In dieser Rimstinger Einrichtung hilft Sport den Menschen durch die Krise

Die Wohnanlage Ertlhofin Rimsting. Hier leben 69 Menschen mit einer psychiatrischen Erkrankung. Mit der Corona-Krise gehen die meisten von ihnen gefasst um, berichtet Leiterin Andrea Vodermeier. Berger
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Die Wohnanlage Ertlhofin Rimsting. Hier leben 69 Menschen mit einer psychiatrischen Erkrankung. Mit der Corona-Krise gehen die meisten von ihnen gefasst um, berichtet Leiterin Andrea Vodermeier. Berger
  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
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Trotz Einschränkungen aufgrund der Corona-Krise geht es den Bewohnern im Rimstinger Ertlhof gut – solange das Virus die Wohnanlage für schwer psychisch kranke Menschen verschont. Denn ihre Lebensqualität würde unter einer Quarantäne enorm leiden.

Rimsting – „Wohnen in der Gemeinschaft“ lautet das Motto im Ertlhof. 69 Menschen mit psychiatrischen Krankheitsbildern wohnen derzeit in der Rimstinger Einrichtung. Trotz den Beschränkungen durch die Corona-Krise gehe es im Moment allen gut, versichert Einrichtungsleiterin Andrea Vodermeier. „Wir hoffen, dass es auch so bleibt. Denn alle halten sich sehr vorbildlich an die Vorschriften und die Stimmung ist soweit gut.“ Niemand sei infiziert, auch das Personal sei gesund.

Ein großes Problem hätte man aber unmittelbar, sollte sich auch nur ein Bewohner oder Mitarbeiter mit Covid-19 anstecken: Die Folgen einer Quarantäne wären für manche der Bewohner psychisch schwer zu verkraften. Organisatorisch bereitet man sich auf den Erstfall, von dem man hofft, dass er nicht eintritt, vor: „Wir sind in der Endphase der Planungen für eine Isolierstation und damit gut gerüstet, sollte es notwendig werden.“

Mehr Lebensqualität durch Sport

Bis dato biete der große Garten genügend Möglichkeit, an der frischen Luft zu sein und sich Bewegung zu verschaffen. Die Bewohner setzten dabei Regeln wie die Einhaltung des Mindestabstands gewissenhaft ein. „Aktuell bieten wir ihnen auch weiterhin unser Sportangebot an. Es wäre schlimm, wenn wir das einstellen müssten“, schildert Vodermeier. Sport, ob Hanteltraining, Fußball oder Yoga, ist am Ertlhof ein wichtiger Therapie-Baustein. Er stärkt unter anderem die Psyche, vermittelt Erkrankten ein Körpergefühl und, fast noch wichtiger, sorgt für Sinnhaftigkeit.

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Das steigert die Lebensqualität – besonders im Krankheitsfall. Denn Menschen mit psychischer Erkrankung empfinden häufig eine Leere, oft zusammen mit einer krankheitsbedingten Antriebsarmut, weiß man bei der Unternehmensgruppe Krohn-Leitmannstetter, zu der der Ertlhof gehört.

Ein offenes Ohr bei Sorgen

Wichtig sei daher, der Freizeitgestaltung einen abwechslungsreichen und attraktiven Rahmen zu geben. Das versucht man auch während der Krise, auch wenn die gewohnten Gruppenausflüge oder Schwimmbadbesuche nicht möglich sind. Für Bewohner, die sich besonders große Sorgen machen oder die unter dem Besuchsverbot leiden, das auch am Ertlhof gilt, gibt es immer ein offenes Ohr, schildert Vodermeier. Mehrere Teams mit acht bis zwölf Mitarbeitern seien im Einsatz. Ihnen spricht sie ein „Riesenlob“ aus, denn trotz der allgemein angespannten Lage liefe alles in geordneten Bahnen: „Das ist bewundernswert.“

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Ein großes Thema in den Teams sei die offizielle Erlaubnis, sich nun außerhalb mit einer haushaltsfremden Person und mit Personen eines zweiten Hausstands treffen zu dürfen: „Für unsere Einrichtung ist das nicht ganz risikolos. Wir wissen ja nicht, mit wem diese Personen vorher Kontakt hatten.“

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