Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


131 Maßnahmen geplant

Ein Meilenstein für sicheren Radverkehr in Traunstein: Stadtrat beschließt ehrgeiziges Konzept

Die geplante Radlerbrücke über das Bahnhofsareal in Traunstein bildet eines der ehrgeizigsten Projekte der letzten Jahrzehnte, um Traunstein für den Radverkehr attraktiver zu machen. Eine Handlungsrichtschnur bildet das jetzt vom Stadtrat beschlossene neue Radverkehrskonzept. Es soll die Radrouten durch die Stadt verknüpfen und sicherer machen. Hier ein Blick auf eine Radlgarage am Bahnhof.
+
Die geplante Radlerbrücke über das Bahnhofsareal in Traunstein bildet eines der ehrgeizigsten Projekte der letzten Jahrzehnte, um Traunstein für den Radverkehr attraktiver zu machen. Eine Handlungsrichtschnur bildet das jetzt vom Stadtrat beschlossene neue Radverkehrskonzept. Es soll die Radrouten durch die Stadt verknüpfen und sicherer machen. Hier ein Blick auf eine Radlgarage am Bahnhof.
  • Axel Effner
    VonAxel Effner
    schließen

Der Stadtrat Traunstein verabschiedet mit deutlicher Mehrheit ein neues Radverkehrskonzept: Die Stadt will in den nächsten zehn bis 15 Jahren schrittweise mehr Attraktivität und Sicherheit für Radler schaffen. Was genau alles geplant ist.

Traunstein – Auf dem Weg zum Titel „fahrradfreundliche Kommune“ ist die Stadt Traunstein jetzt einen entscheidenden Schritt weitergekommen. Mit einer Mehrheit von 28 zu zwei Stimmen verabschiedete der Stadtrat in seiner Sitzung das vom Institut für innovative Städte (i.n.s.) erarbeitete Radverkehrskonzept.

Es gibt in 131 Einzelmaßnahmen Anregungen, wie die Stadt in den nächsten zehn bis 15 Jahren schrittweise mehr Attraktivität und Sicherheit für Radler gewinnen kann. Einer der wesentlichen Ziele war dabei, Haupt- und Nebenrouten für den Radverkehr zur Erschließung der Stadt festzulegen.

Maßnahmenkatalog sensibel diskutieren

Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer (CSU) betonte in seiner Einleitung ausdrücklich, es gehe darum, „zu priorisieren, nicht zu missionieren“. Angesichts von 14 000 Einpendlern könne es auch nicht um die Aussperrung des Autoverkehrs gehen, sondern um ein „gedeihliches Miteinander“ von Fußgängern, Radlern und Kfz-Lenkern. Der vorgestellte Maßnahmenkatalog werde nicht 1:1 umgesetzt, sondern sensibel diskutiert und an den Bedürfnissen und Erfordernissen ausgerichtet.

Hümmer verwies auf den Testbetrieb mit Einbahnregelung für den Radverkehr an der Haslacher Straße. Die starke Beteiligung und Rückmeldung der Bürger habe ein eindeutiges Meinungsbild ergeben: 85 Prozent lehnten die Neuregelung ab, deshalb gelte nach dem Rückbau ab nächster Woche wieder die alte Regelung. Die Umsetzung von 25 Maßnahmen allein in den letzten zwei Jahren mache die neue Marschroute und die Bedeutung des Radverkehrs in Traunstein deutlich.

Freiheit der Wahl des Verkehrsmittels

Gleichwohl solle jeder Bürger nach wie vor die „Freiheit der Wahl des Verkehrsmittels“ haben.

Details zur Erarbeitung des Radverkehrskonzepts erläuterte Instituts-Geschäftsführer Thiemo Graf in einer Videobotschaft. Er freute sich ebenfalls über die rege und überdurchschnittliche Beteiligung von 1150 Bürgern an einer Online-Umfrage, die Anregungen zu Mängeln und fehlenden Radweganbindungen gegeben hatten. Vieles davon sei miteingearbeitet worden. Das Hauptaugenmerk habe darauf gelegen, „die wichtigen Quell- und Zielgebiete durch ein zusammenhängendes Radwegenetz miteinander zu verknüpfen“.

Erschließung über Nebenstraßen erfolgt

Die Erschließung neuer Radwege sei dabei in der Hauptsache über Nebenstraßen erfolgt, da die vom Autoverkehr dominierten Hauptstraßen platzbedingt zum Teil wenig Möglichkeiten gelassen haben.

Als eine der vordringlichsten Hauptrouten werde die passende Anbindung über die Haslacher Straße an die Innenstadt gesehen.

Detailliert gingen auch die Fraktionsspitzen des Stadtrats auf das neue Radverkehrskonzept ein. Konrad Baur von der CSU forderte bei der Umsetzung Vorfahrt für Familien, Qualität statt Quantität, klare Kommunikation, Realitätsnähe und „Wahlfreiheit statt Zwangsmissionierung“ ein. Thomas Stadler (Bündnis 90/Die Grünen) freute sich darüber, dass sich in Traunstein in den letzten fünf Jahren eine „kleine Revolution in Sachen Radverkehr“ vollzogen habe und die Bevölkerung zunehmend „neue Formen der Mobilität für mehr Lebensqualität“ für sich entdeckt habe. Dies komme etwa in den regelmäßigen Aktionen „Slow Roll“ durch die Innenstadt zum Ausdruck. Dies mache die Stadt auch für Radl-Urlauber attraktiv.

+++Weitere Nachrichten aus dem Chiemgau finden Sie hier+++

Ernst Haider (UW) sprach von der Herausforderung „viele Wünsche unter einen Hut zu bringen“. Spannend bleibe die Frage nach einer passenden und verkehrssicheren Querung der Rosenheimer Straße. Eine „riesige Herausforderung“ sei die Realisierung der geplanten Radfahrerbrücke über das Bahnhofsareal. Aufgrund des Routenverlaufs bilde sie aus seiner Sicht einen „Kernpunkt für ein funktionierendes Radwegenetz“.

Hümmer verwies diesbezüglich auf die mit Fördergeldern geplante Machbarkeitsstudie. Für überlegenswert hielt Haider die Idee, statt der Ausweisung eigener verkehrsrechtlicher Fahrradwege die intelligente Verknüpfung von Tempo-20-Zonen alternativ zu prüfen.

Simon Steiner (Traunsteiner Liste) begrüßte das neue Radverkehrskonzept, fand es aber schade, dass durch den Misserfolg des Testbetriebs an der Haslacher Straße „viel Porzellan zerschlagen“ worden sei. Hümmer entgegnete, der Stadtrat sei von Anfang in die Planungen des „fachlich sehr versierten Büros“ miteinbezogen worden.

Ausprobieren für neue Erkenntnisse

Er sah die Form der Bürgerbeteiligung eher positiv: „Manchmal reicht es nicht, sich eine Verkehrssituation nur anzuschauen, sondern man muss auch was ausprobieren, um neue Erkenntnisse zu gewinnen.“

Nils Bödeker (SPD/Die Linke) und Georg Osenstätter (Initiative Traunstein) unterstützten das neue Radverkehrskonzept ebenfalls.

Oberbürgermeister Hümmer versicherte, bei der Umsetzung des neuen Konzepts werde jede Einzelmaßnahme gesondert geprüft und diskutiert.

Mehr zum Thema

Kommentare