Herausgeber und Autor Dr. Jürgen Dahlke

Neues Heimatbuch für das Obere Achental: Funde bringen Erkenntnisse über frühe Besiedelung

Lithographie von Unterwössen um das Jahr 1800.
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Lithographie von Unterwössen um das Jahr 1800.
  • vonChristiane Giesen
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Funde weisen auf frühe Besiedelung hin. Das neue „Heimatbuch Oberes Achental“ steht nach sechs Jahren unermüdlicher Arbeit durch Herausgeber und Autor Dr. Jürgen Dahlke sowie zahlreicher Mitarbeitern unmittelbar vor dem Abschluss.

Unterwössen – Dr. Jürgen Dahlke, der im Brotberuf 20 Jahre lang in Vogtareuth Wirbelsäulenchirurg war, lebt seit 32 Jahren mit seiner Familie in Unterwössen. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit Heimatgeschichte. Sein neues Heimatbuch enthält 552 durchwegs farbig illustrierte Seiten. In ihm wird die Bedeutung des Achentals als Handelsweg und urgeschichtliches Siedlungsgebiet genau untersucht.

Weitgehend unbekannte Früh- und Siedlungsgeschichte des Achentals aufgearbeitet

Das Siedeln am Fluss brachte damals viele Vorteile, auch wenn es die immer wieder auftretenden Jahrhunderthochwasser und Sumpfzonen erschwerten. Die in zahlreichen Schriften überlieferte „Siedlungsfeindlichkeit“ des Achentals soll widerlegt werden.

„Das Besondere an dem Buch ist, dass es sich mit der Ur- und Frühgeschichte des Achentals befasst, die noch weitgehend unbekannt ist“, erzählt Dr. Dahlke im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. „Professor Clemens Eibner, der sowohl in Heidelberg als auch Wien einen Lehrstuhl innehatte, hat sich eingehend mit den archäologischen Funden befasst und daran nachgewiesen, dass es eine Besiedelung gegeben haben muss.“

In Höhensiedlungen im Achental wurde Metall verarbeitet

Der Prähistoriker Professor Eibner weise nach, dass es im Achental mindestens drei Höhensiedlungen gegeben hat, in denen Metall verarbeitet wurde. Die über die vergangenen Jahrzehnte von Hobbyarchäologen häufig geborgenen Fundstücke bieten allerdings nicht die klassischen Siedlungshinweise, wie sie im benachbarten Priental, Salzachtal oder Inntal vorliegen, stellen die Autoren fest. Den Grund dafür sehen die Forscher in der Erosion und Sedimentation der Tiroler Ache. Durch ihr riesiges Einzugsgebiet und die enorme Wasserführung kam es immer wieder zu erheblichen Veränderungen im Überschwemmungsgebiet.

Moderne Forschungsmethoden scheitern im Achental bisher am fehlenden Geld

Die heutige archäologische Forschung auf hohem wissenschaftlichen Niveau wurde in den vergangenen Jahren stark verfeinert und reicht von Begehungen und Grabungen bis zu Luftbildern, Pollenanalysen bis hin zur C14-Kartierung (Altersbestimmung anhand des radioaktiven Kohlenstoffisotops C14).

Dazu gibt es heute auch die Thermolumineszenz (Methode zur Altersbestimmung von Keramik durch Erhitzung von Kristallen) keramischer Bruchstücke, die weitreichende Erkenntnisse liefern kann. Da alle diese Untersuchungen auch mit hohem finanziellem Aufwand verbunden sind, kamen sie bisher für das Achental nicht in Frage.

Viele Urkunden bei Bränden in Grassau und Traunstein vernichtet

Nach Wunsch der Herausgeber sollen die Lücken im Nachweis der Achentaler Urgeschichte in diesem Heimatbuch durch großräumige Betrachtung der nördlichen Alpentäler und durch den Vergleich ihrer Funde verringert werden. Denn in vielen Alpentälern war die Nähe der Bodenschätze wie Salz, Kupfer und Eisen sowie der transalpine Handel der Motor der Entwicklung.

Ein weiterer Schwerpunkt des Heimatbuchs ist das Mittelalter, wobei auch hier nicht allzu viele Funde vorliegen. Der Brand des Grassauer Pfarrhauses im Jahr 1791 vernichtete viele Urkunden. Beim Stadtbrand in Traunstein von 1851 gingen vermutlich weitere Urkunden von Unterwössen verloren und wahrscheinlich auch von der Burg Marquartstein.

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