„Ein Bürgermeister hat das auszuhalten“: Grassaus Ex-Bürgermeister Rudi Jantke zieht Bilanz

18 Jahre war Rudi Jantke Erster Bürgermeister der Marktgemeinde Grassau. Jetzt zog er im GEspräch mit der Chiemgau-Zeitung Bilanz. RE
  • vonTamara Eder
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In 18 Dienstjahren als Erster Bürgermeister der Marktgemeinde Grassau hat Rudi Jantke viel erlebt. Einige Meilensteine, die für die Gemeinde von großer Bedeutung sind, lassen sich auf sein Wirken zurückführen.

Grassau – Durch die Schaffung von Bauland für Einheimische konnten viele junge Familien ihr Eigenheim verwirklichen. Unter Jantkes Führung der Marktgemeinde wurde die Ortskernsanierung in Grassau abgeschlossen und die Sanierung der Mietenkamer Ortsmitte realisiert. Das Gewerbegebiet in Eichelreut mit Bau eines Biomasseheizwerks ist entstanden, wobei der Markt Grassau seine Vorreiterrolle in der Umsetzung „Erneuerbarer Energien“ ausweiten konnte. Mit dem Neubau des BRK-Gebäudes wurde die Rot-Kreuz-Station im Ort gesichert. Eine neue Turnhalle ist entstanden. Unter seiner Regie wurde der Reifinger Weiher zum Badesee erweitert. Ganz wesentlich dürfte auch die Sicherung des Hefteranwesens sein. So gelang es hier, nicht nur den Saal für die Gemeinde und Veranstaltungen zu sichern, sondern auch ein neues Zuhause für den Trachtenverein und die Bücherei zu schaffen.

Jantke hatte ohnehin immer ein besonderes Verhältnis zu den Vereinen, die aufs Beste nicht nur finanziell von der Gemeinde unterstützt wurden, sondern zudem auch die Wertschätzung des Bürgermeisters hatten. So besuchte Jantke, sofern es seine Zeit zuließ, fast jede Jahreshauptversammlung. Die Partnerschaft mit der französischen Gemeinde Rognonas wurde begründet und die Partnerschaft zu Tscherms in Südtirol gefestigt. Das wohl größte Fest war die 50-Jahr-Feier zur Markterhebung der Gemeinde.

Im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen blickte Jantke auf seine politische Arbeit zurück.

Was waren zu Beginn Ihrer Amtszeit Ihre wichtigsten Anliegen?

Rudi Jantke:„Von Beginn an waren mir die Sicherung der Grundversorgung, die Politik für Familien und die „Erneuerbaren Energien“ besonders wichtig. Das hat sich in der ganzen Amtszeit nicht verändert.

Die Marktgemeinderatssitzungen verliefen meist harmonisch und viele Beschlüssen wurden einstimmig gefasst. Wie sehen Sie das?

Jantke: „Die Harmonie stand nicht im Vordergrund, sondern das Bemühen um einen Kompromiss, der von möglichst vielen Mitgliedern des Marktgemeinderats getragen werden kann. Nur so geht es meiner Meinung nach voran und wichtige Projekte werden nicht zerredet oder endlos diskutiert, sondern angepackt und verwirklicht.

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Was war Ihr größter Erfolg und was würden Sie als Niederlage bezeichnen?

Jantke: In den vergangenen 18 Jahren wurde vieles erreicht und die finanzielle Ausstattung der Gemeinde hat sich fundamental verbessert. All das sind aber keinesfalls meine persönlichen Erfolge. Vielmehr ist es eine Gemeinschaftsleistung, die erreicht wurde vom Marktgemeinderat und allen, die sich so hervorragend in den Vereinen und sozialen Einrichtungen ehrenamtlich einsetzen. Niederlagen? Wenige Male habe ich mich darüber ärgern müssen, dass im Zuge von einigen Planungen, natürlich in der Regel anonym, unwahre Gerüchte und Behauptungen über mich persönlich in die Welt gesetzt wurden. Ich würde das allerdings nicht als Niederlage bezeichnen und ein Bürgermeister hat das auch auszuhalten, enttäuscht war ich aber schon.

Welche Höhepunkte können Sie zum Ende Ihrer Amtszeit beschreiben?

Jantke: Ganz sicher waren die Höhepunkte für mich die Begegnungen mit vielen Menschen. Als Bürgermeister hatte ich die Gelegenheit, berühmte Dirigenten und Musiker, bekannte Sportlerinnen und Sportler, Bundes- und Landespolitiker, sogar Bundespräsidenten waren dabei, ein Stück weit kennenzulernen und mit ihnen Gespräche zu führen. Noch mehr wiegen für mich jedoch die vielen herzlichen Begegnungen bei den Besuchen zu den hohen runden Geburtstagen und den Ehejubiläen der Gemeindebürger. Dabei habe ich oftmals großen Zuspruch erfahren und sehr viel über unsere Gemeinde lernen können. Besonders schön waren für mich auch die vielen Feierlichkeiten, die wir begehen konnten. Die Partnerschaftsjubiläen mit unseren Partnergemeinden Tscherms und Raschau und natürlich auch die Gründung einer neuen Gemeindepartnerschaft mit Rognonas waren beeindruckende Erlebnisse. Dass ich in meiner Amtszeit gleich bei zwei Gautrachtenfeste, 2010 in Grassau und 2018 in Rottau, als Schirmherr fungieren durfte, macht mich ganz besonders stolz.

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Was würden Sie rückblickend anders machen?

Jantke: Jeder, der von sich glaubt, fehlerfrei zu sein, macht damit schon den ersten Fehler. Manchmal war ich bestimmt zu ungeduldig in den Diskussionen im Marktgemeinderat und in der Anforderung an meine Mitarbeiter.

Wo steht Grassau heute nach 18 Jahren unter Ihrer Führung?

Jantke: Mit der Sanierung der Ortskerne in Grassau, schon begonnen unter meinem Vorgänger, aber auch in Rottau und Mietenkam hat sich das Erscheinungsbild der Gemeinde äußerlich verändert. Der Markt Grassau als Handels- und Gewerbezentrum im Achental hat auch seinen guten Ruf als Kunst- und Kulturgemeinde fortentwickelt und ist inzwischen Vorreiterkommune in Sachen Klimaschutz.

Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger?

Jantke: Ich wünsche meinem Nachfolger vor allen Dingen viel Freude in seinem Amt, auch eine glückliche Hand- und in schwierigen Zeiten ein dickes Fell.

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