben sich die OVB-Heimatzeitungen erkundigt, wie der Landkreis Traunstein im Ernstfall vorbereitet ist. Warum es nur einen einzigen Schutzraum gibt und was die Lehren aus der Flutkatastrophe sind.

Traunstein – Nahezu undenkbar war in den vergangenen Jahren ein Krieg in Europa. Erst recht ein Atomkrieg. Ob Wladimir Putin nur mit den Säbeln rasselt, wenn er Letzteres andeutet, oder es ernst meint, ist schwer einzuschätzen. Seit dem Einzug der russischen Armee in die Ukraine ist die Unsicherheit vieler Menschen auch im Landkreis Traunstein in jedem Fall groß. Die OVB-Heimatzeitungen haben sich erkundigt, wie die Region im Fall des Falles geschützt ist.

Bei Katastrophen ist das Landratsamt die zuständige Behörde. Allerdings ist laut Sprecher Michael Reithmeier der Schutz der Bevölkerung im Kriegsfall abgegrenzt vom Katastrophenschutz. „Letzterer wird im offiziellen Sprachgebrauch der Bundesrepublik Deutschland als Zivilschutz bezeichnet und gemeinsam mit dem Katastrophenschutz unter dem Oberbegriff des Bevölkerungsschutzes zusammengefasst“, konstatiert Reithmeier.

Der Bund ist zuständig

Im Falle eines Krieges hat demnach der Bund die Aufgabe, für die Sicherheit der Menschen zu sorgen. Wobei der Bund dabei auf die Katastrophenschutzeinrichtungen der Länder und Kommunen zugreifen kann. Allerdings wurden ausgerechnet die öffentlichen Schutzräume nicht weiter erhalten . Schuld ist ausgerechnet der Frieden, heißt es auf der Internetseite des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: „Mit dem Fall der Mauer und der Beendigung des Ost-West-Konflikts schien das Szenario eines konventionellen Krieges mit großflächigen Bombardierungen und dem Einsatz chemischer und nuklearer Waffen nicht mehr zeitgemäß.“

So auch im Landkreis Traunstein: „Derzeit gibt es einen aktiven Luftschutzbunker in Traunreut.“ Reithmeier kann jedoch etwas Entwarnung geben: „Auch Keller und Tiefgaragen dienen als Schutzräume.“ Darauf setzt jetzt auch der Freistaat. „Für Tiefgaragen, die als Sicherungsanlagen für kriegerische Auseinandersetzungen ausgebaut wurden, hat es einmal erhebliche Zuschüsse gegeben. Das muss man jetzt wieder intensiv diskutieren“, sagte der bayerische Bauminister Christian Bernreiter (CSU).

In Bayern gebe es derzeit 150 Schutzräume, nachdem seit dem Jahr 2007 rund 300 weitere umgewidmet worden seien. Diese seien zwar größtenteils noch vorhanden, sie gelten nach Angaben Bernreiters aber nicht mehr als Schutzräume. Ob sie reaktiviert werden können, müsse untersucht werden.

Was immerhin geregelt ist, ist die Warnung der Bevölkerung im Falle eines Angriffs. Mittels des sogenannten Modularen Warnsystems (MoWaS), Mobela (mobilen Sirenen), Rundfunk und Katastrophenschutzsirenen sollen die Bürger erreicht werden.

Lehren aus dem Ahrtal

Bei der Flutkatastrophe im Ahrtal im vergangenen Jahr hatte sich gezeigt, wie wichtig Katastrophenschutzsirenen sind. Zwar sind dort Sirenen installiert gewesen, jedoch ohne Notstromversorgung oder Batteriepufferung. Zudem waren viele Sirenen durch die Flut komplett weggefallen. „Derzeit gibt es im Landkreis Traunstein sieben funktionsfähige Katastrophenschutzsirenen an fünf Standorten“, so Reithmeier. Die Bürger im Landkreis müssen sich keine Sorgen machen. Vier der Sirenen funktionieren auch mit Notstrom, die anderen drei werden derzeit umgerüstet, so die Auskunft des Landratsamts.

Verhalten bei Luftangriffen

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe geht derzeit davon aus, dass ein Luftangriff auf Deutschland im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg eher unwahrscheinlich ist.

Dennoch gibt die Behörde Empfehlungen, was in diesem Fall zu tun ist. „Guten Schutz bietet generell die vorhandene Bebauung, sowohl vor fliegenden Objekten als auch vor Kontamination mit chemischen oder nuklearen Stoffen.“ Innenliegende Räume mit möglichst wenigen Außenwänden, Türen und Fenstern sollten daher aufgesucht werden. Von den Fenstern solle man sich fernhalten, da Glasflächen bei Explosionen durch die Druckwelle zersplittern und Verletzungen verursachen können.

Für den Fall, dass man nicht zu Hause ist, sollte man am besten unterirdische Gebäudeteile aufsuchen. Allerdings ohne dabei die Fahrstühle zu nutzen: In diesen könnte man bei Stromausfall eingeschlossen werden.

Das Modulare Warnsystem

Das Modulare Warnssystem (MoWas) basiert auf einem Geo-Informations-System. Das bedeutet, dass über eine grafische Oberfläche der zu warnende Bereich ausgewählt und die Warnmeldung dann über Satellit an einen Warnserver übermittelt wird. Von dort aus geht die Meldung an entsprechende Empfänger.

Ganz konkret heißt das, dass die Lagezentren von Bund und Ländern sowie die Leitstellen der unteren Katastrophenschutzbehörden (in der Regel Landkreise und kreisfreie Städte) die Warnung anstoßen. Auf diesem Weg kann auch die Warn-App „NINA“ ausgelöst werden. Was folgt, ist die eigentliche Übertragung an Endgeräte wie Sirenen und Warnmultiplikatoren wie Behörden, Organisationen und Rundfunk- und Telemedienanbieter.