Angeklagter wollte „nur Urlaub machen“

DNA-Spur in Finnland überführt Einbrecher – In Übersee auf Diebestour nach E-Bikes

DNA-Treffer: Der Täter aus der Ukraine war in einer einer finnischen Datenbank gelistet.
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DNA-Treffer: Der Täter aus der Ukraine war in einer einer finnischen Datenbank gelistet.
  • vonMonika Kretzmer-Diepold
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Ein 30-jähriger Mann konnte dank eines DNA-Treffers in einer finnischen Datenbank identifiziert werde. Mit einem Kompagnon hatte er mehrfach versucht, in Übersee teure E-Bikes zu stehlen. Dabei wollte der Ukrainer in Bayern angeblich „nur Urlaub machen“. Nun stand er vor dem Amtsgericht Traunstein.

Traunstein/Übersee – Auf edle Räder, insbesondere E-Bikes, hatte es ein 30 Jahre alter ukrainischer Staatsangehöriger bei drei Einbruchsdiebstählen im September 2019 in Übersee abgesehen. Alle Versuche, an die jeweils mehrere Tausend Euro teuren Geräte zu gelangen, scheiterten jedoch. Das Amtsgericht Traunstein mit Richter Wolfgang Ott verurteilte den geständigen Angeklagten deshalb, sowie zusätzlich wegen Sachbeschädigung zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Monaten mit dreijähriger Bewährung.

Flucht in Richtung Übersee

Der Mann war in der Nacht zum 6. August 2019 in der Greimelstraße in Übersee zusammen mit einem Unbekannten unterwegs. Er wollte aus einem Geräteschuppen zwei E-Bikes Marke „Bull“ im Gesamtwert von 9 000 Euro entwenden.

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Der Eigentümer wurde durch Geräusche geweckt und ging von den Tätern unbemerkt auf die Terrasse. Er gab als Zeuge vor Gericht an gesehen zu haben, dass der Ukrainer eine Tür des Schuppens aufgehebelt hatte und ein zweiter Mann Schmiere stand. Als er die beiden von der Terrasse aus anredete, ergriffen sie seiner Schilderung nach auf weißen Mountainbikes die Flucht Richtung Übersee. Der Zeuge brachte die E-Bikes in Sicherheit, ehe er mit dem Auto nach dem Verbleib der Diebe ausblickte. Er entdeckte aber niemand mehr. Der Angeklagte entschuldigte sich vor Gericht und behauptete, er habe „nur nach Benzin gesucht“. In der übernächsten Nacht gegen 0 Uhr suchten die Tatverdächtigen das Betriebsgelände eines Zweiradgeschäfts in der Gewerbestraße in Übersee heim. Sie zertrümmerten dabei das Fenster eines Rolltors. Die Alarmanlage schlug an. Ohne Beute verließen die Männer die Firma.

Ein Jahr später kam man ihm auf die Schliche

Am nächsten Morgen bemerkte der Geschäftsinhaber den Schaden sowie herumliegendes Werkzeug. Der Sachschaden summierte sich auf mehrere Hundert Euro. Ware wurde nicht gestohlen.

In der Nacht vom 9. August wurden der Angeklagte und sein Begleiter an der Ringstraße aktiv. Dieses Mal demolierten sie die Scheibe einer Werkstatt. Als auch hier eine Alarmanlage ansprang, flüchteten die Männer und ließen ein E-Bike Marke „Bergamont Trailster“ im Wert von 5000 Euro und ein 6000 Euro teures Carbon-Mountainbike zurück.

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Eine Polizeibeamtin schilderte vor Gericht, wie man knapp ein Jahr später dem inzwischen nach Deutschland ausgelieferten Ukrainer auf die Spur kam.

„Urlaub im Chiemgau gemacht“

Bei der Tat in der Greimelstraße sei ein Schraubenschlüssel mit der DNA des Angeklagten gesichert worden, ebenso Genspuren an den beiden anderen Tatorten. Auf einer internationalen Gendatenbank der Polizei habe man in Finnland einen Treffer erzielt. In der finnischen Kartei seien die Daten des 30-Jährigen erfasst gewesen. Daraufhin sei ein internationaler Haftbefehl erwirkt worden. In Deutschland wie in Finnland sei der Angeklagte aber nicht vorbestraft.

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Der Verteidiger, Julian Praun aus Traunreut, räumte im Auftrag seines Mandanten ein: „Er bereut die Taten und entschuldigt sich.“ Der Richter hakte nach: „Der Angeklagte fährt ständig zwischen der Ukraine und Italien hin und her. Was macht er in Deutschland, speziell im Chiemgau?“ Der 30-Jährige erwiderte, er habe zusammen mit einem Bekannten „nur ein paar Tage Urlaub in Bayern“ machen wollen.

Ukrainer gilt als bewährungswürdig

Verteidiger Praun forderte fünf Monate Haft, auch mit drei Jahren Bewährung. Alle Taten seien im Versuchsstadium stecken geblieben, kein Beuteschaden entstanden.

Das Gericht übernahm den Antrag der Staatsanwaltschaft. Das Geständnis sei zwar positiv zu werten, unterstrich Wolfgang Ott. Doch sei die Beweislage erdrückend: „Die Einreise hatte nur einen Zweck: Sie wollten stehlen.“ Allerdings sei der Angeklagte bewährungswürdig.

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