Zum Drogenschmuggel in die JVA Bernau angestiftet

Tabletten des Drogenersatzstoffes „Subutex“. Sie gelten als begehrt vor allem im Strafvollzug und waren zuletzt in der JVA Bernau Anlass für ein Delikt unter Insassen. dpa
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Tabletten des Drogenersatzstoffes „Subutex“. Sie gelten als begehrt vor allem im Strafvollzug und waren zuletzt in der JVA Bernau Anlass für ein Delikt unter Insassen. dpa

Ein mehrfach vorbestrafter Insasse der JVA Bernau hat einem Freigänger massiv mit Schlägen bedroht, sollte er sich weigern, ihm einen begehrten Drogenersatzstoff einzuschmuggeln. Die dünne Beweislage allerdings machte es Richter und Strafverteidigerin nicht gerade leicht, sich auf ein Strafmaß für den Angeklagten zu einigen.

Von Theo Auer

Bernau – Der polnische Koch hatte bereits 17 Vorstrafen im Gepäck, als er 2018 in der JVA Bernau wegen sechsfacher Körperverletzung einsaß. Ganz so unwahrscheinlich war es also nicht, dass er den 36-jährigen Dreher aus Waldkraiburg mit massiver Drohung und Fausthieben dazu bringen wollte, einige der begehrten „Subutex“-Tabletten bei seinem nächsten Freigang einzuschmuggeln. Subutex, auch bekannt unter dem Namen Buprenorphin, wird häufig im Drogenentzug eingesetzt, vor allem beim Missbrauch von Opiaten.

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Als Beweis für die Drohungen gab es allerdings nur die Beschuldigung und die äußerlich minimalen Verletzungen des Tatopfers, das selbst wegen Rauschgift- und Körperverletzungsdelikten einsaß.

So erbat sich die Strafverteidigerin, Rechtsanwältin Julia Weinmann, ein Rechtsgespräch, um auszuloten, unter welchen Bedingungen für ihren Mandanten ein akzeptables Strafmaß zu erreichen sei. Als Ergebnis gab der Angeklagte ein Geständnis ab, das wegen der äußerst dünnen Beweislage mit milder Strafe geahndet werden sollte.

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Acht Monate Haft auf Bewährung

So beantragte der Staatsanwalt zehn Monate Haft, die auch er zur Bewährung ausgesetzt sehen wollte. Die Verteidigerin sah nicht nur die Beweislage dünn, sondern stufte die Verletzungen als Bagatelle ein, so dass sie sieben Monate mit Bewährung als hinreichend betrachtete. Das Gericht unter dem Vorsitz von Richter Wolfgang Fiedler hielt acht Monate Haft für Tat und Schuld angemessen, die es schließlich zur Bewährung aussetzte.

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