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Leiter der Bayerischen Staatsforsten Ruhpolding

Ein Leben für den Wald – Paul Höglmüller geht in den Ruhestand

Eine Holzbank fertigten die Mitarbeiter der Bayerischen Staatsforsten zum Abschied von Paul Höglmüller, auf welcher er mit seiner Frau Waldtraud Platz nahm.
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Eine Holzbank fertigten die Mitarbeiter der Bayerischen Staatsforsten zum Abschied von Paul Höglmüller, auf welcher er mit seiner Frau Waldtraud Platz nahm.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Paul Höglmüller, Leiter der Bayerischen Staatsforsten in Ruhpolding, wurde in den Ruhestand verabschiedet. Über einen Menschen mit Ecken und Kanten, viel Leidenschaft für den Wald und Wertschätzung von allen Seiten.

Ruhpolding – Es gab da mal einen kleinen Jungen, der träumte vom Wald. Während seine Klassenkameraden sich eher für Autos und Fußball interessierten, zog es den jungen Paul Höglmüller schon immer in die Natur. So erzählte es der Leiter der Bayerischen Staatsforsten in Ruhpolding, der zum 1. Juli in den Ruhestand geht. Bei seiner gestrigen Verabschiedung mit 140 eingeladenen Gästen im Holzknechtmuseum blickte er zurück auf fast 45 Jahre beim Forst, die „nicht schöner hätte sein können“.

Der gebürtige Inntaler studierte nach seinem Abitur in Rosenheim Forstwirtschaft in München. Und fing dort Feuer, besonders für seine Dozenten, die für Höglmüller für eine ganz neue Generation von Förstern standen. In der Schule sei er lieber im Café Buchecker als im Klassenzimmer gewesen, im Studium habe er Stunden in der Käfersammlung verbracht und die Zeit vergessen. Nach Stationen in Wunsiedel und Garmisch-Partenkirchen kommt Höglmüller in den 80er Jahren als stellvertretender Leiter ans Forstamt Marquartstein. 2005 gelingt ihm der Sprung in die Leitung der Bayerischen Staatsforsten in Ruhpolding. Und er etabliert sich als wertvoller, ehrlicher und direkter Gesprächspartner, wie die beiden Landtagsabgeordneten Klaus Steiner (CSU) als auch Gisela Sengl (Grüne) ihm in ihren Grußworten bestätigten. Gerade auch, weil er ihm nicht nach dem Mund geredet habe, so Steiner.

„Müss ma a weng anders machen“

„Eindeutig und direkt“, beschrieb auch Manfred Kröninger, Vorstand der Bayerischen Staatsforsten, Höglmüller, und hattte gleich ein Beispiel: „Ich habe im Rahmen eines Workshops für unser Strategieprojekt einen Vortrag gehalten. Da ist Herr Höglmüller dann aufgestanden und ans Pult getreten.“ Er habe ihm sehr deutlich und vor versammelter Mannschaft gesagt: „Herr Kröninger, des müsst‘ ma scho a weng anders machen.“ Kröninger habe es ihm aber nicht übel genommen, weil er Höglmüller so schätze. „Sie hatten immer eine hohe Motivation und ein hohes Engagement“, sagte der Vorstand und sprach ihm seinen Dank aus.

Voll des Lobs war auch Ludwig Böddecker, Zweiter Bürgermeister Ruhpoldings. Besonders was Höglmüllers Verständnis und Einsatz für die Almbauern angehe: „Die Gemeinde ist dir zu großem Dank verpflichtet.“

Herz für den Nachwuchs

Bei Andreas Hell, Vorsitzender des Personalrats bei den Bayerischen Staatsforsten, war die große Wertschätzung aber auch die Rührung über Höglmüllers Weggang spürbar. Besonders freue ihn, dass Höglmüller sich so für den Nachwuchs eingesetzt habe. Und tatsächlich: Die Bayerischen Staatsforsten in Ruhpolding hatten eine eigene Azubi-Musi, die den Abschied musikalisch untermalte.

Höglmüller selbst wurde in seinen Abschiedsworten seinem Ruf gerecht und sprach auch kritische Punkte an. Etwa, dass die Bayerischen Staatsforsten Ruhpolding dringend personelle Unterstützung bräuchten, um ihrer Aufgabe gerecht werden zu können. Wichtig sei ihm außerdem, dass genügend Holz bereitgestellt werde. Was banal klingt, sei aus seiner Sicht unabdingbar. Zugleich betonte er, dass Förster das Ökosystem im Blick haben müssten, um ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Höglmüller sagte jedoch: „Ich habe keinen Anspruch, ein Vermächtnis zu hinterlassen.“

Der scheidende Leiter bedankte sich bei all seinen Weggefährten, Mitarbeitern und vor allem bei seiner Frau Waldtraud, die ihn immer unterstützt habe: „Ich fand es immer schrecklich, wenn ich bei Abschiedsreden gehört habe, ‚die Frau hat ihm den Rücken freigehalten‘. Ich bin froh, dass du dein eigenes Leben gelebt hast – gemeinsam mit mir.“ Abschließend hieß Höglmüller seinen Nachfolger Joachim Keßler willkommen und wünschte ihm viel Erfolg bei seiner Aufgabe. Der gebürtige Oberpfälzer hat bereits bayernweite Stationen hinter sich und tritt ab Juli die offizielle Leitung an.

Eine Holzbank für Höglmüller

Keßler wiederum bedankte sich bei Höglmüller für den „bestens aufgestellten Laden“, den er ihm übergebe. Er kündigte an, dass Höglmüller den Staatsforsten noch nicht so schnell entkomme und ernannte ihn spaßeshalber zum Ehrenmitglied.

Paul Höglmüller, Manfred Kröninger, Vorstand der Bayerischen Staatsforsten, und der künftige Leiter in Ruhpolding, Joachim Keßler (von links).

Zum Abschied erhielt Höglmüller von seinen Mitarbeitern eine selbstgemachte Holzbank für seine Alm, um auch mal zu rasten. Denn, da waren sich alle Laudatoren einig: Langweilig werde Höglmüller im Ruhestand nicht werden.

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