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Ökologische Stromerzeugung im Landkreis

Ein Privat-Windkraftrad inspiriert Traunsteiner Öko-Fans

In der Windkraftanlage Osterkling kamen Betreiber und Interessenten zusammen. Georg Huber (Mitte) vom „Aktionskreis Bürgerwindkraft im Landkreis Traunstein“ sowie Werner Stinauer (links) und Hans Zäuner, die beiden Hauptinitiatoren des privaten Windrads nahe Grafing.
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In der Windkraftanlage Osterkling kamen Betreiber und Interessenten zusammen. Georg Huber (Mitte) vom „Aktionskreis Bürgerwindkraft im Landkreis Traunstein“ sowie Werner Stinauer (links) und Hans Zäuner, die beiden Hauptinitiatoren des privaten Windrads nahe Grafing.
  • VonMonika Kretzmer-Diepold
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Welche Richtung wollen und können wir einschlagen? Diese Fragen bewegen den Aktionskreis Bürgerwindkraft im Landkreis Traunstein, der nun Antworten fand.

Traunstein – Der „Aktionskreis Bürgerwindkraft im Landkreis Traunstein“, der sich seit Jahren für die regionale und ökologische Form der Stromerzeugung engagiert (wir berichteten), informierte sich über ein von Privatleuten getragenes Windrad in Osterkling bei Grafing nahe München. Dort werden die Besucher von einem Schild über dem Eingang empfangen mit der Aufschrift: „Wir können den Wind nicht ändern, aber unsere Richtung!“

Saubere Energie steht im Fokus

Georg Huber, Gemeinderat in Waging und Sprecher des Aktionskreises, zeigte sich beeindruckt: „Dies ist ein Vorzeigemodell mit echter Bürgerbeteiligung. Es ist uns gerade in der aktuellen Situation Ansporn, auch im Landkreis Traunstein rasch Windradprojekte zu verwirklichen.“ Damit soll es gelingen, „uns energetisch unabhängig mit sauberer Energie zu kalkulierbaren Preisen zu versorgen.“

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So groß und doch so leise

Mehr als 20 Interessierte nutzten die Gelegenheit auf Vermittlung des „Aktionskreises Bürgerwindkraft im Landkreis Traunstein“, sich über Details zu dem Windrad zu informieren. Das hat eine Nabenhöhe von 138 Metern und eine Gesamthöhe von 178 Metern. Georg Huber war erstaunt, „wie leise sich die Rotorblätter über uns drehen“. Bei einer Windgeschwindigkeit von neun Metern pro Sekunde, was etwa 35 Stundenkilometern entspricht, drehten sich die Rotorblätter langsam und vollelektronisch gesteuert optimal gegen den Wind, hieß es.

Das Millionen-Projekt entstand praktisch nebenher

Direkt unter dem Windrad schilderten die Hauptinitiatoren Johann Zäuner und Werner Stinauer die Entstehung des Projekts – von der Idee im Jahr 2011 bis zum Betriebsbeginn 2016. Dazu meinte Markus Thum, Mitglied im Aktionskreis: „Wir können nur den Hut ziehen vor so viel Engagement und Risikobereitschaft der Initiatoren, die dieses Bürgerwindrad neben ihren Berufen als Landwirt und Elektromeister mit hartnäckiger Überzeugungskraft zum Drehen gebracht haben.“

Das 3,7-Millionen-Euro-Projekt wurde von 16 Anwohnern mit einer ortsansässigen Bank verwirklicht. Die Hauptkreditlast stemmten vier Teilhaber. Alle Familien aus fünf Weilern einschließlich der Bürgermeister stiegen ein.

Ökologische und regionale Energie für 1000 Familien

In den letzten sechs Jahren erwirtschafteten sie die versprochene vierprozentige Dividende pro Jahr – trotz insgesamt schwachem Wind in 2021. Man gehe von einer Laufleistung von 20 bis 25 Jahren aus, hieß es weiter. In der gesamten Zeit könne diese Anlage jährlich über drei Millionen Kilowattstunden Strom produzieren. Bei einem Jahresverbrauch von 3000 Kilowattstunden je Haushalt bedeute das die Versorgung von 1000 Familien mit ökologischer und regionaler Energie. Wie die Initiatoren betonten, bewege sich der Preis des direkt vermarkteten Stroms „seit einem Jahr stetig nach oben“. Mittlerweile erhielten sie von den örtlichen Stadtwerken mehr, als ihnen nach dem EEG für die nächsten 20 Jahre vertraglich zugesichert wurde. Ökostrom sei „gefragt“.

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Der Artenschutz ist wichtig

Hans Schupfner, langjähriger Kreisrat und Beirat im Aktionskreis, beeindruckten insbesondere die Voruntersuchungen: „Für jeden Windstandort ist eine spezielle artenschutzrechtliche Prüfung (saP) erforderlich, die eine volle Vegetationsperiode von Februar bis Dezember durchgeführt wird. Wenn die von einem erfahrenen Büro sauber dokumentiert wird, hat sie auch vor Gericht Bestand. Das haben uns die ‚Osterklinger‘ aufgrund ihrer Erfahrungen mitgegeben.“

Auch eine Frage des Standpunkts

Auf Nachfrage, ob sich Argumente von Gegnern bewahrheitet hätten, gab Werner Stinauer Auskunft, dass noch nie ein toter Vogel im Umkreis des Windrads gefunden worden sei. Auf den nahen Feldern seien bis zu acht seltene Rotmilane gleichzeitig zu beobachten. Und weiter: „Warum sollten sie in die drehenden Räder fliegen, wenn sie ihre Nahrung gleich daneben finden?“ Auch die installierte Fledermaus-Abschaltung würde bestens funktionieren. Dass man die Anlage weitum sieht und diese das Landschaftsbild verändert, sei das Einzige, was nicht wegzuwischen sei: „Aber wem ein Teil der Anlage gehört, der sieht das anders.“

Vorschub für die Windkraft

Die Besucher waren einig, im Landkreis Traunstein das Thema „Windkraft“ weiter zu intensivieren. Aktionssprecher Georg Huber setzt auf Grundstücksbesitzer, die sich unter Telefon 08681/45180 bei ihm melden können. Der Aktionskreis steht nach Huber in ständigem Kontakt mit der Chiemgau GmbH am Landratsamt Traunstein, bei der alle Planungsfäden zusammenlaufen.

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