D’Rechelberger werden 100 Jahre alt: Ganz Unterwössen feiert mit den Trachtlern

Erst zwei Jahre nach der Vereinsgründung wurde 1921 die Fahne geweiht.
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Erst zwei Jahre nach der Vereinsgründung wurde 1921 die Fahne geweiht.

Nicht nur die 172 Mitglieder des Trachtenvereins, sondern die ganze Dorfgemeinschaft packt an, wenn „D’Rechlberger“ von Donnerstag, 4., bis Montag, 8. Juli, ihr 100-jähriges Bestehen feiern. Dass das kleine Dorf große Feste stemmt, hat es bei Jubiläen und Fahnenweihen, aber vor allem bei den Gaufesten 1934, 1979 und 2004 unter Beweis gestellt.

Unterwössen – „Brauchtum und Volkskultur leben die Rechlberger das ganze Jahr hindurch“, lobt Bürgermeister Ludwig Entfellner. Für den Schirmherrn und ehemaligen Gauvorsitzenden im Chiemgau Alpenverband sind die Trachtler ein unverzichtbarer Bestandteil im Dorfleben. „Als Anker und Bindeglied gestalten sie das gesellschaftliche Leben entscheidend mit.“ Vor allem die aktive Jugendarbeit lobt Entfellner.

Im Jubiläumsjahr gilt der Respekt der Oberwössener den Gründern, die 1919 in schwierigen Zeiten den Trachtenverein ins Leben riefen. Bewunderung empfinden sie angesichts der Bedingungen vor und während des Ersten Weltkrieges, als die Bewegung zur Erhaltung und Pflege heimatlichen Brauchtums aufkam. Doch erst am 14. August 1919 gründeten 22 Oberwössner, zumeist Bauern und Handwerker, einen Verein. Den schwierigen Zeiten ist es geschuldet, dass die erste Vereinsfahne erst 1921 geweiht wurde.

Trachte hing von Stand und Geld ab

1926 waren die Rechlberger einer von neun Gründervereinen des Chiemgau Alpenverbandes, so dessen Vorsitzender Miche Huber. Auch in dieser Zeit waren die Mitglieder nicht auf Rosen gebettet. Die Tracht war vielfältig, und verschiedentlich gab es Streit, etwa um die Schuhe.

Die über den Knöchel reichenden schweren Schuhe des Schlechinger Schusters wichen letztendlich den zuerst als sportlich empfundenen leichteren Schuhen von Ortschuster Georg Käsmeier. Dass die Zusammenstellung der Tracht sehr vom sozialen Stand und dem Geldbeutel abhing, tat dem Enthusiasmus für die Trachtensache keinen Abbruch.

Gerangel um das Amt des Vorsitzenden

Damals herrschte ein regelrechter Andrang auf die Ehrenämter. Mit der Wahl zum Vorsitzenden stieg das Ansehen im Ort erheblich. Ein Vorplattler genoss hohen Respekt bei den Burschen und Erfolg bei den Trachtendirndln. Im Gerangel um das Ehrenamt wechselten die Vorsitzenden anfangs beinahe jährlich.

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20 Vorsitzende hatte der Verein in den 100 Jahren. Einer hatte das Amt besonders lange inne: Unterwössens Zweiter Bürgermesiter Barthl Irlinger stand den Oberwössner Trachtlern von 1970 bis 2005, also 35 Jahre vor. Noch heute moderiert er die Heimatabende.

Politische Entwicklung hinterlässt bei D‘Rechelbergern Spuren

Das Gaufest 1934 war eines der letzten Gaufeste für einige Jahre. Die politische Entwicklung hinterließ auch im Verein ihre Spuren. Erfreuliches tat sich dafür bei der Musik. Aus den Reihen der Rechlberger entstand ein Mundharmonikaquartett, das regelmäßig bei den Heimatabenden auftrat. Ein Männer-Viergesang aus Oberwössen erhielt eine Einladung zum Reichssender nach Hamburg.

Während des Zweiten Weltkrieges kam das Vereinsleben zum Erliegen. Nach dem Krieg verzeichneten die Rechlberger viele Verluste. Bis heute gedenken die Trachtler am Volkstrauertag der Gefallenen der beiden Weltkriege.

Tiefe Freundschaft zur Musikkapelle Weißbach

1952 gab es die zweite Fahnenweihe. Ein neuer Festwagen stellte die Rechenbergalm dar. Der Erfolg des Gefährts förderte neue Ideen zu historischen Festwagen. Noch heute erzählen die Mitglieder im Chiemgau Alpenverband vom Heu- oder Schnittholzfuhrwerk der Rechlberger in den Festzügen. Besonders in Erinnerung blieb der eisenbereifte Prügelwagen.

1962 entstanden aus den Reihen der Trachtler die Walchschmied Sänger, ein Männer-Dreigesang, der die Zuhörer bis heute erfreut. Seit 1973 begleitet die Musikkapelle Weißbach den Verein bei Veranstaltungen. Zwischen den beiden Vereinen entwickelte sich über die 45 Jahre eine tiefe Freundschaft.

Kinder- und Jugendarbeit in Unterwössen entwickelt sich gut

Im Jahr 1979 gab das 60-jährige Vereinsjubiläum die Grundlage für das 43. Gautrachtenfest des Chiemgau Alpenverbandes in Oberwössen. Das gesamte Dorf half mit, und viele fanden so den Weg in die Mitgliedschaft.

Zum 85-jährigen Bestehen und zugleich 20-jährigen Jubiläum der Gaustandarte richteten die Oberwössner im Jahr 2004 das 68. Gautrachtenfest aus. Dem allgemeinen Trend im Gau folgend, verzeichnen „D‘Rechlberger“ ein schwindendes Interesse an Heimatabenden. Positiv ist dagegen die Entwicklung in der Kinder- und Jugendarbeit. Später landen diese in der Aktivengruppe der Rechlberger.

Fünf Neuzugänge für die Goaßlschnazler

Eine Besonderheit der Rechlberger sind die 1986 gegründeten Goaßlschnalzer, die im In- und Ausland für Aufsehen sorgen. Rechtzeitig zum 100-Jährigen gewannen sie fünf neue Nachwuchs-Schnalzer.

Sei es bei weltlichen oder kirchlichen Festen, die Röckifrauen erweisen sich als wichtiger Bestandteil im Trachtenverein und Dorfleben. Ein buntes Programm über das Jahr hält diese Gruppe zusammen. Zum Fest bastelten sie an vielen Abenden die Festzeichen, schultern den Kaffee- und Kuchenverkauf.

Seit Monaten laufen die Festvorbereitungen bei Festleiter Florian Aberger und Vorsitzendem Andreas Greimel zusammen. Schon in der Jahreshauptversammlung lobten die Mitglieder das hohe Pensum, dass die beiden klaglos bewältigen. Doch das tun nicht allein. Ihnen zur Seite stehen tatkräftige Mitglieder.

Das Festpogramm der Rechelberger

Donnerstag, 4. Juli: Ab 19 Uhr Bieranstich und Tag der Betriebe mit der Musikkapelle Reit im Winkl, Auftritt der Trachtler und Goaßlschnalzer des Vereins, Barbetrieb mit der Räsedenz Musi

Freitag, 5. Juli: 20 Uhr Weinfest mit Alpensound und den Hallgrafen Musikanten. Danch spielt in der Bar die Würfe Musi.

Samstag, 6. Juli:Ab 10 Uhr Achental-Jugendpreisplatteln, ab 20 Uhr Festabend mit der Wössner Musikkapelle, den Goaßlschnalzern, der Kinder- und Aktivengruppe des Festvereins und der Gaugruppe des Chiemgau Alpenverbands. Es spielen die Walchschmid Sänger, die Gruaber Buam, die Seewind Harfendirndl und die Trauntal Musi. In der Bar unterhält der Trauntalexpress.

Sonntag, 7. Juli:6 Uhr Weckruf, 8.30 Uhr Empfang der Vereine, 10Uhr Kirchenzug, 10.30 Uhr Festmesse am Kapellenplatz in Hinterwössen, 11.30 Uhr Festzug, 12 Uhr Ehrentänze und Unterhaltung durch die Musikkapellen, 15 Uhr Festausklang und Barbetrieb mit der Stoabuckl Musi.

Montag, 8. Juli: Ab 20 Uhr Kabarettabend mit Gerhard Polt und den Gebrüdern Well.

Mehr Informationen unter www.gtev-rechlberger.de

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