Ein Hochwasser im Urlaub: Daniela Ludwig vertritt Grassaus Ersten Bürgermeister

Daniela Ludwig sitzt derzeit am Bürgermeisterschreibtisch in Grassau.
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Daniela Ludwig sitzt derzeit am Bürgermeisterschreibtisch in Grassau.

Grassau – Daniela Ludwig (44) ist seit Mai die Zweite Bürgermeisterin in Grassau. Derzeit vertritt die CSU-Ortsvorsitzende den Ersten Bürgermeister Stefan Kattari (SPD), der im Urlaub ist. Wie sie diese Zeit erlebt, darüber hat die Chiemgau-Zeitung mit ihr gesprochen.

Frau Ludwig, vertreten Sie Herrn Kattari zum ersten Mal?

Daniela Ludwig: Nein, er war schon mal 14 Tage im Urlaub Anfang August. Ich bin selbstständig und habe ein Ingenieurbüro mit 16 Mitarbeitern in Traunstein. Wir planen Sanitär- und Heizungsanlagen. Vormittags bin ich im Rathaus, nachmittags in meiner Firma. Bei wichtigen Terminen geht im Moment das Rathaus vor.

Wie organisieren Sie ihren Alltag in der Vertretungszeit?

Ludwig: In der Firma habe ich einen Geschäftsführer, der mich unterstützt in meiner Firma. Mein Sohn wird elf, um den möchte ich mich natürlich auch noch kümmern.

Was fällt denn so an, an Terminen während ihrer Vertretung?

Ludwig: Das fängt an bei Jour-Fixes auf Baustellen an. Zum Beispiel zur Erschließung der Straße am Seniorenheim, das neu gebaut wird. Dann gibt es wöchentliche Termine. Natürlich auch hier in der Verwaltung, viele Gespräche mit den Sachgebietsleitern. Auch Bürger, die ein Anliegen haben, kommen ins Büro herein. Vom Ökomodell bis zur Vereinssitzung der Almbauern zum Thema Wolf kommt noch alles Mögliche dazu.

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Wie schnell haben Sie sich in die Themen einarbeiten können?

Ludwig: Da war mir das Team im Rathaus eine große Hilfe. Ich war sehr nervös, bevor ich angefangen habe, obwohl ich hier ja alle kenne. Es ist schon toll, wie gut alle zusammen helfen und mich unterstützen. Ich muss zugeben, dass ich selbst überrascht war von der Breite des Aufgabengebietes. Das bekommt man nicht mal als Mitglied des Gemeinderats mit und obwohl ich Stefans Terminkalender kenne. Derzeit ist es allerdings ein bisschen ruhiger durch die Urlaubszeit.

Ludwig: Ich habe das Gefühl, dass wir parteiübergreifend im Sinne von Grassau zusammen arbeiten, und nicht so in Parteien denken. Das ist unser Glück im Grassauer Gemeinderat. Und dem Stefan geht es genauso, glaube ich. Natürlich haben wir mal andere Sichtweisen, aber davon profitieren wir auch.

Sind Sie in Ihrer Vertretungszeit schon ins Schwitzen gekommen?

Ludwig: Die Sachgebietsleiter und ich haben noch gewitzelt, dass es immer zu einer Katastrophe kommt, wenn der Grassauer Bürgermeister im Urlaub ist. Das war 2013 schon so beim Hochwasser. Dann das Schneechaos vor zwei Jahren. In beiden Fällen war Stefans Vorgänger zufällig im Urlaub. Prompt war es dann so, dass die Starkregenfälle in meine Vertretungszeit gefallen sind.

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Wie ist der Tag abgelaufen?

Ludwig: Um vier Uhr morgens kam die erste Nachricht, um fünf Uhr hab ich die Sirenen gehört, kurz darauf kam der Anruf, dass es ernst wird. Da bin ich echt ins Schwitzen gekommen, schließlich kann es da auch um Menschenleben gehen. Ich hab mir vor Ort angeschaut, wo wir die Rettungskräfte unterstützen können. Das geht los mit der Klärung, ob ein Bagger benötigt wird, die Aufnahme von Schäden, bis zur Organisation der Brotzeit für die Rettungskräfte.

Ich musste auch entscheiden, ob ein Durchlass aufgemacht werden soll. So etwas hat natürlich weitreichende Konsequenzen. Wir konnten eine andere Lösung finden, indem wir umgepumpt haben. Abends war ich noch bei einer Jagdversammlung. Ein langer Tag, bis um elf Uhr abends ging das. Da sind mir schon ein paar graue Haare gewachsen.

Was hat der Erste Bürgermeister dazu gesagt?

Ludwig: Wir wollten ihn eigentlich erst mal gar nicht informieren, er sollte ja seinen Urlaub genießen. Und tun hätte er aus der Ferne eh nicht. Nachmittags hat er sich dann gemeldet und nachgefragt, was denn los sei in Grassau.

Interview: Heidi Geyer

Das sagt der Erste Bürgermeister

Stefan Kattari ist gerade im Radurlaub in den Alpen, derzeit in Pontresina, als die Chiemgau-Zeitung mit ihm telefoniert. Wie es ihm geht mit Daniela Ludwig auf dem Chefsessel? „Sehr gut. Wir verstehen uns und arbeiten hervorragend zusammen. Schon im Wahlkampf konnten wir Vertrauen aufbauen. Obwohl ich ja für die SPD kandidiert habe und Daniela CSU-Ortsvorsitzende ist, das ist schon erstaunlich. Parteipolitik spielt bei uns in Grassau keine so große Rolle. Ich wünsche mir auch, dass das so bleibt.“

Auch Kattari flachst, dass es so üblich sei, dass es Hochwasser in Grassau nur gebe, wenn der Bürgermeister im Urlaub sei. Vom Hochwasser hat er in der Tat erst spät erfahren. Er war gerade mit seinem Mann in Pisa, als der Fotos vom Grassauer Nachbarn geschickt bekam: „Da hab ich erst mal im Rathaus angerufen und mit Daniela telefoniert. Aber am Nachmittag hatte sich die Lage bereits entspannt. Und von Pisa aus hätte ich eh nicht viel tun können.“

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