Häftling aus Bernau will Opioide vom Krankenhaus ins Gefängnis schmuggeln und fliegt auf

In der Justizvollzugsanstalt in Bernau kommen Drogendelikte immer wieder vor.
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In der Justizvollzugsanstalt in Bernau kommen Drogendelikte immer wieder vor.
  • vonTheo Auer
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Ein 27-jähriger Häftling der JVA Bernau wollte nach einem Außentermin Drogen in die Anstalt schmuggeln. Der Mann flog auf und stand nun vor Gericht.

Bernau/Prien– Ein Insasse der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bernau sollte in der Romed-Klinik Prien darauf trainiert werden, den Drogen zu entsagen. Statt dessen versuchte er von dort Drogen in die JVA zu schmuggeln. Deshalb bleibt er vorerst hinter Gittern.

Die Romed-Klinik bietet drogenabhängigen Häftlingen der JVA Bernau eine sogenannte Orientierungsgruppe an, mit deren Hilfe ein Weg aus der Drogenabhängigkeit aufgezeigt werden soll.

Seit 13. Lebensjahr drogenabhängig

Der 27-Jährige, der sich jetzt wegen Drogenschmuggels vor dem Amtsgericht in Rosenheim verantworten musste, ist seit seinem 13. Lebensjahr drogenabhängig. Erstaunlicherweise ist er bislang noch niemals wegen Drogenvergehen aktenkundig geworden. Wohl aber viele Male wegen Diebstahl, Unterschlagung und Betrug – wobei es sich wohl um Beschaffungskriminalität gehandelt haben dürfte.

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Am 5. September 2019 deponierte die Freundin eines anderen Insassen in der Priener Klinik, wo der Angeklagte an einer Sitzung der Orientierungsgruppe teilnehmen sollte, 70 Opioid-Tabletten und etliche Fentanylpflaster unter einer Treppe, wo sie der 27-Jährige an sich nahm und anal zu verbergen versuchte.

Ermittler endecken Chatverkehr

Allerdings hatten die Ermittlungsbehörden den Chatverkehr des Auftraggebers in der JVA entdeckt und mitverfolgt, sodass der Kurier bekannt war und überwacht wurde. Der Angeklagte wurde kontrolliert und die Drogen bei ihm sichergestellt.

Zwar handelte es sich in diesem Fall wohl „nur“ um eine Beihilfe-Handlung, allerdings forderte der Staatsanwalt in seinem Schlussvortrag im Gerichtssaal eine Haftstrafe von drei Jahren, was die Möglichkeit einer Aussetzung zur Bewährung unmöglich macht.

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Der Verteidiger, Rechtsanwalt JD Dr. Andreas Michel, erklärte, dass es rechtlich nicht möglich sei, einen Täter wegen Gewerbsmäßigkeit und Handeltreibens zu bestrafen weil eines das Andere bedinge.

Dazu sei klar, dass es sich lediglich um eine Beihilfe handle und ein erheblicher Teil der Drogen dem Eigenkonsum zuzurechnen sei. Deshalb korrigiere sich die strafbare Menge. Eine Strafe von 18 Monaten sei hier wohl angemessen, bei einer bereits verbüßten Untersuchungshaft von sechs Monaten könne die Strafe dann durchaus zur Bewährung ausgesetzt werden, meinte der Verteidiger.

So urteilte der Richter

Dem konnte das Gericht nur in Teilen folgen. Der Vorsitzende Richter Christian Merkel akzeptierte die Reduzierung der Handelsmengen. Auch folgte er dem Verteidiger, was die Gewerbsmäßigkeit anging. Jedoch könne eine Straftat innerhalb der JVA niemals mit einer Bewährungsstrafe geahndet werden. Dazu ließe auch die Vorstrafen-Situation keine große Milde zu.

Zwei Jahre und vier Monate Haft, so lautete am Ende das Urteil.

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