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Interview mit Justus Pfeifer

Dorfbus statt Kampfjet: Das sagt Ruhpoldings Bürgermeister nach einem Jahr im Amt

Das Fliegen vermisse er schon, sagt Justus Pfeifer, der früher Kampfjets bei der Luftwaffe flog. Als kleine Erinnerung hat er einen Helm in der Amtsstube.
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Das Fliegen vermisse er schon, sagt Justus Pfeifer, der früher Kampfjets bei der Luftwaffe flog. Als kleine Erinnerung hat er einen Helm in der Amtsstube.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Seit einem Jahr ist Justus Pfeifer (CSU/VRB) im Bürgermeisteramt in Ruhpolding. Mit 66,1 Prozent setzte er sich gleich im ersten Wahlgang gegen Amtsinhaber Claus Pichler von der SPD (27,9 Prozent) durch. Die Chiemgau-Zeitung sprach mit ihm über den neuen Schwung, den er in die Gemeinde bringen will.

Herr Pfeifer, wie viel von ihrem Schwung, den Sie ins Amt bringen wollten, ist mit Corona übrig geblieben?

Justus Pfeifer: Ohne Corona wäre es natürlich deutlich angenehmer, aber es hilft nix. Der Schwung betrifft sowieso eher Verwaltungsthemen und die werden sich mittelfristig bemerkbar machen, etwa durch Infrastrukturprojekte. Aber ich fühle mich nicht gebremst, gerade wenn ich an die Kindergartenplätze denke, die wir im Sommer ganz schnell geschaffen haben. Wir sind auf einem sehr guten Weg und ich habe keine Scheu vor Entscheidungen.

Wie stark bremst die Corona-Krise finanziell?

Pfeifer: Uns gehen große Einnahmen verloren. Unser Haushalt war aber im vergangenen Jahr ausgeglichen. Das hatte auch mit dem starken Sommer zu tun und den vielen Urlaubsgästen. Dadurch sind wir letztes Jahr mit einem blauen Auge durch die beginnende Corona-Krise gekommen. Wir haben jetzt auch an den Ausgaben geschraubt, etwa indem wir das Kurhaus geschlossen haben. Das hätten wir rückblickend schon im Juni und nicht erst im November machen sollen, da das Kurhaus bisher jährlich ein sechsstelliges Betriebsdefizit verursacht hat.

Beim Biathlon Weltcup sehe ich es von zwei Seiten. Natürlich gehört der Biathlonweltcup zu unserer Identität, der Blick nach Oberhof zeigt aber, dass unser Ort bei einer Durchführung ohne Zuschauer ein sehr hohes Defizit eingefahren hätte. Insofern war die Absage während der Corona Krise die richtige Entscheidung.

Bestehende Maßnahmen einhalten statt noch strengere Regeln

Nun ist es ja gerade Ihr Parteivorsitzender, der einen harten Corona-Kurs fährt. Was erleben Sie als CSU-Bürgermeister im Gespräch mit Vermietern und Gastwirten?

Pfeifer: Klar bin ich oft der erste Ansprechpartner und merke diesen Unmut. Besonders wenn Österreich touristische Übernachtungen bald wieder ermöglicht. Ein gewisses Unverständnis löst das auch bei mir aus.

Ich meine, dass nicht unbedingt strengere Maßnahmen weiterbringen, sondern wenn die bestehenden Maßnahmen eingehalten werden, würde uns das schon viel helfen. Denn die Bürger treffen sich jetzt schon auf einen Kaffee mit Freunden, der Umsetzungswillen der harten Maßnahmen sinkt bei der Bevölkerung. Die Gastronomen haben sich zumindest hervorragend an die Hygienekonzepte gehalten.

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5G ist auch in Ruhpolding ein großes Thema. Viel Lärm um nichts?

Pfeifer: Nein, die Bedenken der Bürger muss man ernst nehmen. Aufklärung sollte hier seitens der Bundesregierung und der Wirtschaft kommen, um bestimmte Mythen zu entkoppeln. Falsch wäre es, die Bedenken dieser Personen ins Lächerliche zu ziehen.

Die Zuständigkeit für 5G liegt aber letztlich nicht bei der Gemeinde, sondern beim Bund. Zumal Masten, die kleiner als 15 Meter sind, im Außenbereich genehmigungsfrei sind. Der Bund muss daher auch stärker in die Pflicht genommen werden und Aufklärung über die Unbedenklichkeit von 5G beim Bürger betreiben.

Bürgerbegehren: „Überlege, ob ich nicht sogar selbst unterschreibe“

Es ist auch ein Bürgerbegehren geplant.

Pfeifer: Aktuell soll dort die Frage gestellt werden, ob man für ein gesundheitsverträgliches Mobilfunkkonzept in Ruhpolding ist. Bei der Formulierung überlege ich, ob ich nicht sogar selbst unterschreibe. Schließlich sollte eigentlich jeder eine gesundheitsverträgliche Mobilfunkversorgung befürworten. Diese schließt im übrigen 5G auch gar nicht aus. Das muss das Landratsamt klären, ob die Fragestellung überhaupt die Gemeindeebene betrifft.

Mir ist wichtig, dass unser Dorf eine starke und gute Verbindung nach den modernsten Standards hat und dass auch Menschen die Bergwacht bei Unfällen verständigen können. Derzeit ist das in manchen Funklöchern noch ein Problem. Im Dorfzentrum haben wir bereits seit über einem Jahr eine ausreichende 5G-Versorgung.

Wirds mit Ihnen einen neuen Masten, auch mit 5G, geben?

Pfeifer: Ich bin dem grundsätzlich nicht abgeneigt. Das kommt auch immer auf den Standort und das Erscheinungsbild an. Wenn es eine Anfrage geben sollte, wird so etwas ganz normal im Bauausschuss oder im Gemeinderat abgestimmt. Diese Entscheidung treffe ich nicht allein.

Massen müssen gelenkt werden

Fürchten Sie die Blechlawinen an Tagestouristen im Sommer?

Pfeifer: Ja, damit ist zu rechnen. Uns geht es darum, die Massen zu lenken. Wir haben deshalb einen gratis Bus mit zwei Dorflinien eingeführt, als einzige Gemeinde im Landkreis. Mein Ziel ist eine 30-minütige Taktung an die Wanderwege. Wer trotzdem direkt am Einstieg parken möchte, der muss eben sieben Euro Gebühr zahlen. Vier Euro davon können über eine Rabattmarke im Einzelhandel eingelöst werden. Damit wollen wir wieder Leben ins Dorfzentrum spülen. Für das Parken zahlt man somit nur 3 Euro, das ist meiner Meinung nach vertretbar.

Welches Resümee ziehen Sie persönlich über ihr erstes Amtsjahr?

Pfeifer: Das Schönste war wirklich, als das mit den Kindergartenplätzen geklappt hat. Jede Woche saßen Mütter in meinem Amtszimmer, haben mich angerufen und waren verzweifelt, weil es keine Betreuungsmöglichkeit gab. Dann haben wir mit ganz viel Unterstützung den Waldkindergarten und die Plätze im Spatzennest aus dem Boden gestampft. Besonders gefreut haben mich auch die persönlichen Rückmeldungen.

Die Absage vom Biathlon hat aber schon wehgetan. Der ganze Ort ist im Biathlonfieber, aber das finanzielle Risiko war einfach zu hoch.

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Kommen Sie überhaupt noch zum Fliegen?

Pfeifer: Das war natürlich auch ein ganz besonderer Job einen Kampfjet der Luftwaffe fliegen zu dürfen. Die Fliegerei fehlt mir schon ein wenig. Ich hab aber das Glück, dass ich noch meinen privaten Pilotenschein habe. Heuer möchte ich das auf jeden Fall angehen und wieder in der Freizeit fliegen.

Für die Heimat etwas bewegen

Söder hat immer gesagt, sein Platz sei in Bayern, dann sollte es doch Berlin sein. Wo ist denn Ihr Platz?

Pfeifer: Das Schöne für mich ist, ich tu mir im Vergleich zu unserem Landesvater leichter zu sagen: „Mein Platz ist in Bayern.“ (lacht) Ich bin in der Vergangenheit viel rumgekommen, habe meine Frau oft Tage, Wochen oder Monate nicht gesehen und ich genieße es sehr, wenn ich jetzt jeden Abend neben meiner Frau einschlafen kann und für meine Heimat etwas bewegen darf. Mit der jetzigen Situation bin ich glücklich und möchte auch nichts daran verändern.

Nach München könnte man pendeln...

Pfeifer: Das wäre mir zu weit (lacht).

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