Wende ab Juli

Trotz Corona-Pandemie war 2020 doch kein so schlechtes Tourismus-Jahr für Grassau

Der Reifinger Badesee ist für Gäste nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter sehr attraktiv. Derzeit können diese Freizeiteinrichtung jedoch nur Einheimische nützen.
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Der Reifinger Badesee ist für Gäste nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter sehr attraktiv. Derzeit können diese Freizeiteinrichtung jedoch nur Einheimische nützen.
  • vonTamara Eder
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Corona-Pandemie, Lockdown, Beherbergungsverbot – und trotzdem 137.000 Übernachtungen. Das Tourismus-Jahr 2020 hat auch für die Marktgemeinde Grassau einen ungewöhnlichen Verlauf genommen.

Grassau – Dies wurde in der in der Sitzung des Tourismusausschusses deutlich, in der Christiane Lindlacher, Leiterin der Tourist-Information (TI) Grassau, Fakten und Zahlen präsentierte.

Rekordbuchungen und Stornierungen

Rekordverdächtige Buchungen aus dem Januar seien aufgrund der Corona-Pandemie bis März fast alle wieder storniert worden, so Lindlacher. Die Türen der TI blieben vom 18. März bis 24. April geschlossen, die Mitarbeiter wurden ins Homeoffice versetzt. „Ab Juni durfte wieder vermietet werden und bis Mitte Oktober, vor dem nächsten Lockdown, war der Gästeandrang so hoch wie noch nie. Die Unterkünfte in Grassau und Rottau waren ausgebucht.“

In Grassau setzte ab Juli der Aufwärtstrend ein

Die Übernachtungs- und Gästezahlen spiegeln die Turbulenzen im Jahresverlauf wider. Im Mai wurden 542 Gäste (im Vorjahr 3822) und 1167 Übernachtungen (Vorjahr 11 155) gezählt. „Erst im Juli gab es einen ersten Aufwärtstrend und die Übernachtungszahl von 23 137 aus 2019 wurde im vergangenen Jahr mit knapp 22 000 fast erreicht.“

Weniger Gäste, längere Aufenthaltsdauer

Bemerkenswert sei, so Christiane Lindlacher, dass sich die Aufenthaltsdauer der Gäste erhöhte. Im August, dem ohnehin immer stärksten Monat war die Gemeinde ausgebucht und konnte knapp drei Prozent an Übernachtungen, insgesamt 24 000 (Vorjahr 23 400), zulegen. Ein Plus von knapp 16 Prozent mehr Übernachtungen folgten im September und im Oktober erhöhte sich dies sogar auf über 18 Prozent.

Unter dem Strich ein Viertel weniger Übernachtungen im ersten Corona-Jahr

Diese vier starken Monate konnten zwar nicht alles abfangen, dennoch sind letztlich nur 24 Prozent weniger an Übernachtungen zu verzeichnen. Fast 68 Prozent weniger Gäste kamen. Das resultiert aber auch an Umbaumaßnahmen eines großen Gästehauses und den fehlenden Tagungsgästen. Die Gäste kamen zu 97 Prozent aus dem eigenen Land.

Immer mehr Gäste buchen online

Lindlacher informierte weiter, dass sich das Buchungsverhalten stark geändert habe und immer mehr Gäste online buchen. Auch die Onlinebuchbarkeit der Gastgeber stieg erneut. 2020 standen bereits Angebote von 57 Gastgebern online zur Verfügung. Auch zum Meldewesen gab es Neuerungen. So wird es die Gästekarte in der kommenden Saison in elektrischer Form auf das Handy geben und Gäste können sich per Pre-Check-In über E-Mail selbst anmelden.

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Das Veranstaltungs- und Freizeitprogramm war 2020 sehr überschaubar. Im Sommer gelang es einige kleinere Veranstaltungen und Konzerte im Freien anzubieten. Berichtet wurde auch über die laufenden LEADER-Projekte, darunter die Mountainbike Beschilderung. Die Übersichtstafeln werden in den nächsten Wochen installiert und entsprechendes Kartenmaterial ist ab Frühjahr erhältlich.

Moorerlebnisweg wird zertifiziert

Ein Premiumspazierweg im Bereich des Moorerlebnisweges soll nun zertifiziert werden. Fast abgeschlossen sei das Projekt Römerregion Chiemsee. Grassau beteiligt sich mit dem Thema „Flora und Fauna vor 2000 Jahren“ mit Hinweisen auf historische Handelswege und den Römerstein vor der Mietenkamer Kirche.

Touristiker erwarten ein turbulentes Jahr 2021

Die Achentallinie und Chiemseeringlinie standen dem Gast weiterhin kostenlos zur Verfügung. Auch der Shuttlebus zum Biathlon fuhr 2020 noch. In diesem Jahr wurde alles abgesagt. Lindlacher erwartet ein turbulentes touristisches Jahr. Da der weitere Verlauf der Pandemie nicht einzuschätzen sei, bereitet sich die Tourist-Information auf einen Gäste-Ansturm nach dem Beherbergungsverbot vor. Vorbereitet sind die Mitarbeiter zudem auf Buchungs- und Stornowellen. Ungewiss sind auch Durchführungen von geplanten Veranstaltungen. Auf einen gedruckten Veranstaltungskalender wird deshalb verzichtet.

Über Insolvenzen in Grassau keine Informationen

Dr. Winfried Drost (UGL) erkundigte sich nach möglichen Insolvenzen im Gastgewerbe. Diesbezüglich habe sie keine Informationen, erklärte Christiane Lindlacher. Sepp Grießenböck (FW) regte an, die Übernachtungszahlen künftig mit den Zahlen der letzten fünf Jahren zu vergleichen. „Das letzte Jahr hatte einen ungewöhnlichen Verlauf und für 2021 kann noch wenig gesagt werden“, betonte Bürgermeister Stefan Kattari (SPD) eingangs.

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