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Eine Biografie mit offenen Fragen

Die Spuren des Dr. August Knorz in Prien: Zwischen Spital, Tourismus und Chiemsee

Dr. med August Knorz leitete 25 Jahre lang das Maximilians-Spital und späteres Kreiskrankenhaus in Prien, war einige Jahre Gemeinderat und Gründer bedeutsamer Vereine, etwa zur Rettung des Chiemsees und des Kur- und Verkehrwesens. Archiv Berger (1)
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Dr. med August Knorz leitete 25 Jahre lang das Maximilians-Spital und späteres Kreiskrankenhaus in Prien, war einige Jahre Gemeinderat und Gründer bedeutsamer Vereine, etwa zur Rettung des Chiemsees und des Kur- und Verkehrwesens. Archiv Berger (1)
  • Elisabeth Sennhenn
    VonElisabeth Sennhenn
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Wer war Dr. August Knorz? Arzt, Gemeinderat, Gründer von Vereinen, Retter des Chiemsees – und Initiator der Deutschen Alpenstraße. Seine vielfältigen Engagements fallen teils in die Zeit des Nationalsozialismus. Vieles in seiner Vita bleibt im Dunkeln.

Prien – Eine Straße ist nach ihm benannt, und am Eingang des Eichentals hat die „dankbare Marktgemeinde“, so die Inschrift, Dr. med August Knorz 1965 ein Denkmal gesetzt. Wofür war man diesem Mann, der laut einer historischen Ausgabe des Bayerischen Ärzteblattes 1929 den Titel Sanitätsrat erhielt, so dankbar?

Die Recherche über das Leben des Dr. Knorz, geboren am 11. April 1876 in Hilpoltstein und gestorben am 22. April 1935 in Prien, gestaltet sich nicht einfach. Vieles aus dem Leben des praktischen Arztes bleibt unerwähnt.

Von Nürnberg an den Chiemsee

Schon einmal hat sich jemand die Mühe gemacht, sein Leben zu erforschen: Priener Mittelschüler und ihr Lehrer Georg Leidel trugen vor 24 Jahren eine Handvoll Fakten zusammen. „Es war auch damals nicht leicht, mehr über ihn herauszufinden“, erinnert sich Leidel.

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Und selbst Helga Schömmer, die seit vielen Jahren Führungen durch den Ort anbietet und geschichtlich bewandert ist, gesteht: „Ich war froh, für eine meiner Führungen, die sich um Priener Straßennamen dreht, auf die Aufzeichnungen der Schüler zurückgreifen zu können.“ Auch bei der Marktgemeinde selbst ist nur wenig über den ehemaligen Gemeinderat zu finden.

Klinikleitung mit nur 26 Jahren übernommen

Knorz wuchs in der Nähe von Nürnberg auf und studierte in München Medizin. Es verschlug ihn nach Prien, wo er von 1902 bis 1935 das Maximilians-Spital an der Bernauer Straße leitete, heute Sitz der Waldorfschule. „Wir haben leider keine Klinik-Unterlagen mehr, sie wurden nach dem Kauf des Gebäudes vernichtet“, bedauert Schulleiter Dr. Albert Pröbstl.

Zu vermuten ist, dass Knorz, der bei der Übernahme der Klinikleitung erst 26 Jahre jung war, und die Geschicke des Hauses über drei Jahrzehnte prägte, diesem zu einiger Bedeutung verhalf. Bekannt ist, dass die königliche Familie von Bayern ihm einen offiziellen Besuch abstattete. Aus der 150-Jahr-Festschrift der Feuerwehr Prien geht hervor, dass Knorz mit seinem Kollegen Dr. Josef Stein während des Ersten Weltkriegs Soldaten versorgte; zeitweise war die Klinik ein Lazarett.

Gegen einen Turnplatz im Eichental

Die Ortschronik erwähnt, dass die Klinik 1903 sowie 1927 vergrößert wurde – zwei Jahre, bevor Knorz zum Sanitätsrat ernannt wurde, damals ein Titel für besonders verdiente Ärzte. Etwa, weil das 140-Betten-Spital inzwischen zum Kreiskrankenhaus ernannt wurde? „Das Krankenhaus entspricht allen modernen Anforderungen“, erwähnt die Chronik von 1927, und führt als Errungenschaften Dampfheizung, Operationssaal und Röntgenzimmer auf.

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Offenbar lag ihm viel an seiner Wahlheimat Prien. So war er laut den Aufzeichnungen der Mittelschüler von 1907 bis 1925 Vorsitzender des Kur- und Verkehrsvereins. Als der Gemeinderat einen Turnplatz im Eichental beschloß, stellte sich der Verein unter Knorz dagegen – sein Amtsrücktritt war aus Protest. Dabei hatte er in dieser Funktion viele Entscheidungen getroffen, die Bürgern und Gästen zu Gute kamen: Dazu zählen der Kauf des Badeplatzes an der Harrasser Straße und der Ankauf verschiedener Grundstücke im Erholungsgebiet Eichental.

Der geistige Vater der Deutschen Alpenstraße

1912 gründete er den Verkehrsverband Chiemsee, dessen Vorstand er bis 1930 blieb. 1920 rief er zudem den „Verband zur Rettung des Chiemsees“ ins Leben, dem zu verdanken ist, dass der Wasserspiegel nicht noch weiter absank. Wie aus der Chronik hervorgeht, herrschte damals große wirtschaftliche Not, und die Regierung plante, den See zum Zweck der Stromgewinnung um 70 Zentimeter abzusenken, was große Debatten und eine Protestkundgebung in Prien auslöste. Vom Projekt nahm man schließlich Abstand, wohl auf Betreiben Knorz´ hin.

1927 machte Knorz seine Idee einer „Deutschen Alpenstraße“ auf einer Versammlung von Fremdenverkehrsfunktionären und bayerischen Landtagsabgeordneten publik – vermutlich inspiriert durch das Buch „Eines Königs Reise“ von 1879, das von einer Alpenwanderung Maximilians II. 1858 handelt. Wie der Tourismusverband Chiemsee-Alpenland in einer Broschüre erwähnt, hätten die Zuhörer versprochen, „sich kräftigst für dieses Projekt einzusetzen“.

Die Nazis setzen seine Idee um

1933 jedenfalls griffen die Nazis das Vorhaben der Alpenstraße auf und ließen in Inzell den ersten Teilabschnitt bauen. Knorz wird ab da nur noch als Ideengeber in den Quellen erwähnt. Zwei Jahre später starb er mit 59 Jahren – Todesursache unbekannt. Sein Grab ist nicht erhalten, Straße und Denkmal halten die Erinnerung an ihn wach.

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