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Ehe-Hölle in Trostberg vor Gericht: „Sie behandelten Ihre Frau wie einen Gegenstand“

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Von: Xaver Eichstädter

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Wegen einer ganzen Liste übelster Gewalt, Bedrohungen und Psycho-Terror stand jetzt ein Trostberger vor Gericht - „und als ich schwanger war, wurde es noch schlimmer“, so seine 24-jährige Ex-Frau. Was passierte und wie das Urteil ausfiel:

Traunstein/Trostberg - Ab zwei Jahren Haft ist eine Bewährungsstrafe in Deutschland nicht mehr möglich - dementsprechend Glück hatte ein Trostberger am Dienstag (29. November) vor dem Traunsteiner Amtsgericht: Seine Haftstrafe in Höhe von einem Jahr und zehn Monaten wurde noch zur Bewährung ausgesetzt. Aber Richter Wolfgang Ott fand zum Schluss laute und deutliche Worte in Richtung des 27-Jährigen: „Sie zeigen ein Frauenbild, das betroffen macht und behandelten Ihre Frau wie einen Gegenstand.”

Gewalt in der Ehe vor Gericht: „Mit der Schwangerschaft wurde es schlimmer“

Richter Ott gab der 24 Jahre alten Ex-Frau des Angeklagten viel Platz für ihre Aussage. „Im Januar 2019 sind wir zusammengekommen, am Anfang war alles in Ordnung. Eine ganz normale Beziehung.“ Doch schon Ende des Jahres sei es gekippt. „Da hat er mich das erste Mal geschlagen“, so die junge Frau. Immer wieder kämpfte sie vor Gericht mit den Tränen, schnappte nach Luft. „Er trank bis zum Erbrechen, es gab Streit. Dann bekam ich einen Kopfstoß ins Gesicht, alles war voller Blut“, so die Frau. Was in den nächsten zwei Jahren folgte, bezeichnete der Richter als „Unzahl von Einzelheiten.“ Insgesamt waren zwölf konkrete Übergriffe aufgelistet.

Immer wieder Streit, Beleidigungen über ihr Gewicht, „Hure“ oder „Fotze“ als „ganz normale“ Schmähungen. Mal beschleunigte der Angeklagte sein Auto und bremste stark ab, damit die 24-Jährige - noch ohne Gurt - mit dem Kopf gegen die Windschutzscheibe knallte. Faustschläge ins Gesicht mit aufgeplatzter Lippe als Folge, Würgen, Spucken. „Seit dem ersten Mal Würgen hat es nicht mehr aufgehört. Dann war es bei jedem Streit so.“ Schließlich wurde die Geschädigte vom Angeklagten schwanger - und es sollte noch schlimmer kommen.

„Zwischenzeitlich war er immer so versöhnlich...“

„Mit der Schwangerschaft wurden die Abstände zwischen der Gewalt kürzer und es wurde schlimmer. Und er drängte auf eine Abtreibung“, so die junge Frau vor Gericht. Zur Polizei traute sie sich nicht. „Er hat mir gedroht, Bekannte von ihm würden mich umbringen, so dass es nach Suizid ausschaut“, berichtet sie. Auch ihren Eltern könne der Trostberger dann etwas antun. Doch die heute 24-Jährige ließ sich wohl auch einlullen: „Zwischenzeitlich war er immer so versöhnlich. Es sei das letzte Mal gewesen, er wolle in Therapie gehen.”

Frühjahr 2021: Zwischen Tinning und Trostberg beschleunigte der Angeklagte sein Auto auf 170 km/h und schnallte seine Ex-Frau ab: „Der nächste Baum gehört Dir“, habe er gesagt. Als sie das Fenster öffnete und um Hilfe schrie, habe der Angeklagte dann einfach die Musik aufgedreht. Im Juli 2021 habe sie sich mitsamt dem Neugeborenen dann ins Bad geflüchtet. „Der Angeklagte riss die versperrte Tür aus dem Rahmen und zog die Geschädigte, die noch immer das Kind auf dem Arm hielt, an den Haaren aus der Toilette“, so Staatsanwältin Regine Grandl.

Bewährungsstrafe, Schmerzensgeld und Anti-Aggressions-Kurs

Der Trostberger war von Beginn an voll geständig. An eine Entschuldigung dachte er aber nicht. 14 Monate Bewährungsstrafe forderte Verteidiger Harald Baumgärtl, die Staatsanwaltschaft wollte den 27-Jährigen für zwei Jahre im Gefängnis sehen. Verurteilt wurde er schließlich wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung, Nötigung und Bedrohung. 4000 Euro Schmerzensgeld hat er an seine Ex-Frau zu zahlen, dazu muss der Mann einen Anti-Aggressions-Kurs bestehen. Für Richter Wolfgang Ott waren die Aussagen der Geschädigten „uneingeschränkt glaubwürdig“ - und er gab ihr mit auf den Weg: „Sie sind nicht minderwertig!

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