Tag des Ehrenamtes am 5. Dezember

Retter aus Traunstein, Prien und Rimsting: Sie leisten unbezahlbare Hilfe

Die ehrenamtlichen Helfer der Traunsteiner Rotkreuz-Rettungshundestaffel rücken mit ihren Vierbeinern aus, wenn Menschen in weitläufigen oder schwer zugänglichen Gebieten vermisst werden: (von links) Kathi Esterer, Nicole Gründl-Zeiser, Jens Pischeli, Christian Ruckdäschel und Nina Behrendt.
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Die ehrenamtlichen Helfer der Traunsteiner Rotkreuz-Rettungshundestaffel rücken mit ihren Vierbeinern aus, wenn Menschen in weitläufigen oder schwer zugänglichen Gebieten vermisst werden: (von links) Kathi Esterer, Nicole Gründl-Zeiser, Jens Pischeli, Christian Ruckdäschel und Nina Behrendt.
  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
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Am 4. Dezember ist Tag des Ehrenamts: Eine tragende Säule sind die Freiwilligen vor allem für die Rettungsdienste. Menschen, die sich in Traunstein, Prien und Rimsting für Dienste wie Rotes Kreuz, Wasserwacht und Feuerwehr einsetzen, erzählen von ihrem Engagement.

Traunstein/Prien/Rimsting – Menschen in Not zu helfen – das ist die zentrale Idee, die die vielen Helfer des Roten Kreuzes weltweit vereint. Als größte humanitäre Bewegung der Welt ist das Rote Kreuz in über 190 Ländern weltweit aktiv. Auch im Kreis Traunstein gibt es einen BRK-Kreisverband, bei dem sich rund 1 800 Menschen ehrenamtlich engagieren.

„Das Ehrenamt ist eine tragende Säule für uns. Nur dadurch können wir so viele wirksame Hilfen und Unterstützungsleistungen für die Schwächsten der Gesellschaft realisieren“, betont BRK-Kreisgeschäftsführer Andreas Richter.

Anspruchsvolle Aufgaben und lange Ausbildung

Dabei sind die Einsatzbereiche der BRK-Ehrenamtlichen breit gefächert: Im Rettungsdienst helfen sie Unfallopfern, sichern Veranstaltungen im Sanitätsdienst ab, beugen im Katastrophenschutz Gefahren vor, geben Erste-Hilfe-Kurse, unterstützen Senioren und Menschen mit Behinderung im Alltag, betreuen traumatisierte Einsatzkräfte.

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Enger abgesteckt, aber nicht minder anspruchsvoll sind die Einsatzgebiete der Wasserwacht. In Prien beispielsweise sind dort derzeit rund 75 Aktive im Ehrenamt tätig. Einer von ihnen ist Otto Dauer. Der 53-Jährige ist Technischer Leiter vor Ort. Vor sieben Jahren kam er durch das Ferienprogramm seiner Kinder zur Wasserwacht – und blieb, gemeinsam mit seinem heute 18-jährigen Sohn: „Wasser ist mein Element.“

320 Stunden Dienst

Von technischen Problemen beim Segeln über gekenterte Boote bis hin zum Herzinfarkt reicht das Spektrum der Rettungseinsätze, dabei deckt das Priener Team das Gebiet von der Schafwaschener Bucht bis zum Harras an und ist für die Chiemseeinseln zuständig. An vielen Abenden und Wochenenden hat sich Dauer seine professionellen Kenntnisse angeeignet, „angefangen beim Erste-Hilfe-Kurs über mehrere Rettungsschwimmer-Abzeichen bis hin zur Sanitäterausbildung.“ Neben Beruf und Familie. „Das muss man stemmen können“, weiß er.

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Spagat aus Ehrenamt und Privatleben

Das sei auch ein Knackpunkt für viele Nachwuchs-Wasserwachtler: Wer den Spagat aus Ehrenamt und Privatleben gut hinbekomme, der bleibe auch eher dabei. 320 Einsatzstunden hat Dauer in diesem Jahr geleistet, dabei geht die Saison von April bis Oktober. Geld bekommen er und seine Teamkollegen keines für ihr Engagement, aber: „Die Kameradschaft untereinander gibt einem sehr viel, außerdem bedanken sich viele Geretteten im Nachhinein bei uns, durchaus mit Spenden.“

Kostenfaktor Ausbildung, Ausrüstung und Absicherung

Das ist auch nötig, denn: Ehrenamt kostet Geld, wie Andreas Richter vom BRK anmerkt. Vor allem Ausbildung, Ausrüstung und Absicherung der Engagierten kosteten. Auf Spenden und die Unterstützung von Fördermitgliedern sei man angewiesen. Die Corona-Krise habe die Finanzierung nicht einfacher gemacht: Der zusätzliche Bedarf an Schutzkleidung habe „erhebliche Mehrkosten“ verursacht. Zugleich brachen wichtige Einnahmequellen, wie Sanitätsdienste bei Veranstaltungen weg.

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Bürokratie und Immobilienpreise ein Hindernis

Auch für die Kommunen stellen gewisse Ehrenämter einen Kostenfaktor dar – wenn auch einen unverzichtbaren, wie im Fall der Freiwilligen Feuerwehren.

Seit 32 Jahren ist Thomas Kunsler aus Rimsting bei der dortigen Wehr, ist heute Kommandant. „Ich helfe gerne Anderen, und weil ich ein gläubiger Mensch bin, ist mein Ehrenamt für mich Ausdruck meiner Nächstenliebe“, beschreibt der 49-Jährige seine Motivation.

Ehrenamt ein fester Bestandteil des Lebens

Die Wehr sei fester Bestandteil seines Lebens, nicht zuletzt wegen der Kameradschaft. Schon Kunslers Vater war bei der Wehr, er selbst fing schon als Schulbub an, sich dafür zu interessieren. Heute sei es nicht mehr so leicht, junge Leute für den aktiven Dienst zu gewinnen, erzählt Kunsler. Das liege nicht an mangelnder Bereitschaft: „Die hohen Immobilienpreise und knapper Wohnraum machen es immer schwerer, den Freiwilligen-Nachwuchs im Ort zu halten.“ Ein Problem, das sich in den kommenden Jahren verstärken werde. Ein weiteres Problem, Tendenz steigend, stelle die überbordende Bürokratie dar, mit der Ehrenamtliche wie Kunsler sich konfrontiert sehen: „Es ist ein ordentlicher Spagat, den wir da hinlegen“, sagt er. Aber: Kein Grund, ihn von seinem Ehrenamt abzuhalten.

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