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Bewerbung von Herrenchiemsee

Königsschloss als Weltkulturerbe: Blüht dem Chiemgau ein nie dagewesener Touristenansturm? 

Schon jetzt sind es nur Randzeiten, an denen der Park vor dem Schloss so menschenleer ist wie auf dieser Aufnahme.
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Schon jetzt sind es nur Randzeiten, an denen der Park vor dem Schloss so menschenleer ist wie auf dieser Aufnahme.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Schon jetzt zieht Schloss Herrenchiemsee viele Ausflügler und Touristen an, nun soll es auch noch Weltkulturerbe werden: Nur ob das so gut ist, daran scheiden sich die Geister. Die Gründe.

Herrenchiemsee – Es ist ein Titel, der großes verheißt: auf Augenhöhe mit den Pyramiden von Gizeh, dem mystischen Machu Picchu in Peru oder der chinesischen Mauer. Nun soll auch das Schloss Herrenchiemsee gemeinsam mit Neuschwanstein und Linderhof den Titel „Weltkulturerbe“ holen. Eine Auszeichnung, die neben vielen Vorteilen auch mit Risiken behaftet ist.

Seit 2007 ist der Titel im Gespräch, zum 1. Februar 2024 soll es ernst werden, wie eine Sprecherin des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst mitteilt. Dann soll der Antrag unter dem Titel „Gebaute Träume – Die Schlösser Neuschwanstein, Linderhof mit Schachen und Herrenchiemsee des Bayerischen Königs Ludwigs II.“ an die Unesco gehen. Inhaltlich und konzeptionell werde dieser von der Bayerischen Schlösserverwaltung erarbeitet.

Verpflichtung statt Geldsegen

„Im weiteren Verlauf wird der Internationale Rat für Denkmalpflege als Beraterorganisation der Unesco eine Evaluierung der nominierten Stätte vornehmen und das Welterbekomitee der Unesco in seiner grundsätzlich jährlichen Sitzung über die Aufnahme entscheiden“, so die Sprecherin.

Wer sich jetzt fragt, ob damit nun endlich Ludwigs unfertiges Treppenhaus im Neuen Schloss verputzt werden kann, der irrt. Denn der Titel als Weltkulturerbe hat eher symbolische Bedeutung. In erster Linie ist das zugrunde liegende „Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt“ eine Selbstverpflichtung der Unterzeichner-Staaten, die im Land bestehenden gesetzlichen Regelungen und Verfahren einzuhalten, anzuwenden und bei Bedarf zu ergänzen oder zu novellieren. Im Klartext: Zusätzliches Geld von der Unesco für Restaurierungen oder Ausstellungen gibt es keines. Nach wie vor ist der Freistaat Bayern derjenige, der für die nötigen Mittel sorgen muss.

30 Prozent mehr Übernachtungen

Dafür hofft man auf einen Werbeeffekt. „Von anderen Orten wissen wir, dass die Aufnahme ins Weltkulturerbe zu einer Steigerung der Übernachtungszahlen von bis zu 30 Prozent führte“, sagt Christina Pfaffinger, Leiterin des Chiemsee-Alpenland Tourismus. Sie sieht vor allem Vorteile darin, dass mit diesem Titel besonders kulturaffine Gäste angesprochen werden, die unabhängig von Ferienzeiten reisen. So gesehen könne die Region auch in der Nebensaison profitieren. „Aus touristischer Sicht wäre die Aufnahme des Schlosses Herrenchiemsee ins Weltkulturerbe daher ein Gewinn für die gesamte Region“, findet Pfaffinger.

Leben von und mit Tourismus

Armin Krämmer (Freie Wählergemeinschaft), Erster Bürgermeister der Gemeinde Chiemsee, hat gemischte Gefühle angesichts des Titels. „Tourismus ist für uns sehr wichtig, und viele Menschen leben davon“, sagt Krämmer. Auf der anderen Seite stecken ihm und vielen Insulanern noch die ersten beiden Corona-Sommer in den Knochen.

Damals seien einfach extrem viele Touristen gekommen. „Es droht, zu viel zu werden“, sagt Krämmer im Hinblick auf den Status als Weltkulturerbe. Denn auch wenn nur das Königsschloss ausgezeichnet werde: „Die Leute kommen ja dann trotzdem auch noch auf die Fraueninsel.“ Und dort gebe es eben nicht die gleiche Weitläufigkeit wie auf der Herreninsel.

Schon jetzt kämpfe seine kleine Gemeinde mit dem Ansturm, aktuell seien öffentliche Toiletten dringend nötig. Wildbiesler sorgten regelmäßig für Ärger. Nur: Eine Gemeinde mit noch nicht einmal 200 Einwohnern verfüge eben nicht über große finanzielle Mittel. Da drücken die Toiletten merklich auf den Haushalt.

Gemischte Gefühle in Bamberg

Seit 1993 zählt die Bamberger Altstadt zum Unesco Weltkulturerbe als eine von zehn Weltkulturerbestätten in Bayern. „Der Weltkulturerbestatus ist nicht nur ein Ehrentitel für unsere viel besuchte Stadt, sondern auch eine Verpflichtung, dieser Auszeichnung in vielen Bereichen der Stadtgestaltung und Denkmalpflege gerecht zu werden“, lobt die Kunsthistorikerin und Grünen-Stadträtin Vera Mamerow einerseits.

Doch auch wenn die Oberfranken einerseits sehr stolz auf den Titel sind und sich die Übernachtungszahlen verdreifacht habe, bringt er auch hier Probleme mit sich. Vielen Bambergern ist der Ansturm an Tagestouristen ein Dorn in Auge. Regelmäßig verstopfen Touristen die engen Gassen der Altstadt. Klein-Venedig, wie Bamberg oft genannt wird, scheint hier vor ähnlichen Problemen wie die echte Lagunenstadt zu stehen. Denn auch in Bamberg stürmen regelmäßig Kreuzfahrttouristen und Busausflügler die Stadt. Mamerow sieht Handlungsbedarf: „Wir dürfen uns auf keinen Fall auf dem Titel ausruhen!“ Denn die Zukunft halte viele Herausforderungen in den Bereichen Klimaschutz und Tourismusmanagement bereits, so die Stadträtin. Wie man den Verkehr in Bamberg entzerren und verringern kann, ist ein Dauerthema im Bamberger Stadtrat.

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