Mit den eigenen Händen gebaut

Zwei große Gönner hatte der Trachtenverein in seinen Reihen, als er an den Bau des Trachtenheims ging: Maria und Eduard Gregori, langjähriger Kassier, - unser Bild zeigt sie bei der späteren Einweihungsfeier - stellten als Nachbarn das Grundstück für den Bau des Trachtenheims in Erbpacht auf 99 Jahre zur Verfügung.  Foto  Archiv Berger
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Zwei große Gönner hatte der Trachtenverein in seinen Reihen, als er an den Bau des Trachtenheims ging: Maria und Eduard Gregori, langjähriger Kassier, - unser Bild zeigt sie bei der späteren Einweihungsfeier - stellten als Nachbarn das Grundstück für den Bau des Trachtenheims in Erbpacht auf 99 Jahre zur Verfügung. Foto Archiv Berger

40 Jahre alt ist das Trachtenheim in Hittenkirchen. Diesen runden Geburtstag feiert der Trachtenverein am Samstag, 4. Juli.

Hittenkirchen - Als der Wirt des langjährigen Vereinslokals 1971 seinen großen Saal, einem damaligen Trend folgend, umgebaut und in einen Speiseraum umgewandelt hatte, besaßen die Trachtler keine "Unterkunft" mehr. Die bisherigen Proben- und Auftrittsmöglichkeiten beim Dorfwirt standen somit nicht mehr zur Verfügung. Einige Male wagte man Freiluftveranstaltungen. Man wich auch in das sehr beengte Pfarrheim aus, manche Aufgaben konnten aber auch gar nicht mehr erfüllt werden.

Nachdem 1974 ein Vereinspreisplatteln witterungsbedingt komplett ausfallen musste, beschritt der Verein vollkommen neue Wege. Als die Vorstandschaft des Trachtenvereins "Almrausch" Hittenkirchen den Bau eines eigenen Vereinsheimes im Herbst des Jahres 1974 beschloss, da gab es noch keinerlei Erfahrungen im gesamten Chiemgau. Ohne bestimmtes Vorbild wagten sich die Trachtler an das Projekt. Vorstand Christian Kaufmann und seine damalige Vorstandschaft zeigten großen Mut.

Mit Maria und Eduard Gregori, dem langjährigen Kassier, hatte der Verein zwei große Gönner in den eigenen Reihen. Sie stellten als zukünftige Nachbarn des Trachtenheims in großherziger Weise das Grundstück in Erbpacht für 99 Jahre zur Verfügung.

Ursprünglich dachten die Hittenkirchner an eine "kleine" Lösung. Nur für Proben und für Versammlungszwecke wollten sie bauen. Diesen Gedanken ersetzten sie aber schon bald durch eine "große" Lösung. Bau, Erhalt und Finanzierung des Trachtenheimes sollten durch einen Wirtschaftsbetrieb auf längere Sicht gesichert werden.

Keine staatlichen Zuschüsse

Vielfältige Gönner und Kräfte waren und sind seither im Einsatz. Neben dem damaligen Vorstand Christian Kaufmann waren dies vor allem Zweiter Vorstand Michael Berneder, Jakob Irrgang, der sich vor allem um die Planung verdient machte, Erwin Gregori, der die Bauausführung organisierte und begleitete, Kassier Andreas Bauer, Schriftführer Toni Bauer und Vorplattler Kaspar Steindlmüller.

Als Starthilfe gab es zwar keinerlei staatliche Zuwendungen, aber die ehemalige Gemeinde Hittenkirchen stellte einen Zuschuss zur Verfügung. Einige Holzspenden, vor allem aber zigfache Hand- und Spanndienste machten es möglich, dass das Trachtenheim in kompletter Eigenleistung erbaut werden konnte. Fast 200 Leute waren mit rund 5000 Arbeitsstunden am Werk. Noch heute können die Hittenkirchner Trachtler stolz sein, dass sie Bau und Finanzierung mit eigenen Kräften und ohne Fremdmittel schafften.

Am 11. Juli 1975 war es dann so weit: Bei der Einweihungsfeier waren unter anderem Gauvorstand Sepp Schlagbauer vom Chiemgau-Alpenverband, Staatssekretär Franz Neubauer, Ortsbürgermeister Sepp Steinbichler sowie die Wildenwarter Blaskapelle zugegen.

Weitere Baumaßnahmen bis zum heutigen Tage waren eine Erweiterung im Jahre 1979 (Küchenverlegung, Heizung, Kühlung, Lüftung und Schenke) sowie verschiedene Sanierungen (Fenster der Ostseite, WC-Anlage, oder Küche, Kühlanlage und Eingangsbereich nach dem letzten Gaufest). Für den Erweiterungsbau mit Unterkellerung gab es im Rahmen der Gebietsreform, die 1978 vollzogen wurde, von den Gemeinden Prien und Bernau eine finanzielle Förderung. Der Rohbau der Erweiterung wurde in den Jahren 1987/1988 fertig ausgebaut, und es erfolgte dabei der Einbau des jetzt vorhandenen Wirtschaftsbetriebes. Jedesmal kam der Gemeinschaftsgeist und der Arbeitsfleiß der Hittenkirchner Trachtenvereinsmitglieder in erfolgreicher Weise zum Ausdruck. Heute bietet das Heim neben der großen Tanzfläche auch noch Platz für zirka 300 Personen.

Im Sinne der Brauchtums-Pflege entwickelte sich das Hittenkirchner Trachtenheim zu einem über die Grenzen des Chiemgaus hinaus bekannten Treffpunkt. Dafür sorgte vor allem der damalige Zweite Trachtenvorstand Jakob Irrgang (1938-2006), der als Gauvolkstanzwart des Chiemgau-Alpenverbandes zusammen mit seiner Frau Traudl (1942-2002), der Fahnenmutter der zweiten Fahne, in eifriger Weise tätig war. Er verstand es, Volkstanz und Volksmusik öffentlich zu machen und die Jugend der Trachtenvereine, des Dorfes und Schüler aus der Umgebung dafür zu begeistern. Er hat das Trachtenheim schnell in eine "Volkstanzhochburg" verwandelt, was es bis heute immer noch ist.

Hochburg

für den Volkstanz

Den diesjährigen Volkstanzkurs für Jugendliche, der seit dem Tod von Jakob Irrgang von Elisabeth Kaufmann und Zweitem Vorstand Florian Wörndl durchgeführt wird, besuchten an den vier Übungsabenden im Schnitt mehr als 120 Tanzbegeisterte.

Treue Sänger und Musikanten sind eine weitere positive Seite beim Trachtenverein Hittenkirchen. Viele Gruppen kommen seit Anbeginn immer wieder bei den unterschiedlichsten Tanzabenden oder Musikantenhoagartn zum Einsatz wie die Unterlandler-Musikanten aus Tirol, die seit der Einweihung jedes (!) Jahr zum "bayrisch-tirolerischen Tanzfest" aufspielen.

Auch der Chiemgau-Alpenverband ist gerne mit seinen Veranstaltungen wie dem Gauball oder mit "Frisch aufgspuit und gsunga" in den Räumlichkeiten von Hittenkirchen. Selbst der Bezirk Oberbayern mit seinem Volksmusikarchiv aus Bruckmühl war früher öfters bei Tonaufnahmen und öffentlichen Veranstaltungen hier zu Gast. Im Laufe der Jahre wurden so über 650 Gesangs- und Musikstücke aus den unterschiedlichsten Bereichen der Volksmusik für Informations- und Dokumentationszwecke aufgenommen.

So war das Trachtenheim in den vergangenen 40 Jahren bei insgesamt über 1700 öffentlichen Terminen Herberge und Unterkunft. Die jährliche Besucherzahl schwankte dabei zwischen 3500 und 5000.

Das Wichtigste sind aber die Proben der Kinder-, Jugend- und Aktivengruppen des Trachtenvereins "Almarausch" Hittenkirchen sowie die rund 20 Veranstaltungen des Vereins von den diversen Faschingsfeiern bis zu den Theateraufführungen mit Darstellern aus den eigenen Reihen. "Ohne den Bau des Trachtenheimes hätten wir nicht einen so großen und lebendigen Nachwuchs", so der heutige Vorstand Christoph Kaufmann. Der langjährige Vorstand und heutige Ehrenvorstand Christian Kaufmann und Frieda Wörtz, Zeugwartin des Vereins, kümmern sich heute als gute "Hausgeister" gemeinsam mit vielen weiteren Mitgliedern um die Pflege des Trachtenheims und sehen fast täglich nach dem Rechten.

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