Ein Jodler geht immer - Chiemgauer Schwestern machen seit 65 Jahren Volksmusik

Die „Oberndirndl“ Marianne und Heidi heute. Ihre Herzen schlagen seit 65 Jahren für die Volksmusik, mit der die Schwestern bis heute gemeinsam auftreten.
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Die „Oberndirndl“ Marianne und Heidi heute. Ihre Herzen schlagen seit 65 Jahren für die Volksmusik, mit der die Schwestern bis heute gemeinsam auftreten.
  • Anton Hötzelsperger
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Marianne und Heidi aus Chieming sind bis heute als Schwestern unzertrennlich. Und als Sängerinnen: Seit über 65 Jahren machen die Bauerstöchter gemeinsam Volksmusik. Als „Oberndirndl“ kamen sie weit herum. Und leben ihre Liebe zum Gesang bis heute.

Chieming/Bernau – Als vor kurzem Heidi Kerner an ihrem 80. Geburtstag mit ihrer Schwester Marianne Wörndl einen Jodler anstimmte, da konnten beide auf 65 Jahre gemeinsame Volksmusik zurückblicken. So lange schon sind die Chiemgauerinnen – Heidi wohnt noch immer auf dem elterlichen Obernhof in Chieming, Marianne in Bernau – die „Obern-Dirndl“.

Hunderte Veranstaltungen haben sie mit ihrem Zwoagesang gestaltet und verschönert und Tausenden von Menschen mit ihren Liedern und Jodlern eine Freude bereitet.

Talent von der Mutter in die Wiege gelegt

Vor 15 Jahren feierten sie zusammen einen Dankes-Abend in der Bernauer Pfarrkirche St. Laurentius anlässlich ihres 50-jährigen Sängerinnenjubiläums. Doch das sollte noch nicht das Ende der langen Sing-Gemeinschaft sein, denn „gesungen wird, wenn´s Freude macht“. Das ist das Motto der beiden.

„Wenn wir zusammen sind, dann packt uns das Singen spontan, noch oft haben wir seit unserem Jubiläum bei kirchlichen oder familiären Feiern gesungen, weil uns das Singen einfach so viel Freude macht“, erzählt Heidi Kerner und ihre Schwester fügt hinzu: „Das Singen wurde uns von unserer Mutter in die Wiege gelegt, sie sang selbst mit ihrer Schwester und sie war trotz der entbehrungsreichen und zeitraubenden Arbeit auf unserem Obernhhof 24 Jahre im örtlichen Kirchenchor“.

Erster Auftritt mit zwölf Jahren

Mit etwa zwölf Jahren hatten die Schwestern ihren ersten öffentlichen Gesangs-Auftritt bei der Primiz von Prof. Dr. Dr. Peter Stockmeier in Hemhof. Von da an ging es im wahrsten Sinne bergauf, die Schwestern hatte ihre helle Freude am Singen und an der Freude der Zuhörer. Die Eltern waren stolz und finanzierten den ansonsten fleißig am Hof und auf dem Feld mitarbeitenden Töchtern schöne, handgefertigte Dirndlkleider. Immer öfter kamen Veranstalter auf die Obern-Dirndl mit ihren Wünschen zu. Die Auftritte mehrten sich und die Entfernungen wurden immer weiter.

Auftritte auf Almen und am Mittelmeer

„Wir aber blieben uns treu, wir traten nur mit unserer Dirndl-Tracht auf, denn davon waren die Leute genauso begeistert wie von unserem Gesang“, sagt Marianne, die sich einige Jahre beim Chieminger Trachtenverein engagierte, was ihrer Schwester Heidi aber wegen der vielen Hof- und Stallarbeit aber nicht möglich war.

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Die musikalischen Schwestern aus dem Chiemgau in den 1960er Jahren. Hötzelsperger

Zahllose Auftritte im Chiemgau bei Almfesten und Heimatabenden bewirkten, dass einflussreiche Personen auf die Dirndl aufmerksam wurden. So folgten unter anderem ein Auftritt in der Ostseehalle in Kiel („mit 128 Mikrofonen“) und schon bald Schiffs- und Kreuzfahrten ins Mittelmeer und nach Norwegen. „Unvergesslicher Höhepunkt im wahrsten Sinne war eine IBM-Tagung auf 3 454 Metern Höhe in der Schweiz, als wir mit der Zahnradbahn zum Jungfern-Joch auf Europas höchst gelegenen Bahnhof fuhren“, erinnern sie sich. Einmal ging es auf Einladung von Dr. Peter Gauweiler auch nach Berlin. Dass die beiden keine Noten lesen können und Marianne sich das Gitarrespielen selbst beigebracht hat, daraus machen sie keinen Hehl. Ein Nachteil wird ihnen dies nie, im Gegenteil:„Als ganz einfache Bauerndirndl kamen wir weit herum und konnten viel erleben“, freut sich Heidi Kerner noch heute.

Dem Chiemgau treu geblieben

Doch ihr Zuhause blieb der Chiemgau. Dort traten sie bei Jubiläen von Vereinen, unter anderem bei „50 Jahre Waldfeste beim Trachtenverein Atzing“ 2012 und zugunsten von kirchlichen Anlässen auf, wie für die Wallfahrtskirche Maria Eck oder für den Orgelbauförderverein von Bernau.

Für fünf Ministerpräsidenten durften sie singen, trafen in München den späteren Papst Josef Ratzinger und arbeiteten mit dem Bayerischen Rundfunk.

Einmal, da wollten sie sich umbenennen: „Als wir verheiratet waren, wollten wir uns Obern-Sängerinnen oder Obern-Zwoagesang nennen. Aber der Leiter der Volksmusikabteilung vom BR riet uns davon ab und so sind wir bis heute die Obern-Dirndl“.

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