Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Klimawandel - jeder kann etwas tun

„Diese Entwicklung ist tödlich“: Harald Lesch malt bei Vortrag in Prien düsteres Szenario - doch es gibt Hoffnung

„Wir alle sind für unser Handeln verantwortlich“: Die Naturwissenschaftler Harald Lesch (links) und Christian Holler feferierten König-Ludwig-Saal zum Thema „Erneuerbare Energien“.
+
„Wir alle sind für unser Handeln verantwortlich“: Die Naturwissenschaftler Harald Lesch (links) und Christian Holler referierten König-Ludwig-Saal zum Thema „Erneuerbare Energien“.
  • VonElisabeth Kirchner
    schließen

Die Hochschulprofessoren Harald Lesch und Christian Holler referierten in Prien über erneuerbare Energien und den Klimawandel. Klar wird dabei: Jeder Einzelne kann etwas tun.

Prien – Dem Themenkomplex erneuerbare Energien widmeten sich die beiden Naturwissenschaftler Professor Harald Lesch und Professor Christian Holler in einem Vortrag im voll besetzten König-Ludwig-Saal. Eloquent und dennoch verständlich zeigten die beiden Forscher, was es gibt, was möglich und sinnvoll ist im Bereich erneuerbare Energien und wie jeder einzelne zum Energiesparen beitragen kann. Sie waren auf Einladung des Förder- und Freundeskreis des Ludwig-Thoma-Gymnasiums (LTG) Prien in die Marktgemeinde gekommen.

Holler, ehemaliger LTG-Absolvent, heute Professor für Ingenieurwissenschaften und Mechatronik an der Hochschule München, und Lesch, Professor für Astrophysik an der Ludwig Maximilian Universität (LMU) und einer der bekanntesten Naturwissenschaftler Deutschlands, deuteten Zahlenmaterial und Grafiken.

Temperaturanstieg bereits um zwei Grad

So erklärte Lesch, dass auf der Erde die Durchschnittstemperatur über drei Millionen Jahre lang zwischen 14 und 15 Grad Celsius lag. Bis heute habe sich dieser Wert bereits um zwei Grad erhöht, und laut dem jüngsten Weltklimabericht wird sie sich um weitere 2,7 Grad erhöhen.

„Diese Entwicklung ist tödlich“, so Lesch. Denn mit jedem Grad mehr gelange mehr Energie in die Atmosphäre. Das wiederum führe zu den bekannten Phänomenen Extremwetter, erwärmte Meere, schmelzende Gletscher, was wiederum zur Folge hat, dass weniger Strahlung reflektiert wird und dass der Permafrost auftaut.

„Der Klimawandel ist da, er ist gefährlich. Wir sind dran schuld. Die Fachleute sind sich einig und wir können noch etwas tun.“

Professor Holler erläuterte dann, was die Primär- von der Endenergie unterscheidet: „Erstere sind alle Energieträger und -quellen, die wir benutzen, um unser Land in Gang zu halten, und Letztere ist das, was beim Verbraucher ankommt.“ Trotz aller Effizienz verbrauchen die Deutschen immer noch genauso viel Strom wie vor 30 Jahren. „Würde man zum Beispiel alle Autos in Deutschland elektrifizieren, bräuchte es etwa 20 Prozent mehr Strom“, rechnete Holler vor.

Weil aber auch Industrieprozesse verstromt werden und Heizung mit Strom funktionieren muss, müsste sich die Energiemenge aus erneuerbaren Quellen verdreifachen. Gleichzeitig müsste aber der derzeitige Energieverbrauch halbiert werden.

„Es gibt viel Potenzial“

Der Wissenschaftler erläuterte weiter, was erneuerbare Energien aus Sonne, Wasser oder Erdwärme energietechnisch schaffen und wie sie sich im Vergleich untereinander bewerten lassen. Viele einzelne Lösungen wie Geothermie, Gezeiten oder Biomasse funktionierten nur in begrenztem Maße und an bestimmten Orten. „Es gibt viel Potenzial, wir müssen es nur richtig nutzen.“ An erster Stelle stehe dabei die Sonnenenergie und damit verbunden der Ausbau von Fotovoltaik, gefolgt von Windenergie, die trotz der Unstetigkeit des Windes viel Potenzial besitze, so Holler.

+++ Weitere Nachrichten aus der Region lesen Sie hier +++

Zum Schluss gab es drei Empfehlungen; Energieverbrauch reduzieren, Sonnen- und Windenergie ausbauen und bezüglich technischen Ausbaus international zusammenarbeiten.

Die Fragen aus dem Publikum ließen nicht lange auf sich warten, mit dem Tenor: Wie schaut es aus mit der Kernfusion, mit Wasserstoff und mit Energiespeicher-Möglichkeiten und bringen Öl-Embargos etwas?

Russland werde auch nach dem Krieg Teil von Europa sein, und die Politik dürfe sich nicht nur von der Ökonomie diktieren lassen, meinte Professor Lesch. Bezüglich Kernfusion sei die Technik noch nicht so weit. Und: Wasserstoff sei keine Energiequelle, sondern müsse erst aufwändig mithilfe elektrischer Energie hergestellt werden.

Solarparks in Wüsten vielversprechend

Professor Holler beschrieb große Solarparks in Wüstengegenden als vielversprechend, erklärte aber, dass man diese Energie nicht exportieren solle. Schließlich sollte der gleiche Lebensstandard allen Ländern zugebilligt werden.

Die beiden Wissenschaftler mahnten: „Wir alle sind für unser Handeln verantwortlich.“ Es brauche eine Energiewende von unten, beispielsweise in Form von Energiegenossenschaften. Wenn Bürger selbst vor Ort den Ausbau der Erneuerbaren vorantreiben und dafür steuerlich gefördert würden, sei das auch psychologisch von Vorteil.

Lesch: „Wer selbst Besitzer von einem Anteil einer solchen Anlage ist und damit Geld verdient – für den sieht so ein Windrad ganz anders aus als vorher. Dann wird es richtig schön.“

Mehr zum Thema

Kommentare