Ehrung für dienstältesten Bürgermeister: Georg Schützinger regierte Grabenstätt 36 Jahre

Die Ehrenbezeichnung „Altbürgermeister“ bekam der langjährige Grabenstätter Rathauschef Georg Schützinger (links) bei einem Festabend in der Schlossökonomie verliehen. Sein Nachfolger Gerhard Wirnshofer überreichte ihm die Urkunde.
+
Die Ehrenbezeichnung „Altbürgermeister“ bekam der langjährige Grabenstätter Rathauschef Georg Schützinger (links) bei einem Festabend in der Schlossökonomie verliehen. Sein Nachfolger Gerhard Wirnshofer überreichte ihm die Urkunde.

Vor rund drei Monaten war das Grabenstätter Bürgermeister-Urgestein Georg Schützinger zum Ehrenbürger ernannt worden. Nun ist ihm bei einer Feierstunde eine weitere Ehrung zuteil geworden. Nach einem einstimmigen Beschluss des neuen Gemeinderats darf er sich ab sofort Altbürgermeister nennen.

Von Markus Müller

Grabenstätt – „Die Ernennung ist für mich eine große Ehre und ich freue mich riesig darüber“, betonte Schützinger, den fast alle nur Schorsch nennen, und bedankte sich bei allen, mit denen er zusammengearbeitet hatte. Nach 36 Jahren auf dem Chefsessel im Grabenstätter Rathaus hatte das dienstälteste Gemeindeoberhaupt der Region 18 (Landkreise Altötting, Berchtesgadener Land, Mühldorf, Rosenheim, Traunstein und kreisfreie Stadt Rosenheim) am 1. Mai die Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger Wirnshofer übergeben.

Neben Schützingers Familie wohnten dem Festabend auch aktive und ehemalige Räte, Bürgermedaillenträger, Gemeindebedienstete und Laudator Gustl Lex bei. Für die Musik sorgten Katharina Wiesholler (Harfe) und Marcus Gromes (Ziach).

Lesen Sie auch Georg Schützinger zum Ehrenbürger ernannt

Bürgermeister Wirnshofer erinnerte an besondere Baumaßnahmen und Fortschritte unter der Führung seines Amtsvorgängers. Exemplarisch nannte er das Gewerbegebiet an der Autobahn, die Kreisverkehre, die Umgehungsstraße, die Schule, das Feuerwehrhaus, die Sportanlagen, die Turnhalle und die Schaffung von Neubaugebieten.

Schützinger habe auch die Vereine immer unterstützt und stets ein offenes Ohr für seine Bürger gehabt.

Gustl Lex blickte in seiner unterhaltsamen Laudatio auf Schützingers bisherige 65 Lebensjahre und dessen 36-jährige Amtszeit zurück. 1961 eingeschult, habe dieser sich schnell als fleißiger und gescheiter Schüler erwiesen, nur „grad Singa, Sport und Englisch, da war er net gar so begabt“.

Eine höhere Schule sei für den erstgeborenen Bauernsohn aus Eckering nicht zur Debatte gestanden, denn er wurde auf dem elterlichen Hof gebraucht. Nach dem neunten Hauptschuljahr begann Schützinger eine landwirtschaftliche Lehre und besuchte samstags ehrgeizig die Berufsaufbauschule, die er mit der Mittleren Reife abschloss. Die Landwirtschaftsschule verließ er als staatlich geprüfter Wirtschafter und machte dann den Landwirtschaftsmeister.

Als junger Mann mit dabei war Schützinger 1973 bei der Wiederbelebung des Trachtenvereins. 1978 rückte er mit nur 23 Jahren an die Vereinsspitze – als jüngster Vorstand im Gauverband. 30 Jahre lenkte er die Geschicke der „Chiemgauer“ Grabenstätt und wurde 2009 zum Ehrenvorsitzenden rnannt.

Lesen Sie auch Eine Schnitzeljagd durch Grabenstätt für Georg Schützinger zum Amts-Ausklang

Auch politisch war Schützinger schon in jungen Jahren sehr aktiv. 1981 übernahm er den JU-Ortsvorsitz. Nach dem Eintritt in die CSU 1979 wurde er drei Jahre später stellvertretender CSU-Ortsvorsitzender, ein Amt das er bis 2019 37 Jahre lang bekleidete.

Mit 28 Stimmen Vorsprung gewann Schützinger 1984 die Bürgermeisterwahl überraschend und denkbar knapp gegen den damaligen Zweiten Bürgermeister Hans Höck und war damals einer der jüngsten Bürgermeister Bayerns.

Ende 2018 gab der Vollblut-Kommunalpolitiker bekannt, dass er 2020 nach sechs Amtszeiten nicht mehr kandidieren werde, um in Zukunft mehr Zeit für seine Familie zu haben.

Als Standesbeamter seit 1984 1206 Paare getraut

Der CSU-Kreisverbandsvorstandschaft gehört Schützinger seit 1984 an. Seit 1990 sitzt er im Kreistag und wurde heuer von Listenplatz 31 mit 36 300 Stimmen auf Platz acht gewählt.

Nicht zuletzt bei der hitzigen Debatte um den Chiemsee-Ringkanal in den 1980er Jahren habe Schützinger davon profitiert, „nicht zu polarisieren, sondern die Menschen in der Gemeinde zusammenzubringen“, hob Lex eine besondere Begabung Schützingers hervor und bewunderte dessen „Ruhe, Beherrschung und äußerliche Gelassenheit“ gerade in stürmischen Zeiten.

Schützinger sei es auch zu verdanken, dass die Gemeinde trotz großer Investitionen seit 2006 schuldenfrei sei. Als Standesbeamter hat er von 1984 bis April dieses Jahres fast unglaubliche 1206 Trauungen vollzogen. Selbst heiratete er erst im Jahr 2000 mit 45 Jahren seine Renate. Auch sozial und kirchlich ist er seit jeher engagiert und seit 42 Jahren Mitglied im Grabenstätter Pfarrgemeinderat.

Kommentare