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Expansion im Chiemgau

Ein E-Roller trifft auf Hindernisse – Anbieter wirft Gemeinde Prien Blockade vor

Die Fahrzeuge der Firma eGaudi sind am Chiemsee längst noch nicht so etabliert wie die Trachten, die die Models auf dem Foto tragen.
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Die Fahrzeuge der Firma eGaudi sind am Chiemsee längst noch nicht so etabliert wie die Trachten, die die Models auf dem Foto tragen.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Mal eben schnell mit dem E-Roller an den See oder zum Einkaufen, so hatte sich das eGaudi-Gründer und Inhaber Raphael Thomas gewünscht. Nun ist das Projekt ins Stocken gekommen. Der Schuldige, wenn es nach Thomas geht: die Gemeinde Prien.

Prien – Probleme mit E-Scootern gibt es in vielen Kommunen und Städten in Deutschland: Als Stolperfallen für ältere Menschen, weil sie Trams blockieren oder aus Spaß am Vandalismus in Kanälen und Flüssen landen.

Um solche Probleme zu vermeiden, hatte eGaudi bereits im Vorfeld ein Anreizsystem mit bestimmten Abstellstationen etabliert, um genau solche Entwicklungen zu vermeiden. Auch die Geschwindigkeit der Roller sei extra gedrosselt, damit es nicht zu schlimmen Unfällen komme.

„Wild auf Gehsteigen und Plätzen“

In Bernau nutzen zwar laut Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber viele Einheimische das Angebot, dennoch habe es Probleme gegeben: „Die E-Scooter können überall abgestellt werden und standen dann teilweise sehr wild auf Gehsteigen oder Plätzen, sodass Kinderwagen oder ältere Menschen mit Rollator nicht mehr vorbeikamen.“

Jedoch habe man eine pragmatische Lösung gefunden, indem der Betreiber einen entsprechenden Hinweis mit der Androhung einer Strafzahlung in seinen Nutzungsbedingungen angelegt habe.

Auch in Übersee ist man zufrieden. „Mit der Firma eGaudi hat eigentlich alles gut geklappt“, sagt der Überseer Bürgermeister Herbert Strauch (FBL) auf Anfrage. Die Gemeinde stehe nicht im Weg, wolle der Betreiber in Übersee weitermachen.

Gemeinde wird nicht investieren

Mit einer Einschränkung: „Dass in Zukunft jedoch die Gemeinde finanzielle Mittel aufbringen und die Stationen einrichten soll, halte ich nicht für sinnvoll.“ Es sei nämlich Vorschlag von eGaudi gewesen, dass die Gemeinde Ladepunkte mit all ihrer benötigten Infrastruktur anbietet. „Das haben wir nicht weiter verfolgt“, so Strauch.

Ganz euphorisch zeigt sich Dr. Christian Hümmer (CSU), Oberbürgermeister in Traunstein, von den E-Scootern: „Die vergangenen zwei Jahre haben gezeigt, dass das nicht nur etwas für die Großstadt ist. E-Roller fahren macht Spaß und kann zusammen mit anderen emissionsarmen Verkehrsmitteln wie – elektrischen – Fahrrädern und Lastenrädern den städtischen Verkehr und die Umwelt entlasten.“

Beschwerden, Probleme oder gar Unfälle mit E-Rollern der Firma eGaudi liegen dem Ordnungsamt Traunstein nicht vor.

Priener Alleingang?

Warum also schert Prien aus und duldet gar keine schicken Roller? Tatsächlich war die Marktgemeinde Prien von Anfang an nicht begeistert gewesen, Escooter am Ort zu haben. Eine Anfrage von eGaudi, 25 bis 30 Roller im Gemeindegebiet aufzustellen, hatte die Marktgemeinde vor zwei Jahren abgelehnt.

„Der damalige Grund war die bereits ohne E-Scooter-Verleih zumindest im Sommer immer sehr angespannte Verkehrssituation insbesondere auf Gehwegen“, erklärt Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG).

Denn ohnehin gebe es regelmäßig Beschwerden von Fußgängern, dass Radlfahrer auch die Gehwege benutzen. Über den Unfallschwerpunkt am Bahnübergang in der Seestraße haben die OVB-Heimatzeitungen schon mehrfach berichtet. „Insofern stehen wir beziehungsweise ich auch heute noch einem E-Scooter Verleih kritisch gegenüber“, so Friedrich im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.

Keineswegs aufgeben

Aus Sicht von Betreiber Raphael Thomas ist die Marktgemeinde Prien der große Bremser seines Geschäfts: „Leider hat sich die Zusammenarbeit insbesondere mit der Gemeinde Prien als größtes Hindernis für die Weiterentwicklung des Betriebs rund um den See dargestellt.“

Obwohl die Tourismus- und Wirtschaftsförderung das Vorhaben begrüße und unterstütze, blockiere der Priener Bürgermeister die Umsetzung des Vorhabens, so Thomas. Aufgeben will er nicht. „Aktuell bereiten wir die Saison 2022 vor, die Roller sollen in noch mehr Orten als zuvor genutzt werden können“, so Thomas im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Als besonders erfolgreich haben sich ihm zufolge die Stationen im Stadtgebiet Traunstein und in Übersee, insbesondere vom Bahnhof zum See, entwickelt.

Neuerdings unterstütze sogar die Deutsche Bahn das Projekt und habe angeboten, die Aufstellung von Rollerstationen an allen Bahnhöfen der Strecke München – Salzburg im Chiemgau zu unterstützen und die Flächen zur Verfügung zu stellen.

Factbox: Zwei Unfälle in zwei Jahren

Nach Auskunft der Polizeiinspektion Prien ist es in deren Einsatzgebiet in den vergangenen zwei Jahren zu zwei Unfällen mit E-Scootern gekommen. Einmal hat ein alkoholisierter Fahrer bei einem Gefälle die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren und stürzte. Im anderen Fall war ein E-Scooterfahrer beim Abbiegen vom Gegenverkehr übersehen worden. Beide Fahrer waren leicht verletzt worden. Die niedrigen Unfallzahlen können mit der niedrigen Gesamtzahl von Rollern zusammenhängen: Derzeit sind nur 200 Roller von eGaudi im Angebot, und das nur in den warmen Monaten.

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