Ehrungen und Weichenstellungen

Die Arbeiten in der Kampenwandstraße sind ein Reizthema und werden Gerichte beschäftigen. Heuer wurde der erste von drei Bauabschnitten erledigt. Berger
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Die Arbeiten in der Kampenwandstraße sind ein Reizthema und werden Gerichte beschäftigen. Heuer wurde der erste von drei Bauabschnitten erledigt. Berger

Prien – 2018 ist Geschichte. Das Jahr hatte für Prien und seine Bürger Höhen und Tiefen.

Die Chiemgau-Zeitung erinnert im zweiten Teil ihres Jahresrückblicks an wichtige Themen und Ereignisse aus dem zweiten Halbjahr – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Weichen gestellt

Mit einem Grundsatzbeschluss stellt der Marktgemeinderat die Weichen für den Bau einer Offenen Ganztagsschule (OGTS) auf dem Gelände der Franziska-Hager-Schulen. Weil nicht klar war, welche Betreuungsformen wie staatlich gefördert werden, hatte die Kommunalpolitik lange gezögert. Eltern und solche, die es werden wollen, werden es mit Freude hören. Schon jetzt werden etwa 80 Mädchen und Buben betreut und der Bedarf steigt, weil in immer mehr Elternhäusern beide arbeiten müssen.

Wann tatsächlich gebaut wird, bleibt aber bis zum Jahresende noch offen. Nach bisherigen Schätzungen wird das Haus für mehrere Gruppen etwa 2,5 Millionen Euro kosten.

Tückisches Wetter

Wie schnell am Chiemsee buchstäblich ein Unwetter heraufziehen kann, merken Wassersportler wieder einmal am 28. Juli, In Windeseile rauscht ein Sturm mit Windstärken bis zu sieben Beaufort heran. Alle verfügbaren Boote der Rettungskräfte rücken aus. Sechs Schwimmer, acht Stand-Up-Paddler, sieben Elektroboote, fünf Kajakfahrer und drei Segelyachten werden eingesammelt. Alle kommen mit dem Schrecken davon.

207 Meter Reizthema

Die Gemeinde vollendet den ersten von drei Bauabschnitten in der Kampenwandstraße, die beiden anderen sollen 2019 und 2020 folgen. Was Verwaltung und Kommunalpolitik als „erstmalige Erschließung“ deklarieren, ruft einen Teil der Anlieger auf die Barrikaden. Bei Ersterschließungen müssen Kommunen 90 Prozent der Kosten auf die Anlieger umlegen, so will es das Gesetz. Und im Rathaus argumentiert man, dass diese Erschließung beim Bau der Kampenwandstraße Jahrzehnte zuvor nicht ordnungsgemäß erfolgt sei und im Zuge der Arbeiten nun nachgeholt werden müsse.

Die Anlieger wollten eigentlich nur, dass der schlechte Zustand der Straße behoben wird. Solcherlei Ausbauten werden nach damaliger Rechtslage zur Hälfte umgelegt, im Zuge der bayerischen Landratswahl wurde die Straßenausbaubeitragssatzung (Strabs) sogar ganz gekippt.

Der Streit schwelt bis heute, die Gebührenbescheide für Bauabschnitt 1 sollen in diesem Tagen versandt werden. Etwa die Hälfte der 180 Grundbesitzer an der Kampenwandstraße lässt sich inzwischen anwaltschaftlich vertreten und will gegen die Bescheide klagen.

Neuer Heimatschatz

Der Priener Hut wird vom bayerischen Heimatministerium zu einem von 100 Heimatschätzen im Freistaat gekürt. Die Ursprünge dieses bis heute begehrten Modells reichen zurück bis ins späte 19. Jahrhundert. 1879 reichte die Hutmacherin und Modistin Anna Brunhuber auf einer Gewerbeausstellung in Berlin einen Strohhut als „Allein echten Priener Bauernhut“ ein.

Monate zuvor war Prien schon einmal werbewirksam für eine Besonderheit ausgezeichnet worden.

Seitdem darf sich die Marktgemeinde wie 99 andere Orte in Bayern auch wegen der Spezialitäten ihrer Chiemseefischer „Genussort“ nennen.

Und eine Modistin macht dann auch noch im Jahr 2018 von sich reden. Und wieder spielt Berlin eine Rolle. In der Bundeshauptstadt wird Magdalena Löhmann dank ihrer hervorragenden Prüfungsergebnisse zur besten deutschen Nachwuchs-Hutmacherin gekürt. Die 20-Jährige arbeitet bei Hut Brunhuber, dem Spezialgeschäft, das immer noch nach der früheren Chefin genannt wird, aber heute von Monika Voggenauer geleitet wird.

Tückischer Brandschutz

Die Brandschutzvorschriften des 21. Jahrhunderts fuchsen viele Bauherren. Auch für Kommunen können sie tückisch sein. Für den Markt Prien gibt es 2018 ein positives und ein negatives Paradebeispiel.

Für ihren König-Ludwig- Saal fürchtet die Gemeinde Kosten im siebenstelligen Bereich, um die Auflagen erfüllen und Priens größten Veranstaltungsraum dauerhaft weiterbetreiben zu dürfen. Bis Bürgermeister Jürgen Seifert in München zufällig einen anderen Fachmann trifft als den, der das erste Gutachten erstellt hatte. Der alternative Experte erstellt ein alternatives Konzept, indem er tatsächliche Gegebenheiten wie Alarmierungszeiten für die Feuerwehr oder die Dauer der Saalräumung mit ins Kalkül zieht und spart Prien so Hunderttausende. Die Umbauten sollen 2019 erfolgen – und vom Ersparten gleich der Eingangsbereich von Grund auf umgebaut und aufgehübscht werden.

Im Kronasthaus am Marktplatz dagegen fuchst der Brandschutz so heftig, dass Seifert in der Bürgerversammlung im November freimütig bekennt, dass er nicht weiß, wie es weitergehen soll. Das denkmalgeschützte Haus mit seinen auffälligen Fassadenmalereien hatte der Markt Prien mit privater Unterstützung erwerben können, um eine Chiemseemalersammlung auszustellen, die er geerbt hat. Die kleine Gastronomie im Erdgeschoss verpachtet die Gemeinde.

Aber aus Umbauten wird erstmal nichts. Die Brandmeldeanlage des Vorbesitzers entpuppt sich als Attrappe, für Brandschützer sind die Fenster als Fluchtwege zu klein, sie zu vergrößern verbietet der Denkmalschutz. Was aus dem Kronasthaus wird, ist bis heute unklar.

Vorbildliche Arbeit

Wenn man nichts hört von den Mitbürgern auf Zeit, ist das ein gutes Zeichen.

Um die Integration der Flüchtlinge aus vielen Ländern, die in Prien gestrandet sind, kümmern sich rührige Helferkreise, ohne darum viel Aufheben zu machen.

Manche sorgen aber doch für Schlagzeilen – im positiven Sinn. Zum Beispiel Belal Mahmoud. Der Syrer, der vor der Flucht aus seinem vom Krieg zerstörten Heimatland in der Hauptstadt Damaskus einen Herren-Friseursalon hatte, hat Matthias Wachter und dessen Kunden so begeistert, dass er einer von den Flüchtlingen ist, die inzwischen eine fes te Anstellung und damit eine dauerhafte Perspektive in ihrer neuen Heimat haben. Auch bekannte Priener lassen sich inzwischen von Mahmoud die Haare schneiden oder den Bart stutzen.

Oder Aman Abraham. Der 26-Jährige aus Eritrea sorgt im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes (Bufdi) für frischen Wind im Jugendzentrum PrienaYou. „Seit Aman da ist, lachen wir mehr“, lobt ihn Leiterin Claudia Sasse.

Oder Babakar Segnane. Der Senegalese, den ein Kreis von etwa 50 Prienern unterstützt, sorgt sogar bundesweit für Schlagzeilen. Denn er gilt als Paradebeispiel für das, was auch viele Politiker immer wieder als originäres Ziel ausrufen: den Menschen in ihren Heimatländern Perspektiven zu eröffnen, damit sie erst gar nicht den gefährlichen und beschwerlichen Weg nach Europa antreten. Mit Hilde aus Prien ist Segnane zurückgekehrt in den Senegal, beginnt mit landwirtschaftlichem Anbau und Hühnerzucht, stellt Mitarbeiter ein, expandiert, eröffnet ein Lokal „Prime am Kinze“, kauft später im Jahr einen großen Saal in seiner Heimatstadt und renoviert ihn.

Von Segnanes Erfolgsgeschichte inspiriert beantragt Prien bei einer Gesellschaft unter dem Dach der Bundesregierung sogar eine staatlich geförderte „Koordinationsstelle für kommunale Entwicklungspolitik“.

Oder Naseer Ahmadi. Seit drei Jahren arbeitet der 36-jährige Afghane in der Bäckerei Müller, kann sich eine kleine Wohnung leisten, spricht gut Deutsch und zahlt seine Steuern. Sein Arbeitgeber ist froh, denn deutsche Bewerber für den schweren Job in der Backstube bekommt er so gut wie gar nicht mehr. Als die Ausländerbehörde Ahmadi die Arbeitserlaubnis entzieht und ihm die Abschiebung droht, rollte eine Welle der Solidarität an offenbar auch hinter den politischen Kulissen. Denn nur eine Woche, nachdem sein Fall öffentlich bekannt wird, darf Ahmadi doch wieder arbeiten und bekommt die Erlaubnis, im Herbst eine Lehre beim Bäcker Müller anzufangen.

Plötzlicher Babyboom

Geburten sind aktenkundig und der Bedarf an Betreuungsplätzen wird regelmäßig abgefragt. Aber das hat die Gemeinde überrascht. Anfang März war ein Mehrbedarf von 40 Kindergartenplätzen im Vergleich zu bisherigen Hochrechnungen errechnet worden. Um ihm kurzfristig gerecht zu werden, stellt der Markt Prien für eine Übergangszeit Container am Haus für Kinder Marquette im Fliederweg auf und schafft so Platz für eine zusätzliche Gruppe mit 24 Kindern. Mittelfristig soll auf dem Grundstück angebaut werden.

Bis die Container genutzt werden dürfen, fuchst auch hier der Brandschutz. Wegen zusätzlicher Auflagen klettern die Kosten für das Provisorium auf fast 100 000 Euro.

Weite Wege

Die Eingriffe sind überschaubar, die Auswirkungen spürt jeder. Der Markt Prien erledigt Restarbeiten an der Seestraßenunterführung, die er beim Bau des Minikreisels Ende 2017 wegen des Wintereinbruchs nicht mehr geschafft hatte. Der Radweg auf der Nordseite der Seestraße wird zurückgebaut, Gehweg und Fahrbahn werden breiter.

Die Seestraßen-Unterführung muss für knapp zwei Wochen gesperrt werden, die Spitzsteinstraße wird zum Nadelöhr, weil dort die einzige innerörtliche Bahnunterführung verbleibt.

Fair-Trade-Gemeinde

Mit diesem Titel darf sich Prien ab sofort schmücken und so darauf hinweisen, dass es zum Beispiel eine Reihe von Geschäften im Ort gibt, in denen eine vergleichsweise breite Auswahl von Produkten aus sogenanntem fairen Handel angeboten werden. Ab sofort muss unter anderem auch in öffentlichen Sitzungen der Gemeinde immer fairer Kaffee oder Tee ausgeschenkt werden.

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