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Freiwilliger Einsatz

„Ein kleiner Beitrag“ – Traunsteiner Urologe operiert in Ghana

Die morgendliche Visite in den mit jeweils 18 Patienten belegten Krankensälen war eine besondere Herausforderung für Josef Schuhbeck (Dritter von rechts).
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Die morgendliche Visite in den mit jeweils 18 Patienten belegten Krankensälen war eine besondere Herausforderung für Josef Schuhbeck (Dritter von rechts).
  • VonKlaus Oberkandler
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Mediziner zu sein, ist ohnehin ein stressiger Beruf. Warum fliegt man dann in seiner Freizeit nach Ghana, um dort unter schwierigen Bedingungen zu operieren? Für Josef Schuhbeck aus Traunstein ist die Sache klar.

Traunstein – Der Verein „Die Ärzte für Afrika“ unterstützt seit fast 15 Jahren die medizinische Versorgung in Ghana. Jeweils zweimal im Jahr fliegt ein Ärzteteam für knapp drei Wochen in eines der sechs Krankenhäuser, die unterstützt werden, und leistet einen wertvollen Beitrag zur besseren urologischen Versorgung der Menschen. Zu den Medizinern, die dafür einen Teil ihres Jahresurlaubs opfern, gehört auch Dr. Josef Schuhbeck, der in Traunstein zusammen mit zwei Kollegen die Urologische Abteilung am Klinikum Traunstein leitet.

Von einem Kollegen hatte Schuhbeck vor etlichen Jahren von dem 2007 gegründeten Verein „Die Ärzte für Afrika“ erfahren, dem heute rund 300 Mitglieder angehören. Für den Traunsteiner war es bereits der zweite Einsatz im Rahmen dieser Hilfsmission.

Drei Stunden Fahrt für 100 Kilometer

Das St. Dominics Hospital in Akwatia ist zwar nur gut 100 Kilometer vom Flughafen entfernt; die Fahrt mit dem Geländewagen dorthin dauert aber rund drei Stunden, denn die Straßen sind in einem sehr schlechten Zustand.

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Urologische Behandlung gibt es in der Klinik nur während der wenigen Wochen, in denen die Ärzte aus dem Ausland hier tätig sind. In den Monaten dazwischen legt das Klinikpersonal eine Liste mit den Namen der Menschen an, die bei der nächsten Aktion operiert werden müssten. Schuhbeck und seine Kolleginnen untersuchen die Patienten und entscheiden über das weitere Vorgehen. Dann folgen die Operationstage mit den auch bei uns üblichen Eingriffen: Entfernung der Prostata oder Beseitigung von Blasentumoren, endoskopische Entfernung von Blasensteinen und andere Behandlungen.

Mit viel Geduld

„Man muss viel Geduld mitbringen und Teil des Teams werden. Nur so funktioniert es“, sagt Schuhbeck. Die Patienten kommen oft schon zwei oder drei Tage vor dem vereinbarten Operationstermin zum 300-Betten-Krankenhaus in Akwatia.

Verbandsmaterial und Tupfer werden in der Klinik selbst per Hand angefertigt und sterilisiert.

„Die Patienten sind eine Schau“, schwärmt Schuhbeck. Es gebe keine interkonfessionellen Probleme und das höchste für sie sei, wenn das Ärzteteam mit ihnen ein Foto macht. So habe sich innerhalb kürzester Zeit ein freundschaftliches aber respektvolles Miteinander entwickelt. Die Helfer aus Europa leben in einem Gästehaus auf dem Klinikgelände, das rund um die Uhr von bewaffneten Wächtern geschützt wird. Es gibt sogar fließend Wasser – wenn auch nur kaltes. „Aber daran gewöhnt man sich schnell bei Außentemperaturen um die 30 Grad“, sagt Schuhbeck.

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Dreimal am Tag dürfen die Angehörigen der Patienten in die Krankensäle, in denen jeweils 18 Betten stehen. Sie bringen Essen und Getränke, denn darum kümmert sich die Klinik nicht. Auf dem Klinikgelände gibt es Marktstände, an denen die Angehörigen einkaufen können. Wie es nach einer langen Nacht mit so vielen Patienten und einem Essen mit landestypischen Zutaten in den Räumen riecht, könne man mit Worten nicht beschreiben. „Aber danach verlief der Tag immer sehr entspannt“, betont Schuhbeck.

„Wenn keiner was macht, passiert nix!“

Der Arzt hat schon 15 Länder in Schwarzafrika bereist. Erst wenn man sich das alles angeschaut habe, könne man mitfühlen und mitreden. „Und was wir in Akwatia tun, ist ein Zeichen für die Leute, dass nicht alle Weißen gleichgültige Menschen sind. Wir leisten dazu einen kleinen Beitrag und haben die Menschen glücklicher gemacht. Wenn keiner was macht, passiert gar nichts“, betont der Urologe. Die Pandemie, so Schuhbeck, sei dort so gut wie kein Thema. Aids und TBC zum Beispiel sind die Krankheiten, die in Ghana wirklich Probleme bereiten.

Eine Bereicherung

Warum entscheidet man sich für so einen Einsatz? Die Liste, die Schuhbeck aufzählt, ist lang, deshalb nur einige Punkte: „Man wird gelassener, man lernt, Dinge zu akzeptieren, schärft die eigene Persönlichkeit, kann hinter die Kulissen blicken und erlebt eine überwältigende Herzlichkeit.“

Er versucht, dies abschließend mit einem Zitat zu verdeutlichen, das dem deutschen Forschungsreisenden Alexander von Humboldt zugeschrieben wird: „Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben.“ Kommendes Jahr will er im Advent erneut nach Ghana fliegen und helfen.

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