Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Prozess um Dealer-Bande im Landkreis Altötting

Großdealer aus Bremen wird in den Zeugenstand gerufen

Vor dem Landgericht Traunstein wird derzeit wegen Drogenhandels im größeren Stil verhandelt.
+
Im Landkreis Altötting sollen vier Männer im größeren Stil Drogen verkauft haben.
  • Daniela Haindl
    VonDaniela Haindl
    schließen

Traunstein, Landkreis Altötting – Der Prozess um vier Drogendealer aus dem Landkreis Altötting nimmt Fahrt auf. Sogar der „Bunkermann“, der Großdealer aus Bremen, soll als Zeuge aussagen. Er sei in eine Schießerei verwickelt gewesen und habe mit Kryptohandys ein weites Netz an kriminellen Verbindungen gepflegt.

Update, 14.41 Uhr - Großdealer aus Bremen wird in den Zeugenstand gerufen

Auch der ehemalige Großdealer aus Bremen wird heute in den Zeugenstand gerufen. Der Inhaftierte wurde bereits in Bremen verurteilt, jedoch ist dieses noch nicht rechtskräftig. Er verweigert die Zeugenaussage. Ein weiterer Mann aus Bremen, der in Zusammenhang mit der Bremer Tätergruppierung verurteilt wurde, wird in den Zeugenstand gerufen. Auch sein Urteil ist noch nicht rechtskräftig und er verweigert die Aussage. Dann ruft die Richterin, Jacqueline Aßbichler einen Zeugen aus Bremen in den Zeugenstand, dessen Urteil inzwischen rechtskräftig ist. Auch er will keine Aussagen zu den Geschäften mit den Betäubungsmitteln machen. Dann wird die 37-jährige Verlobte des Garchingers in den Zeugenstand gerufen. Doch sie verneint, Aussagen machen zu wollen. Ebenso einer der beiden Altöttinger Empfänger der ersten Drogenpakte.

Verteidiger des Kastlers gibt Erklärung ab

Der Verteidiger des Kastler Angeklagten, Dr. Kai Wagler, verliest im weiteren Verlauf eine Stellungnahme seines Mandanten. Der Kastler räumt ein, zwei mal zwei Kilogramm Marihuana von dem Engelsberger erworben zu haben. Er habe dazu Pakete ungeöffnet in die von ihm angemietete Werkstatt in Burgkirchen gebracht. Die Pakete seien in Anwesenheit des Engelsbergers geöffnet worden. Das Geld dafür, einmal 13.000 und einmal 13.600 Euro habe er dem Burgkirchner gegeben. Den Garchinger Angeklagten kenne er nicht.

Richterin Aßbichler erklärt, dass es von wesentlicher Bedeutung für das Gericht sei, ob es sich um eine Bande handele oder nicht. Daraufhin unterbricht sie die Verhandlung und weist die restlichen Verteidiger auf die Möglichkeit hin, auch eine Erklärung für ihre Mandanten abzugeben. Die Verhandlung wird am Donnerstag (7. Juni) fortgesetzt.

Update, 12.45 Uhr - Engelsberger wollte aus Drogendeals aussteigen und Karriere machen

Nach einer erneuten Pause setzt Richterin Jacqueline Aßbichler die Zeugenvernehmung des Polizeibeamten aus München fort. Neben der Befragung zu diversen Drogenlieferungen sagt der aus, dass der Garchinger Angeklagte den Engelsberger mit einem Burghauser Unterhändler bekannt gemacht habe. Der Encro-Chat Auswertung könne außerdem entnommen werden, dass die Drogenbestellungen und Lieferungen im vierwöchigen Abstand erfolgten. Aus den Encro-Chats zieht der Zeuge den Schluss, dass üblicherweise Marihuana und Kokain bestellt wurde. 

Kastler und Burgkirchner „wollten zu zweit weitermachen“

Der Zeuge bestätigt, dass der Engelsberger Angeklagte aus der Sache aussteigen wollte, weil es ihm zu heiß geworden sei. So schreibt der Angeklagte im Juni 2020 in einem Chat an den Burgkirchner Angeklagten, dass er Karriere in seinem Job und „nicht mehr mit dem Bullshit weitermachen wolle.“ Einige Zeit vorher habe die Übergabe des Encro-Chat-Handys an den 24-jährigen Burgkirchner Angeklagten stattgefunden. In mehreren Sprachnachrichten hätten dann der Kastler und der Burgkirchner geplant, zusammen die Geschäfte weiterzuführen. Der Kastler habe den Engelsberger gebeten, ihnen den Kontakt zum Bremer Großdealer herstellen.

Staatsanwalt Filipov befragt den Polizeibeamten weiter, ob aus den Chats hervorgehe, dass der Angeklagte aus Kastl und der Garchinger Angeklagten sich kannten. Der Zeuge verneint dies. Die Anwälte des Burgkircheners möchten weiter wissen, ob aus den Chats hervorgehe, dass ihr Mandant das verschlüsselte Handy wirklich benutzte, und ob ein genaues Übergabedatum bekannt sei. 

Update, 11.15 Uhr - Kastler Angeklagte laut Chats aktiv an Geschäften beteiligt

Richterin Aßbichler nimmt nach einer kurzen Pause die Vernehmung des Polizeibeamten aus München wieder auf. Sie möchte von dem Zeugen nähere Details zu den Rollen der vermeintlichen Bandenmitglieder und deren Aufgaben erfahren. Aus einer umfangreichen Dokumentenmappe verliest der Beamte Notizen und Chat-Ausschnitte und belegt damit die Kommunikation der vier Männer. Der Kastler Angeklagte soll laut den Chats ab Februar 2020 die Empfangsadressen für die Drogenlieferungen organisiert und selbst Drogen verkauft haben. Aus den vorgelesenen Chats geht laut Richterin Aßbichler hervor, dass der angeklagte Kastler „relativ aktiv“ war.

In den Encro-Chats nennt der Bremer Großdealer noch im März / April 2020 den Garchinger Angeklagten als Hauptbeteiligten bei den Drogengeschäften. Er sei sowohl an den Gewinnen als auch Verlusten hälftig beteiligt gewesen. Von dem Garchinger Angeklagten selbst verliest der Polizeibeamte keine Chats. Obwohl dieser zu dem Zeitpunkt noch nicht inhaftiert war, scheint der 39-Jährige zu dem Zeitpunkt kaum mehr involviert in die „Alltagsgeschäfte“ der vermeintlichen Bande gewesen zu sein. 

Update, 10.24 Uhr - Garchinger soll „Kopf der Bande“ gewesen sein

Richterin Jacqueline Aßbichler setzt die Verhandlung fort und ruft den ersten Zeugen in den Gerichtssaal. Der Polizeibeamte aus München sagt als Fachmann zu den Auswertungen unverschlüsselter Chats der vier Angeklagten aus. Im Dezember 2019 sollen ihm zufolge in Traunstein zwei Paketsendungen abgefangen worden sein, in denen sich Marihuana und Kokain in größeren Mengen befunden haben. Auf einem der Pakete habe man den Fingerabdruck eines Zugehörigen der Bremer Tätergruppierung gefunden, worüber der Kontakt mit den Bremer Beamten hergestellt wurde. Diese sollen Informationen über zwei verdächtige Paketsendungen weitergegeben haben, welche im November / Dezember in Altötting entgegengenommen worden seien.

Laut dem Polizeibeamten soll zu diesem Zeitpunkt der 39-jährige Garchinger „Kopf der Bande“ gewesen sein. Aus den Chats gehe hervor, dass dieser alles organisiert habe, was auch von Bremer Beamten bestätigt worden sein soll. Auch später sei der Name des Garchingers immer wieder genannt worden, wenn es um Insiderwissen zu den Deals ging. Auch der Besuch in Bremen sei von ihm organisiert worden sein, während er den Engelsberger beauftragt habe, ein Auto für die Fahrt auszuleihen.  

Dann hatte der Engelsberger „die Hand drüber“

Der Engelsberger Angeklagte habe damals die Aufgabe gehabt, Geld aus Drogenverkäufen für den Garchinger einzusammeln. Ab Februar 2020 habe sich seine Rolle aber geändert: Aus einem Chat gehe hervor, dass der Engelsberger „die Hand drüber hat.“ Bei der Öffnung von Drogenpaketen aus Bremen habe er dabei sein müssen, und Gelder aus Drogenverkäufen seien von dem Burgkirchner Angeklagten eingesammelt und an den Engelsberger weitergegeben worden.

Vorbericht:

Am Landgericht Traunstein beginnt heute der vierte Verhandlungstag im Gerichtsverfahren gegen vier Dealer aus dem Landkreis Altötting. In neun angesetzten Verhandlungstagen wird Richterin Jacqueline Aßbichler über die Männer aus Garching, Engelsberg, Burgkirchen und Kastl entscheiden. Sie sollen zwischen November 2020 und Juli 2021 bandenmäßig mit Marihuana und Kokain aus Bremen gedealt haben sollen.

Am dritten Verhandlungstag kündigte die Richterin an, dass auch der Bremer Großdealer Ali S. im Prozess aussagen wird. Der sogenannten "Bunkermann" und sein Bruder konnten bereits dingfest gemacht werden. Eine Polizeibeamte sagte aus, dass Ali S. auch in eine Schießerei verwickelt gewesen sei. Weil Massen an Informationen aus den Auswertungen verschlüsselter Kryptohandys bei der Polizei Bremen eingegangen waren, konnte ein dichtes Netz an Drogenhändlern in ganz Deutschland hochgenommen werden. Auch die vier Männer aus Bayern wurden auf diesem Weg ausgemacht.

Großdealer zu neun Jahren Haft verurteilt

Ausschlaggebend für ein Urteil über die vermeintliche Drogendealer-Bande dürfte sein, wie die Verbindung zu dem Großdealer zustande kam. Dieser wurde laut Richterin Aßbichler in Bremen zu neun Jahren Haft verurteilt. Kreiszeitung.de schreibt dem Großdealer auch Verbindungen zu den "Hells Angels" zu. Jedenfalls soll einem Zeugen zufolge der 39-jährige Angeklagte aus Garching "Hauptverhandlungspartner" des Großdealers gewesen sein. Im November 2019, bei einem Besuch in der Hansestadt, soll er seine Freundin und den Engelsberger Angeklagten nach Bremen mitgenommen haben. Ali S. soll dies nicht bekannt gewesen sein. Weil der Garchinger 2021 eine Haftstrafe für ein anderes Delikt antreten sollte, wurde die Frage aufgeworfen, ob er bereits damals den Plan hatte, den Engelsberger als Ersatz für sich selbst einzuführen. Diesbezüglich dürfte der Großdealer aus Bremen weiter befragt werden.

Bande oder Mittäter?

Nachdem der Garchinger seine Haftstrafe angetreten hatte, soll laut einem Kriminalbeamten der Engelsberger „zumindest nach Außen hin vorne gestanden haben.“ Ihm wird vorgeworfen mit Hilfe der zwei weiteren Angeklagten aus Kastl und Burgkirchen monatliche Drogenlieferungen bestellt und aufgeteilt zu haben. Die monatlichen Bestellungen sollen „Zwölf Kilogramm Marihuana und 150 Gramm Kokain“ umfasst haben. Geld von den Abnehmern einzusammeln sei die Arbeit seines besten Freundes, dem 24-jährigen Burgkirchner gewesen, während der Angeklagte aus Kastl sich um die Annahme der Lieferungen gekümmert habe. Ein geladener Kriminalbeamter schätzte den Gewinn pro Kilogramm Marihuana auf etwa 1500 Euro. Dieser sei zu gleichen Teilen zwischen dem Engelsberger, der Burgkirchner und dem Garchinger aufgeteilt worden, wobei der Engelsberger für die Weitergabe des Geldes an den inhaftierten Garchinger verantwortlich gewesen sei. Wo dieses nun sei wollte der Engelsberger nicht sagen.

Während in Bremen bereits Razzien stattfanden habe der Engelsberger „aus der Sache rausgewollt“. Er beendete den Kontakt zu Ali S. und entledigte sich im Juni 2020 des Kryptohandys. Die Feststellung ob es sich bei den vier Männern wirklich um eine Bande handelt, spielt für das bevorstehende Urteil eine große Rolle. Bandenmäßiger Drogenhandel würde eine Haftstrafe von mindestens fünf Jahren nach sich ziehen. Reine Mittäterschaft könnte eine Freiheitsstrafe von lediglich einem Jahr bedeuten.

Kommentare