Autor Klaus Oberkandler

Neues Buch erinnert an das Ende des Zweiten Weltkriegs im Kreis Traunstein

Das ist das Anwesen in Käs an der Ischler Ache zwischen Seebruck und Seeon. Es wurde am 3. Mai 1945 Ziel eines Angriffs amerikanischer Jagdflieger. Pferde und Hasen kamen dabei zu Tode. Noch heute sieht man nach Peter Freiwang, einem der Protagonisten in Klaus Oberkandlers Chronik zum Kriegsende, Einschusslöcher im Fußboden bei der Eingangstüre. Oberkandler
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Das ist das Anwesen in Käs an der Ischler Ache zwischen Seebruck und Seeon. Es wurde am 3. Mai 1945 Ziel eines Angriffs amerikanischer Jagdflieger. Pferde und Hasen kamen dabei zu Tode. Noch heute sieht man nach Peter Freiwang, einem der Protagonisten in Klaus Oberkandlers Chronik zum Kriegsende, Einschusslöcher im Fußboden bei der Eingangstüre. Oberkandler

Ein neues Buch von Heimatzeitung-Mitarbeiter Klaus Oberkandler erinnert an das Ende des Zweiten Weltkriegs im Kreis Traunstein. Zugrunde liegen die Chroniken aus 19 Pfarreien der Region. Zeitzeuge Peter Freiwang erlebte zum Beispiel einen Fliegerangriff auf einen Bauernhof bei Seeon.

Traunstein/Trostberg – Soeben ist ein neues Buch über das Kriegsende in Trostberg, Traunstein und Umgebung erschienen. Es besteht aus einer Reportagenserie mit Beiträgen aus 19 Pfarreien. In dem reich bebilderten, 80-seitigen Band sind Berichte zusammengefasst, welche die jeweiligen Ortspfarrer auf Anordnung des Erzbischöflichen Ordinariats kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs verfassen mussten. Zu Wort kommen neben den Pfarrern auch Heimatpfleger, Zeitzeugen und Historiker. Unter anderem wird aus folgenden Pfarreien berichtet: Ising, Pittenhart, Chieming, Obing, Nußdorf, Kammer, Seeon und Traunstein.

Französische Kriegsgefangene halfen beim Löschen

Neben anderen kommt auch der 94-jährige Peter Freiwang zu Wort, der heute in Rosenheim lebt. Er war in den letzten Kriegswochen auf Heimaturlaub in Heimhilgen bei Seeon-Seebruck. In Traunstein sololte sich der junge Mann zurück zum Dienst melden und setzte sich aufs Fahrrad. Doch kurz hinter Ising nahm ihn ein US-Jagdflieger ins Visier. „Der hat aber nicht getroffen und bis er umgedreht hatte, war ich im Wald verschwunden“, erzählt Freiwang.

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Nur wenige Tage später sollte der Angriff von Jagdfliegern auf den Nachbarhof in Käs bei Seeon folgen, an den sich Freiwang heute noch so genau erinnert, als wäre es gestern gewesen: Die Flieger am 3. Mai kamen aus Richtung Seebruck. In Käs standen Militärfahrzeuge einer zurückweichenden Bodeneinheit der deutschen Luftwaffe. Freiwang erzählt unserer Zeitung: „Bei uns in Heimhilgen waren 20 bis 25 deutsche Soldaten.

Die konnten wir dazu bringen, ihre Fahrzeuge in der Tenne zu verstecken. Sonst hätt’s uns auch erwischt.“ So aber nahmen die Amerikaner den Hof in Käs ins Visier. Das Nebengebäude wurde in Brand gesetzt und war nicht mehr zu retten. Mehrere Pferde und knapp 70 Zuchthasen seien dabei verendet. „Mit drei französischen Zwangsarbeiten bin ich rübergerannt und mit Millikannen haben wir am Dachstuhl gelöscht. Alle anderen Männer waren im Krieg. Drum musste ich Nachtwache halten“, erinnert sich der Heimhilgener. „Da kam in aller Herrgottsfrüh auch noch ein Jeep daher. So ein Auto hatte ich noch nie gesehen.“

Berichte gehen unter die Haut

Freiwang stellt sich gegenüber den Amerikanern dumm, und hat Glück: Die Amis fuhren weiter Richtung Seebruck. In Käs ist dieser Tag im Mai seitdem immer ein besonderer Tag, erzählt Freiwangs Verwandte Angelika Freiwang, die heute dort Bäuerin ist. Stets erinnerte ihr Vater an das unglückselige Geschehen 1945 auf seinem Hof.

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Der Traunsteiner Altoberbürgermeister und Ehrenbürger Fritz Stahl, selbst Heimatvertriebener, hat zu dem neuen Buch, das Heimatzeitung-Mitarbeiter Klaus Oberkandler zusammengestellt hat, ein Nachwort verfasst, in dem er unter anderem schreibt: Die Sachdarstellungen seien nicht nur interessant, sondern gingen auch „unter die Haut“. Wer wisse, dass im Kreis Traunstein im Jahr 1950 etwa 64 000 Einheimische und 33 000 Flüchtlinge lebten, könne erahnen, wie schwierig es gewesen sei, für Unterkunft zu sorgen und den Hunger zu bekämpfen. Das Buch ist auch ein Zeitgemälde über damalige Wertmaßstäbe, die bäuerliche Welt und die der Pfarrherrn, wenn man zusätzlich nur ein wenig zwischen den Zeilen liest.

In kleiner Auflage gedruckt, ist das Buch beim Herausgeber Klaus Oberkandler (Telefon 0861/60884, E-Mail: klaus.oberkandler@t-online.de) sowie in ausgewählten lokalen Geschäften erhältlich.

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