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Ein Corona-Test zum Fest? Großer Andrang an Traunsteiner Teststation

Die Schlange vor der Teststation ist am Mittwochvormittag lang. Zu Wochenbeginn hatten sich rund 600 Menschen pro Tag testen lassen. Geyer
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Die Schlange vor der Teststation ist am Mittwochvormittag lang. Zu Wochenbeginn hatten sich rund 600 Menschen pro Tag testen lassen. Geyer
  • Heidi Geyer
    vonHeidi Geyer
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Bloß nicht die Verwandten an Weihnachten mit Corona anstecken! Das Traunsteiner Covid-19 Testzentrum erlebt einen riesigen Andrang. Ein Ortstermin zwischen Abstrichen und Adventsstimmung.

Traunstein– Ein unbeschwertes Weihnachten ohne Corona-Infektion wünschen sich heuer viele Menschen. Kurz vor dem Fest lassen sich zahlreiche Chiemgauer auf Covid-19 testen. Die Chiemgau-Zeitung hat sich die Situation an der Teststation angesehen.

Kurz nach der Öffnung um 10 Uhr ist schon eine lange Schlange an der Zufahrtsstraße zum Testzentrum. Viele Einzelpersonen, aber auch Familien warten in ihren Autos. Die Gründe für den Test sind vielfältig. Anna Wierer aus Petting kommt als Reiserückkehrerin aus Finnland, was als Risikogebiet eingestuft ist. „Ich habe keine Sorge, dass ich mich angesteckt habe“, sagt die junge Frau. Sie brauche den Test, um ihre Quarantäne beenden zu können, um mit der Familie Weihnachten zu feiern.

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Auch Daniel Anton aus Traunreut und seine Frau möchten raus aus der Quarantäne.. „Unser Sohn arbeitet bei Bayernfleisch und ist in der vergangenen Woche positiv getestet worden“, sagt Anton. Wie berichtet hatten sich dort 51 Mitarbeiter mit Corona infiziert. „Immerhin haben wir keine Symptome“, sagt der Traunreuter sichtlich genervt.

Anstieg um 40 bis 50 Prozent

Thorsten Brandstätter vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK) in Traunstein ist verantwortlich für die Teststation. „Seit dem Wochenende war ein Anstieg um 40 bis 50 Prozent spürbar, zum Teil hatten wir mehr als 600 Tests pro Tag in Traunstein“, berichtet der Projektleiter. Ein Teil sei auch darauf zurückzuführen, dass einige Menschen in ihren Heimatländern Weihnachten feiern wollen, und viele Länder bei der Einreise einen negativen Covid-Test verlangen.

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Weihnachtsfrieden unterm Christbaum

Mit vielen Menschen in der Warteschlange spricht die Chiemgau-Zeitung, Symptome haben die wenigsten. Viele möchten ihren Namen nicht in der Zeitung stehen haben, haben Sorge, dies könnte Kunden oder Patienten abschrecken. Eine Frau aus dem südlichen Landkreis ist mit ihrer kleinen Tochter gekommen. „Mein Vater hat starke Symptome, deshalb sind wir hier“, sagt sie. Sie selbst habe noch keine Beschwerden.

Im Moment sei es auch weniger die Krankheit, die ihr Sorgen mache: „Dass wir nicht feiern können, ist momentan emotional belastender, als eine Erkrankung. Die ist noch sehr abstrakt. Geplant hatten wir, gemeinsam mit meinen Eltern zu feiern“, sagt die Frau und es ist ihr anzusehen, wie traurig sie ist.

Routine mit Tests

Locker nimmts hingegen Benjamin Hirschauer aus Bergen. Eine reine Vorsichtsmaßnahme ist der Test für ihn: „Wegen den Eltern bin ich hier, die sind schon Ü-70. Da will ich mich absichern.“ Binnen 36 Stunden soll das Testergebnis vorliegen, für den Weihnachtsabend könnte es knapp werden. Hirschauer winkt ab, es ist nicht sein erster Test. „Das letzte Mal habe ich das Ergebnis innerhalb von acht Stunden bekommen, da bin ich zuversichtlich“, sagt der 30-Jährige.

Oma und Opa risikofrei sehen

Um die Risikogruppe einerseits zu schützen und andererseits ein gemeinsames Weihnachtsfest zu ermöglichen, bieten Ehrenamtliche des Bayerischen Roten Kreuzes im Landkreis Traunstein an vier Orten Corona-Schnelltests an für Menschen, deren Familienmitglieder in Betreuungseinrichtungen untergebracht sind.

„Es ist schwer einzuschätzen, wie viele Menschen kommen werden. Wir haben an jeder Station zehn Leute im Einsatz“, sagt Thorsten Brandstätter vom BRK.

Freistaat bietet Schnelltests

Die Schnelltests stellt der Freistaat zu diesem Zweck zur Verfügung. Wie Brandstätter selbst die Feiertage verbringt? „Am 24. unterstütze ich bei den Schnelltests. Insgesamt haben wir uns so aufgeteilt, dass jeder mal Zeit zuhause mit der Familie verbringen kann.“ Angesichts der Dynamik von Corona schiebt er ein: „Mal sehen, was die Feiertage so bringen.“

Benjamin Hirschauer will seine Eltern schützen.
Daniel Antons Sohn hat sich mit Covid-19 infiziert.

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