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Lesung am Sonntag in Prien

Ein Farbtopf voller Leben: Schauspieler Robert Atzorn und seine Biografie

Tiefe Freundschaft: Marie Theres Relin (Mitte) mit Angelika und Robert Atzorn nach einer Lesung von Atzorns Biografie in Düsseldorf. Eine Begegnung in Prien war der Ausgangspunkt für die gegenseitige Sympathie.
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Tiefe Freundschaft: Marie Theres Relin (Mitte) mit Angelika und Robert Atzorn nach einer Lesung von Atzorns Biografie in Düsseldorf. Eine Begegnung in Prien war der Ausgangspunkt für die gegenseitige Sympathie.

Die Autorin Marie Theres Relin schreibt über ihre Freundschaft mit Robert Atzorn und seiner Frau Angelika anlässlich der Lesung aus Atzorns Biografie. Am 24. Oktober kann man das berühmte Paar in Prien live erleben. Zuvor antworten die Atzorns schon auf spannende Fragen.

Prien/Rimsting – Seine Karriere war spektakulär, das Ende konsequent. Robert Atzorn spielte sich mit „Oh Gott, Herr Pfarrer“, „Unser Lehrer Dr. Specht“, als Kommissar im „Tatort“ oder in „Nord Nord Mord“ in die Herzen der Zuschauer, bis er 2017 seinen Beruf an den Nagel hängte. Seine Frau Angelika, einst eine aufstrebende Balletttänzerin und Schauspielerin, entschied sich für ihn und die Familie.

Am Sonntag, 24. Oktober um 11 Uhr kann man in Mikes Kino das in Rimsting lebende Paar live erleben, wenn Atzorn aus seiner Biografie liest. Mit dem sympathischen Paar verbindet mich eine tiefe Freundschaft, und jeder, der die beiden kennenlernen durfte, kann nachvollziehen, dass man sich bei diesen Herzensmenschen einfach wohlfühlt.

Ich wollte ihn für mein neues Projekt gewinnen

Es war der 31. Januar 2020. Es war einer dieser kleinen Momente, die ganz viel in meinem Leben verändern würden. Eine Bereicherung schlummerte ganz unverhofft in einem Bruchteil von Sekunden und peng – eine Freundschaft ward geboren. Bevor die Lesung mit Hubertus Meyer-Burckhardt in Mikes Kino in Prien startete, stupste mich beim Einlass Kinobetreiberin Martina Engel an: „Da kommt mein Nachbar Robert Atzorn und seine Frau Angelika“. Ich stürzte sofort auf ihn zu. „Wollen Sie mein Star sein?“

Ich wollte ihn unbedingt für mein neues Projekt „Region 18“ gewinnen, bei dem Prominente in unserer Region ihre Lieblingsfilme zeigen. Er musste lachen und sich gedacht haben, „was ist denn das für ein verrücktes Huhn?“, so ungestüm war ich in meinem „Promi-Ergattern“. Wir tauschten Adressen aus und trafen uns, es schwappten von beiden Seiten gute Energien von A nach B, das Ehepaar erzählte mir vom gemeinsamen Buch, Pläne für Lesungen wurden geschmiedet und dann kam „Madame Corona“ angerauscht. Alles stagnierte, nur unsere Freundschaft, die wuchs.

Im Juli 2020 wollte ich den ganzen Corona-Bestimmungen auf legalem Wege ein Schnippchen schlagen: Kino mieten, Film gucken, eigenen Star dabei haben. Spontan rief ich Robert an. In einem Atemzug und drei Minuten sprudelte ich ihm meine Idee entgegen. Er lachte und sagte mit seiner unverkennbaren sexy Stimme: „Klar, bin ich dabei. Ich liebe Kino. Nur schad‘, dass ich die Filme von mir schon kenne.“

Blick auf die Schrecken des Lebens

Die Kinofans waren aber doch eher Corona-ängstlich gestimmt, keiner traute sich, das Angebot in Anspruch zu nehmen.

Auch Roberts Biografie erschien wegen Corona mit einem halben Jahr Verspätung im September 2020. Ich verschlang es mit einer kleinen Verwunderung: Das Geschriebene war so authentisch, so liebevoll erzählt, dass man das Gefühl hatte, man sitze direkt in Atzorns Küche bei einem Glas Wein und einem fantastischen Mahl, das Angelika gezaubert hat.

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Der Humor der beiden, gerade auch mit Blick auf die Schrecken des Lebens, ist einfach fabelhaft. Was gibt es Schöneres, wenn man über die Fauxpas des Daseins lachen kann? Diese Ehrlichkeit erinnert einen an die eigenen Missgeschicke und es ist so tröstlich, dass ein Paar so offen über seine Lebenserfahrung schreibt.

Hautnah bei Ehekrach, Lampenfieber und Nachkriegskindheit

Schön, wenn all das in Worten festgehalten ist, spannend wird´s aber, wenn man bei der Lesung geradezu in die Geschichten schlüpft. Die beiden interpretieren ihren Lebenslauf bei ihren Lesungen dermaßen gekonnt, dass man meint, dabei gewesen zu sein.

Ich jedenfalls wohnte beim Zuhören dem ersten Ehestreit auf der Hochzeitsreise bei, stand mit Robert zitternd auf der Bühne, erlebte Angelikas Karriereaufgeben und auch ihr Leben im Hintergrund des Künstlers, zog x Male mit den beiden um, erfuhr viel über die Nachkriegskindheit, sah, wie Robert seinen Ehering in die Hand einer Bettlerin drückte und war auch dabei, als er die Haare in den unmöglichsten Farben gefärbt bekam.

Ich möchte die beiden nicht mehr vermissen.

Fünf Fragen an das Paar

Wie gewinnt man eure Empathie?

Angelika: Durch Offenheit, Ehrlichkeit, Wahrheit und Begeisterungsfähigkeit.

Robert: Sympathie habe ich jedem gegenüber. Die Frage sollte heißen: Wie verliert man eure Empathie?

Wie würdet ihr euch gerne dargestellt sehen?

Angelika: Als offener Mensch, der Höhen und Tiefen kennt, der trotzdem viel Freude am Leben hat!

Robert: Als Mensch auf der Durchreise ...

Welches ist euer liebster Widerwille?

Angelika: Zwiebeln schneiden.

Robert: Mein grandioser Appetit.

Wann fühlt ihr euch heimatlos?

Angelika: Wenn Robert zulange weg ist!

Robert: Wenn Schlüsselbund nicht auffindbar ist.

Welche Film-Persönlichkeit hat euch in eurem Leben bisher am meisten beeindruckt?

Angelika: Die US-amerikanische Schauspielerin Shirley MacLaine – sie war früher ein großes Vorbild für mich.

Robert: Der deutsche Mime Bruno Ganz. Er war nicht nur ein überragender Schauspieler, sondern er konnte alles: Theater, Film, Lesung.

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