Die „Wilden Ecken“ werden immer seltener

Übersee. – Vogelmiere, Himmelsbrot und Muttergottesbettstroh – mit allerlei Namen weisen in Menschennähe und in der Stadt wachsende Wildpflanzen auf Geschichte und Bedeutung dieser oft gering geachteten Siedlungsbegleiter hin.

Eine Ausstellung des Bund Naturschutz in Bayern zum Thema ist bis Freitag, 9. Oktober, im Naturpavillon der LBV (Landesbund für Vogelschutz) Umweltstation Wiesmühl in der Außenstelle Übersee zu sehen. Sie informiert über die Bedeutung der sogenannten „Ruderalpflanzen“ für Mensch und Natur. Die Ausstellung ist Dienstag bis Freitag, 14 bis 17.30 Uhr, geöffnet. Führungen sind vormittags möglich. Weitere Informationen sind per E-Mail an naturpavillon@lbv.de erhältlich.

Wildpflanzen sind traditionsreiche Arznei-, Nahrungs- und sonstige Nutzpflanzen, haben ökologischen Wert für Menschen und Tiere. Sie galten einst als Zauberpflanzen und kommen in Märchen und Sagen sowie Legenden vor. Wildpflanzen spielen in Malerei sowie Poesie mit, sie vermitteln ein Gefühl von Naturnähe und beheimatet sein.

In unserer meist bis auf den letzten Quadratmeter genutzten Landschaft werden die Lebensräume für Wildpflanzen immer kleiner. „Wilde Ecken“ in Dörfern und Städten gewinnen als Rückzugsgebiete zunehmende Bedeutung. Straßen- und Wegränder, Mauern sowie Zäune, offene Böden, Schuttplätze oder Brachflächen bieten einer Reihe anpassungsfähiger Pflanzen gute Lebensbedingungen. Diese „Ruderalpflanzen“ sind kein Unkraut, sondern Multitalente. Sie besiedeln vom Menschen geschaffene, ungenutzte Standorte, die als „Ruderalstellen“ bezeichnet werden.

Das Dulden „wilder Gesellen“ ist kein Zeichen von Nachlässigkeit. Es ist möglich, der Natur mit ihrer vielfältigen Ästhetik eine Chance zu geben, anstatt mit einem monotonen Rasen Schönheitsvorstellungen zu folgen.

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