Chillout, Deephouse und Ambient

Christoph Pabst: Ein Priener Arzt macht Musik im virtuellen Klangraum

  • Elisabeth Sennhenn
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Tagsüber ist Christoph Pabst Dr. med., abends mischt er digitale Sounds. Der Radiologe aus Prien hat in der entspannt-sphärischen Chillout-Musik seine Leidenschaft gefunden.

Prien – Die Alben und Solo-Stücke entstehen komplett am PC und in Kooperation mit einem Freund, der Hunderte Kilometer entfernt lebt. Das funktioniert gut, dank der digitalen Technik.

Bergblick, Almseemorgen, Gebirgsbachtürkis: Worte, die sofort Bilder im Kopf erzeugen. Christoph Pabst aus Prien liefert dazu die entsprechenden Klangwelten. Der 42-jährige Mediziner, der eine radiologische Praxis in Prien führt, kreiert zusammen mit seinem Freund Thomas Lemmer digitale Hörerlebnisse. Verschrieben haben sie sich der Chillout-, Deephouse- und Ambient-Musik. Das Besondere daran: Die Stücke und Konzeptalben entstehen ausschließlich digital, und das auch noch über die Distanz Prien-Osnabrück hinweg, denn dort lebt Thomas Lemmer.

Digitaler Erfolg: Jeder Stream zählt

Christoph Pabst bei sich zuhause in Prien, wo er mit E-Piano und PC neue digitale Musikstücke im Chillout- und Ambient-Stil komponiert. Für ihn ein Ausgleich zu seinem Beruf als Arzt.

Das neueste Album, „Bergblick“, ist soeben beim Ambient-Label Sine Music erschienen. Das gemeinsame Debutalbum „Meerblick“ erschien 2019. Es erreichte die iTunes-Charts und wurde in der Szene hoch geschätzt. Ansonsten sind die Singles und Alben von Pabst/Lemmer auch auf allen bekannten Streaming-Portalen erhältlich – CDs sucht man vergebens. Denn was die beiden Männer machen, ist kein Mainstream, der Markt zu klein für kostspielige CD-Pressungen: „Wir bedienen eine Nische, aber das durchaus erfolgreich“, sagt Pabst selbstbewusst.

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Das Geld, das nicht in CDs fließe, werde eben fürs Marketing genutzt. Der Erfolg digitaler Stücke und Alben erschließt sich in erster Linie durch die Streamingraten. So erreichte die Singleauskopplung „Gebirgsbachtürkis“ des neuesten Albums schon in der ersten Woche nach der Veröffentlichung über 8800 Streams. „Tiefschneegipfel“ bereits über 10 000, und „Tiefblauhorizont“ des Albums „Meerblick“ kommt bislang auf über 250.000 Streams. Mit mehr als 450.000 Streams war „Tiefblauhorizont“ der bislang erfolgreichste Titel.

Berge und Chiemsee als Kreativ-Quell

Pabst lacht: Vielleicht knacke man auch mal die Millionen-Marke, wer weiß? „Reich werde ich damit allerdings nicht“, versichert er. Die Erlöse für den einzelnen Künstler lägen in ihrer Szene im Centbereich je Stream; „im Jahr komme ich auf einen mittleren, dreistelligen Betrag, der nicht mal meine Kosten deckt.“ Geld sei ohnehin nicht die Triebfeder seines Hobbys: „Ich kann mich bei dieser Art von Musik selbst wunderbar entspannen, abschalten. Das Sphärische im Chillout- und Ambientbereich liegt mir.“ Inspiriert wird er immer wieder aufs neue vom Anblick der Berge, auch der Chiemsee sei für ihn stetiger Kreativ-Quell, so der gebürtige Bremer.

Die Zeit ist immer knapp

Die Zeit fürs Musikmachen muss sich der vierfache Vater allerdings aus den Rippen schneiden: „Ich wollte immer ein präsenter Vater sein, deshalb habe ich meine Arbeitszeiten in der Praxis ans Familienleben angepasst“, erzählt er. So könne er abends, wenn die Kinder im Bett seien, noch mal an den PC.

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Dann taucht er ab in digitale Klangwelten aus Klavier, Streich- und Saiteninstrumenten. „Natürlich kann ich meine Musik nicht live spielen, kann kein Orchester dirigieren, und virtuelle Instrumenten sind auf eine gewisse Weise eingeschränkt“, gibt Pabst zu bedenken, „andererseits kann ich unabhängig von Zeit und Raum produzieren, Neues erschaffen und meine kreative Seite ausleben, ohne auf jemanden angewiesen zu sein.“ Allerdings überlege er sich, zwischendurch mal mit Gesang zu experimentieren, dafür braucht er einen Sänger oder eine Sängerin: „Im Moment warte ich auf die passende Kooperation.“

Soziale Medien als Sprachrohr der Hörer

So ganz allein ist Pabst dann doch nicht, immerhin tauscht er sich mit Thomas Lemmert aus. Im Filmteam der Rimstinger Firma Wingmen Media hat er einen Partner gefunden, der für die Trailer zu den einzelnen Stücken zum Beispiel Drohnenflüge über die Alpen durchführt. Und da wäre noch die Hörerschaft. Soziale Medien machen es Pabst und seinem Kompagnon leicht, mit ihrer Fangemeinde in Kontakt zu kommen und damit auch an Rezensionen und Feedback zu ihrer Musik. Pabst nutzt dafür Instagram und Facebook. Für die Zukunft hat sich Pabst vorgenommen, auch komplett eigene Titel auf den Markt zu bringen, „im ähnlichen Stil, aber persönlicher“. Jetzt habe er das nötige Selbstvertrauen, es auch mal Solo zu versuchen. Vier Titel dafür hat er schon in petto.

Musik im Wandel

Laut dem Bundesverband Musikindustrie (BVMI) setzte die Branche 2019 rund 1,6 Milliarden Euro mit Musikverkäufen um. Davon entfallen 64,4 Prozent auf digitale Musik. Wichtigster Umsatzbringer: Das Streamen, also Herunterladen von Musik von digitalen Plattformen. Der CD-Verkauf ging um rund elf Prozent zurück. „Das Geschäft hat sich mittlerweile zu zwei Dritteln in den digitalen Raum verlagert“, bestätigt BVMI-Geschäftsführer Dr. Florian Drücke. Vor zehn Jahren betrug der Marktanteil digitaler Musik nur elf Prozent (Quelle: Statista)

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