Verlängerung bis 27. September

Ein Erfolg, den keiner erwartet hatte: Dreht sich das Priener Riesenrad auch 2021?

Das Riesenrad lockt in Prien-Stock Touristen wie Einheimische zur Rundfahrt an. Aus knapp 40 Meter Höhe gibt‘s einen herrlichen Rundblick auf den Chiemsee und den Ort. Berger
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Das Riesenrad lockt in Prien-Stock Touristen wie Einheimische zur Rundfahrt an. Aus knapp 40 Meter Höhe gibt‘s einen herrlichen Rundblick auf den Chiemsee und den Ort. Berger

So einen Erfolg hat keiner erwartet: Viele Einheimische und Touristen fahren mit dem Riesenrad am Chiemsee-Hafen in Prien-Stock. Nun hat der Betreiber bis 27. September verlängert. Ob das Riesenrad 2021 wieder kommt? Es besteht Hoffnung.

Prien – Kaum betrete ich die metallenen Stufen und steige in die glitzernde Gondel ein – im Hintergrund läuft Schlagermusik – fühle ich mich wie ein Kind am Volksfest. In diesem Sommer ist es nicht nötig, dafür extra nach München oder Rosenheim zu fahren. Direkt am Priener Hafen im Ortsteil Stock steht ein Riesenrad. Was als Notlösung gedacht war, um den Fahrgeschäftbetreibern in Corona-Zeiten die Existenz zu sichern, läuft so gut, dass es nun in die Verlängerung geht.

Seit Mitte Juni steht das Fahrgeschäft in Prien-Stock, direkt an den Stegen der Chiemsee-Schifffahrt. „Der Erfolg ist hier so groß und es wird super angenommen“, sagt Mike Landwermann. Seinem Bruder gehört das Riesenrad, er betreibt es nun in Prien.

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Ein Renner bei den Einheimischen und auch Touristen

Viele Einheimische würden mitfahren, etwa die Hälfte der Fahrtgäste machen sie aus: „Wir haben ganz viele Leute aus der Region, die bestimmt schon zehn oder zwölf Mal gefahren sind“, sagt Landwermann.

Mike Landwermann und seine Familie betreiben in dritter Generation Riesenräder.

Erst vorgestern sei eine Frau aus einem Nachbarort da gewesen, die unbedingt noch mitfahren wollte. Sie wusste noch nicht, dass die Betreiber in Prien bis zum 27. September verlängert haben.

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Iva Schuster aus Rosenheim ist zum dritten Mal extra nach Prien gekommen und gerade ausgestiegen. Super sei es gewesen. „Das ist einfach eine gute Idee, von Anfang an.“ Sie würde sich freuen, wenn das Riesenrad dauerhaft dortbleiben würde.

Neues Riesenrad bestellt und auch schon geliefert

Konrad Hollerieth aus Rimsting ist mit seiner Frau und seiner Enkelin unterwegs. „Ich bin ein großer Riesenradfan“, sagt Hollerieth. Sie fahren zum ersten Mal mit und freuen sich, dass sie trotz der Absage von Volksfesten jetzt die Möglichkeit dazu haben.

Doch Touristen wissen das Fahrgeschäft ebenso zu schätzen. „Besonders nach dem Besuch der Inseln möchten viele noch eine Runde mit dem Riesenrad drehen“, sagt Landwermann

Die Gondeln können von Besuchern von Hand um die Achse gedreht werden.

Die Corona-Krise hat die Schausteller hart getroffen, so auch die Schaustellerfamilie Landwermann. Seit drei Generationen betreibt seine Familie Riesenräder. Wie bedrückend die Lage ist, ist Mike Landwermann anzumerken. Die Solidarität und das Mitgefühl mit den Schaustellern sei sehr groß. sagt er sichtlich gerührt.

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Das Fahrgeschäft hier in Stock ist nicht das einzige, das die Familie betreibt. Am Titisee im Schwarzwald und in Luxemburg stehen ihre anderen beiden Riesenräder. Ausgerechnet im Mai bekamen sie ein niegelnagelneues, 48 Meter hohes Riesenrad geliefert. „Bestellt hatten wir das vor zwei Jahren. Hätten wir gewusst, dass Corona kommt, hätten wir das sicherlich niemals getan.“ Im siebenstelligen Bereich liegen die Anschaffungskosten, „gleichzeitig fehlten in diesem Jahr viele Einnahmen“, so Landwermann.

Keine Perspektive für Schausteller

Unter regulären Bedingungen würden sie derzeit in Landhut am Herbstvolksfest stehen. Statt Weinproben und Frühstücken, die sie sonst teilweise in ihren Fahrgeschäften anbieten, heißt es nun Mundschutz und Desinfektion.

Immer noch ist unklar, wie es weiter geht für die Schausteller. „Es gibt derzeit keine andere Perspektive für uns. Großveranstaltungen werden vermutlich noch länger ruhen. Da müssen wir selbst aktiv werden“, sagt Landwermann. Nun hätten ihn viele Menschen darauf angesprochen, ob sie nicht länger in Prien bleiben könnten.

Verhandlungen über neue Saison in Stock für 2021

Mike Landwermann zeigt sich zufrieden mit dem Priener Standort. Eben erst haben sie ihren Aufenthalt verlängert. Ob es auch im kommenden Jahr hier wieder ein Riesenrad geben werde, sei derzeit in Klärung. „Wenn wir uns einig werden, sehr gerne.“

Auch bei der Prien Marketing GmbH stößt dieser Vorschlag auf Zuspruch. „In dieser speziellen Situation ist das Riesenrad auf alle Fälle ein Gewinn“, sagt Geschäftsführerin Andrea Hübner auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung.

Tatsächlich sei die Idee auch nicht von der Tourismusgesellschaft angestoßen worden, der Betreiber hätte sich direkt mit der Chiemsee Schifffahrt in Verbindung gesetzt. Zu Corona-Zeiten ist das Fahrgeschäft laut Hübner ein gern gesehener Gast.

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