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Lkw stürzt auf A94 bei Töging – Autobahn derzeit voll gesperrt

Folgenschwerer Unfall am Montagvormittag

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Töging – Auf der A94 (München – Passau) hat sich am Montagvormittag (16. Mai) offenbar ein …
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OVB-Leser haben Einrichtung mitfinanziert

„Ein guter Ort“ zum Sterben – Ein Besuch im Chiemsee-Hospiz in Bernau

Liebevolle Sorge bis zum Ende:Eine Hospiz-Mitarbeiterin betreut einen Gast.
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Liebevolle Sorge bis zum Ende:Eine Hospiz-Mitarbeiterin betreut einen Gast.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Ein helles Haus für die letzte Lebensspanne, das ist das Chiemsee-Hospiz in Bernau. Noch immer machen sich sehr wenige Menschen Gedanken darüber, wie sie die letzten Wochen ihres Lebens verbringen wollen. Wie es gehen kann, wird hier gezeigt und gelebt.

Bernau – Das Licht, von dem Hanna Martin spricht, scheint gerade unendlich weit entfernt. Die 75-Jährige spricht von jenem Leuchten, das eine kräftige Sonne auf helle Felsen und das Türkisblau des Meeres zaubert. Sie spricht über das Leuchten, das die Küsten des Mittelmeers so besonders macht. Draußen aber nieselt es. Von der Sonne keine Spur. Die Gipfel der oberbayerischen Berge sind in Wolken gehüllt. Graues Wetter, im Jahreslauf geht es aufs Ende zu.

Jedem Anfang, so heißt es, wohne ein Zauber inne. Und dem Ende? Trauer? Bedauern? Nichts von beiden liest man im Gesicht von Hanna Martin. Die 75-Jährige sitzt auf dem Sofa in ihrem Zimmer im Hospiz Bernau. Und sie sagt: „Ich habe nicht das Gefühl, etwas versäumt zu haben. Das sage ich gerade auch in meiner Situation.“

Vorkehrungen treffen nur wenige

Ihre Situation ist besonders. Obwohl ihr kein Mensch entgehen kann. Jeder und jede weiß es. Und kaum jemand will sich damit befassen. Darüber nachdenken. Dafür Vorkehrung treffen. Es geht um die letzten Monate, Wochen, vielleicht Tage im Leben. Um die Schlussgerade. Die letzten Meter. Jeder erlebt ihn, den vielleicht intimsten Moment im Leben eines Menschen. Den Tod.

Wann und wo, das weiß kaum jemand. Anders als Frau Martin: Sie kennt zumindest den Ort. Sie wird, aller Voraussicht nach, hier sterben. In Bernau, im Chiemseehospiz. An einer ruhigen Straße mit Einfamilienhäusern, hinter deren Giebeln man den Chiemsee nur ahnt. Die Berge dagegen sieht man. Hanna Martin ist schwer krank, auf eine Gesundung sei nicht mehr zu hoffen. Deswegen ist sie umgezogen, ins Hospiz.

Auch die letzten Tage vor dem Sterben sind Leben

Man würde der Einrichtung Unrecht tun, würde man sie als Haus zum Sterben bezeichnen. Es ist im Gegenteil ein Ort zum Leben. Ein heller Ort. Vor einem Jahr wurde das Haus eingeweiht. Mit einer Architektur, die unaufdringlich Akzente setzt. Schlichte Linien, es sind die Proportionen, die dem Gebäude Eleganz verleihen. Innen viel Holz, viel Glas. Von den Fluren aus blickt man in ein Atrium, durch das Tageslicht flutet.

Ein paar Tage zuvor ist Hanna Martin hier eingezogen. Eine schlanke Frau mit kurzen grauen Haaren und scharf geschnittenen Gesichtszügen. Sie war Erzieherin in einem Kindergarten in der Nähe vom Chiemsee, Skilehrerin und Surflehrerin, sie betrieb ein Hotel in Griechenland, lebte zuletzt auf der Peloponnes. „Berge, das Meer, das Nonplusultra“, wie sie sagt. Sie scheint das Leuchten von dort mitgenommen zu haben, es strahlt aus ihren Augen. Sie hat sich bereit erklärt, zu erzählen, wie es ihr im Hospiz ergeht. Drei-, viermal, so haben wir es besprochen, werde ich sie in Bernau besuchen. Ihren Namen haben wir geändert, auf ihren Wunsch hin. Warum sie überhaupt über das Haus erzählen möchte? Weil sie findet, dass es bekannter werden sollte. „Es bräuchte mehr solche Einrichtungen“, sagt sie.

Rückblick auf viele Abenteuer

Aus Griechenland zurückgekehrt war sie wegen ihrer Krankheit. 2017 war Darmkrebs festgestellt worden. Im Mai hat sie nochmals eine Chemo über sich ergehen lassen, „und die habe ich überhaupt nicht vertragen“. Die Schmerzen, der Schüttelfrost – alles zusammengenommen brachte sie zu ihrer Entscheidung: „Ich habe mich entschlossen, keine Chemo mehr zu machen.“ Auf der Palliativstation riet man ihr zum Umzug ins Hospiz.

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Angemeldet war sie schon. Nun ist meist nicht gleich ein Platz frei, das Hospiz meldet sich bei den Menschen auf der Warteliste, sobald sie einziehen können. Nicht jeder leistet der Einladung dann gleich Folge, erzählt Hospizleiterin Wiedemann. Es sei, als ob die Menschen zurückschreckten. Vor der Endgültigkeit des Schritts, vor dem Siegel auf dem letzten Kapitel. Man zieht ein ins Hospiz, und dort wird es dann auch enden. Ich begleite die Leiterin auf einem Rundgang durchs Haus. Sie zeigt mir ein Zimmer, tritt ans Bett und zieht die Decke straff. Die Bewohnerin sei vorgestern umgezogen, sagt sie. Meine Frage nach dem Wohin beantwortet sie mit einem nach oben zeigenden Finger: „Vorausgegangen.“

„Es braucht mehr solche Einrichtungen“

Auch Hanna Martin ist erst nach dem zweiten Anruf eingezogen. Jetzt ist sie zufrieden: „Ein guter Ort.“ Bei meinem dritten Besuch treffe ich sie nicht in ihrem Zimmer an, sondern im Speisezimmer. Eine Frau sitzt bei ihr, ihre Nachbarin. Auch der gefällt es, man werde individuell betreut, noch beim Essen werden Wünsche berücksichtigt. Die beiden scheinen sich gut zu verstehen. Die Nachbarin macht einen Witz über Martins Essgewohnheiten. „Fleisch ist dir wurscht“, sagt sie. Beide lachen und flachsen weiter. „Ich kann nicht ohne die Berge“, sagt Martin. „Aber die Berge können ohne dich“, sagt die Nachbarin und lacht. Martin lächelt.

Mit den Schmerzen gehe es meistens, erzählt sie bei meinem dritten Besuch. Man hat ihr eine Schmerzpumpe gelegt. Dadurch gelangen die Medikamente direkt in die Blutbahn und wirken schnell. So weit ist Martin ganz zufrieden. Einerseits. Andererseits ist es schon so, dass der Tag einem lang werden kann, wenn man so viel Sport gemacht hat wie sie. Wenn man so aktiv gewesen ist.

Was tut sie die ganze Zeit? „Eine gute Frage“, sagt sie, denkt kurz nach. „Kreuzworträtsel lösen, spazieren gehen, die Berge anschauen, von der Terrasse aus.“ Sie kommuniziert mit Freunden und Bekannten über Whatsapp, auch mit ihren Freunden in Griechenland, mit Angehörigen, erhält Besuch. Am häufigsten ist ihre Tochter da.

Sie könnte auch schreiben oder zeichnen oder Aquarell malen. „Kreativ sein? Dazu habe ich keine Lust mehr“, sagt sie. „Oder keine Kraft.“ So energisch sie sonst wirkt, diesmal scheint sie alles zu spüren: das Alter, den Krebs. „Ich war ein bisschen wacklig auf den Beinen heute.“

Über Whatsapp in Kontakt mit Freunden

Sie könnte auch mit dem Pfarrer sprechen. Allein, sie hat mit „dieser Institution nichts am Hut“. Also liest sie lieber. Derzeit bevorzugt Krimis. „In meiner Situation braucht man was Ablenkendes.“ Von dem, was auch die Frau im Nachbarzimmer umtreibt: das Wissen darum, wie die Lebensspanne abnimmt und schrumpft. Dass ein Frühjahr sein wird, und man wird nicht mehr sein.

Die Menschen, die im Hospiz arbeiten, seien so liebevoll, sagt die Nachbarin. „Das ist wichtig, gerade wenn es so ist“ – ihre beiden Hände schiebt sie über den Tisch aufeinander zu, bis sich die Fingerspitzen berühren. Aus. Weiter geht es nicht mehr. Sie habe ein „abenteuerliches Leben gelebt“, sagt wiederum Hanna Martin. „Das ist doch das, von was man lebt, ganz am Ende.“

Zu einem weiteren Besuch ist es nicht mehr gekommen. Kurz nach unserer Unterhaltung hat sich Frau Martins Zustand rapide verschlechtert, in den letzten Tagen hat sie ihr Bett gar nicht mehr verlassen können. An einem Abend im November ist sie gestorben. Ihre Tochter saß zuletzt jeden Tag an ihrem Bett. Sie sei dankbar, sagt sie. Dafür, „dass ich meine Mutter noch so verabschieden konnte“.

OVB-Leser spenden für Hospiz-Neubau

Das Chiemsee-Hospiz in Bernau ist seit November 2020 in Betrieb und hält zehn Plätze bereit. Mit zur Finanzierung beigetragen haben die OVB-Leser mit Spenden in Höhe von 600000 Euro im Zuge der Weihnachtsaktion „OVB-Leser zeigen Herz“ (2017).

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