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Drogendealer-Bande aus dem Landkreis Altötting vor Gericht

„Ich habe ihn wie meinen eigenen Bruder gesehen“ – Burgkirchner äußert sich erstmals

Justitia
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Eine Statue der Justitia steht mit Waage und Schwert in der Hand.
  • Daniela Haindl
    VonDaniela Haindl
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Traunstein/Landkreis Altötting – Am Donnerstag (21. Juli) wurde der Prozess gegen die vier mutmaßlichen Drogendealer aus Engelsberg, Kastl, Burgkirchen und Garching fortgesetzt. Es sollte ein wichtiger Zeuge aussagen. Erneut kam es zu keiner Entscheidung und deshalb geht es am 5. August mit dem siebten Verhandlungstag weiter.

Update, 13.30 Uhr - „Ich habe ihn wie meinen eigenen Bruder gesehen“ – Burgkirchner äußert sich erstmals

Im weiteren Verlauf des sechsten Verhandlungstages verliest Udo Krause, der Verteidiger des 24-jährigen Burgkirchners dessen Stellungnahme. „Ich möchte festhalten, dass ich zu keinem Zeitpunkt selbst Rauschgift konsumiert, ein- oder verkauft habe“, beginnt diese. Allein wegen seiner freundschaftlichen Verbindung zu dem angeklagten Engelsberger sei der 24-Jährige in die Sache „hineingezogen worden.“ Laut der Einlassung habe der Burgkirchner das verschlüsselte Kryptohandy nie selbst und wenn, nur auf Wunsch des Engelsbergers genutzt, auch von dem Grund der Fahrten nach Bremen habe er nichts gewusst.

Weiters verliest Krause, dass sein Mandant von den Folgen seines Handelns sehr beeindruckt sei und seine Fehler sehr bereue. Auch um seinen Arbeitsplatz und seine Beziehung mache er sich große Sorgen. Davor, dass er in Haft einem möglichen Suchtdruck nicht standhalten könne, mache er sich Sorgen. 

„Er hat mir nie etwas verschwiegen“

Laut Stellungnahme wisse der Burgkirchner nichts in Bezug auf Absprachen und Gespräche des Engelsbergers mit dem angeklagten Garchinger. Er könne nur vermuten, dass diese stattgefunden haben. Dazu möchte Dr. Ahmed Adam, der Verteidiger des Garchingers genauer wissen, weshalb er den Burgkirchner fragt, ob er sich dazu äußern möchte. Der 24-Jährige bejaht und sagt: „Man kann das eigentlich nicht als Freundschaft bezeichnen. Ich habe ihn (den angeklagten Engelsberger*) wie meinen eigenen Bruder gesehen. Er hat mir nie etwas verschwiegen. Was den Garchinger angeht, hat er mir gegenüber aber nie etwas geäußert. Als ich das (die Anklageschrift*) zum ersten Mal gelesen habe, dachte ich mir: Nicht schlecht!

* Anmerkung der Redaktion

Die Aussagen lasten sichtlich schwer auf dem Engelsberger Angeklagten. Auch über ihn liegt eine Stellungnahme seines Arbeitgebers vor, die durchaus löblich ausfällt. Ihm wird Gewissenhaftigkeit und Zuverlässigkeit zugeschrieben. Er sei beliebt und habe organisatorisches Talent.

Plädoyers starten am 5. August

Richterin Aßbichler schließt den heutigen Verhandlungstag mit den Worten: „Wir meinen, dass es sehr schwierig wird. Vor allem die Feststellung, ob es sich um eine Bande handelt.“ Für die Plädoyers der Verteidiger der einzelnen Angeklagten räumt die Richterin jeweils einen ganzen Tag ein. Am 5. August – und dem siebten Verhandlungstag – ist das Plädoyer des Staatsanwalts und des Verteidigers Harald Baron von Koskull vorgesehen. Er wird dann für seinen Mandanten, den 26-jährigen Engelsberger sprechen.

Update, 11.20 Uhr - Großdealer soll Versand von 12 Kilo Hasch gestanden haben

Richterin Jacqueline Aßbichler lässt den Verteidiger-Teams der vier Angeklagten eine CD übergeben. Darauf befinden sich umfangreichen Verfahrensprotokollen aus dem Prozess gegen den Großdealer Ali S. aus Bremen. Staatsanwalt Filipov fasst aus den Protokollen zusammen, dass der Großdealer im Prozess den Versand eines Kühlschrankes mit zwölf Kilogramm Haschisch nach Süddeutschland geständig eingeräumt habe. Richterin Aßbichler kommentiert, dass das Urteil des Großdealers allerdings nicht rechtskräftig sei und schließt: „Dann kommen wir da nicht weiter.“

Sucht habe viel im Leben des Garchingers zerstört

Nach einer kurzen Pause verliest die Richterin eine Stellungnahme der Justizvollzugsanstalt Bernau, in der der angeklagte Garchinger seit März 2020 eine Haftstrafe für ein früheres Vergehen sowie die anschließende Untersuchungshaft absitzt. Der Angeklagte sei dort einmal positiv auf Cannabinoide getestet worden und habe dort an diversen Abstinenzprogrammen teilgenommen.

Aus der Stellungnahme der Suchtberatungsstelle des Garchingers verliest die Richterin, dass dieser bereits zwei Mal seinen Führerschein deswegen verloren habe. Nachdem der Garchinger seit 2018 in Bezug auf Betäubungsmittel abstinent gewesen sei, habe er vermehrt zu Alkohol gegriffen. Der 39-Jährige würde gerne mit Hilfe einer Therapie die Hintergründe seiner Suchtproblematik erforschen und in den Griff bekommen, da die Sucht viel in seinem Leben zerstört habe.

Der geladene Gutachter sagt aus, dass der Angeklagte ein Gespräch mit ihm verweigert habe, aus den Stellungnahmen aber hervorginge, dass eine Polytoxikomnanie vorliege, die durchaus behandlungsbedürftig wäre.

Update, 10.25 Uhr - Langjährige Suchtproblematik bei Garchinger? Weiterer Zeuge sagt aus

Mit leichter Verspätung startet der Prozess um die vier Angeklagten aus dem Landkreis Altötting in den sechsten Verhandlungstag. Die Richterin Jacqueline Aßbichler verliest aus der Anklageschrift eines gesondert Verurteilten, der heute als Zeuge im Prozess aussagen soll.

Er wurde im Oktober 2020 vom Landgericht Landshut schuldig gesprochen, Handel mit Betäubungsmitteln im Landkreis Altötting und Rottal/Inn betrieben zu haben. Es ging dabei um mindestens zehn Verkaufshandlungen mit mindestens drei Gramm Marihuana und Übergaben von Methamphetamin, Amphetamin, Kokain und Haschisch. Die Richterin belehrt den Zeugen, dass er die Aussage verweigern kann, wenn er sich selbst mit den Aussagen belasten würde. 

Daraufhin bittet der Verteidiger des angeklagten Garchingers, Dr. Adam Ahmed, die Richterin darum, den Zeugen zu belehren, dass er in Bezug auf das Suchtverhalten seines Mandanten aussagen darf und dies ausdrücklich erwünscht sei. Er solle dabei nicht untertreiben oder verharmlosen. Der Zeuge stimmt zu und gibt in der darauffolgenden Befragung an, den 39-jährigen Garchinger seit seinem 18. Lebensjahr zu kennen.

Innerhalb der letzten zwanzig Jahre habe dieser mit ihm Marihuana, Kokain, Speed und Alkohol konsumiert – regelmäßig und in teils größeren Mengen. „Ab und zu und öfters“ habe der Angeklagte bestimmte Tabletten genommen und auch versucht, eine Therapie zu machen, welche nicht funktioniert habe. Im Anschluß wird der Zeuge entlassen.

Erstmeldung, 6.20 Uhr

Nachdem am fünften Verhandlungstag keine Zeugen im Prozess ausgesagt hatten, wird Richterin Jacqueline Aßbichler heute eine weitere Person befragen. Bisher waren wichtige Informationen vor allem den Aussagen von Polizeibeamten zu entnehmen. Der geladene Großdealer aus Bremen und drei weitere Zeugen aus der Hansestadt hatten ihre Aussage verweigert. Nur zwei Unterhändler der vermeintlichen „Bande“ haben bisher Angaben zu den Vorwürfen gemacht. Der Engelsberger Angeklagte hatte sich gleich zu Beginn des Prozesses zur Sache geäußert.

Drogen im Wert von mindestens 200.000 Euro

Die vier Angeklagten aus Engelsberg (26), Kastl (26), Burgkirchen (24) und Garching (39) sollen zusammen Drogen im Wert von mindestens 200.000 Euro im Landkreis Altötting umgesetzt haben. In monatlichen Lieferungen aus Bremen sollen sie Pakete mit jeweils 12 Kilogramm Marihuana und 150 Gramm Kokain erhalten und dieses weiterverkauft haben. Im November 2019 habe der Garchinger eine Fahrt nach Bremen organisiert, bei dem er dem 26-jährigen Engelsberger den Bremer Großdealer vorgestellt haben soll. Dort sei ihm auch ein verschlüsseltes Mobiltelefon überreicht worden.

Handelte es sich wirklich um eine Bande?

Mit dem Kryptohandy sollen laut Polizeibeamten die Bestellungen bei der Bremer Tätergruppe getätigt worden sein. In einem aufwändigen Ermittlungsverfahren wurden deutschlandweit die verschlüsselten Nachrichten der Encro-Chat-Smartphones ausgewertet und anhand der erhaltenen Daten ein weiträumiges Netz an Kriminellen überführt. Der Bremer Großdealer wurde bereits zu neuen Jahren Haft verurteilt. Welches Urteil die vier Angeklagten aus dem Landkreis Altötting erwartet, bleibt abzuwarten: Ausschlaggebend wird sein, ob das Gericht „bandenmäßiges Handeln mit Betäubungsmitteln“ feststellen kann.

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