Wespenspinne

Die „Weishamer Spinne“ aus Bernau hinterlässt ihrem Finder ein kleines Geschenk

Die „Weishamer Spinne“ an der Glastür von Jürgen Martin aus Bernau. Tatsächlich handelt es sich um eine Wespenspinne samt Kokon für die Jungtiere.
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Die „Weishamer Spinne“ an der Glastür von Jürgen Martin aus Bernau. Tatsächlich handelt es sich um eine Wespenspinne samt Kokon für die Jungtiere.
  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
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Heimische Spinnen sind normalerweise harmlose Gäste auf Zeit. Der Bernauer Jürgen Martin hat bei sich ein ihm unbekanntes Exemplar entdeckt, dessen besondere Baukunst ihn fasziniert. Doch bisweilen kann die Begegnung mit einer Spinne auch unangenehme Folgen haben.

Bernau – Sie heißt jetzt einfach „Weishamer Spinne“. So hat der Bernauer Jürgen Martin die schwarz-weiß-gelb getigerte Spinne getauft, die vor ein paar Tagen wie aus dem Nichts bei ihm zuhause aufgetaucht ist. „Als es neulich noch mal sehr warm war, saß sie im frühen Morgenlicht über einem runden Ball und war damit beschäftigt, diesen zu befestigen“, hat Martin beobachtet. „Die Statik des Netzes faszinierte mich, es stimmte alles, die Winkel der sehr feinen Fäden, die gleichmäßige Verspannung in jede Richtung und nicht ein Faden hing durch.“

Ungewöhnlich platzierter Kokon

Der Kameramann hat vor seiner Haustür einen Naturgarten mit einem Teich, wo er schon oft verschiedenste Insekten, Käfer und Pflanzen beobachtet hat – ob sie vielleicht von dort kam?

Die Identität der kleinen Perfektionistin ist dank eines Experten des „Atlas der Spinnentiere Europas“ schnell geklärt: Es handele sich um ein ausgewachsenes Wespenspinnen-Weibchen (Argiope bruennichi), das bei uns recht häufig vorkomme, antwortet ein Administrator des Webportals auf Anfrage unserer Zeitung. Wie der Naturschutzbund NABU beisteuert, ist der hellbraune „Ball“ der Kokon, den die Wespenspinne für ihre Jungen installiert. In diesem überwintern sie, bevor sie bei wärmeren Temperaturen im Frühjahr schlüpfen. Auffällig sei, so der NABU, dass die Spinne ihren Eikokon oft recht prominent platziert.

Es gibt auch bissige Spinnen

Das hat auch Jürgen Martin festgestellt, der die Platzauswahl der Spinne „etwas unglücklich“ findet: Handele es sich doch um den unteren Teil der Glasschiebetür zu der wild wachsenden Wiese vorm Haus, „und ich traue mich seither nicht, diese Tür zu öffnen. Zum Glück haben wir noch eine zweite.“

Jürgen Martin aus Bernau mit dem robusten Kokon der Wespenspinne, der selbst starkem Regen standhält.

Einige Tage lang habe das knapp eineinhalb Zentimeter kleine Tierchen an seinem Kunstwerk gearbeitet. Dann sei der Regen gekommen, mit ihm sei das Tier verschwunden. „Nur der umsponnene Ball ist noch da. Obwohl das Wasser direkt drauf tropft.“

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Ist die Wespenspinne eine verträgliche Hausgenossin auf Zeit, kommen in heimischen Haushalten und Gärten durchaus auch giftige Arten vor, warnen Experten. So erinnert sich der Grassauer Allgemeinmediziner Dr. med. Andreas Weidinger an einen Patienten, der zu ihm mit einem rot geschwollenem Arm kam, über Brennen klagte und ihm zwei winzige Bissspuren am rechten Handgelenk zeigte. „Solche uncharakteristischen Beschwerden können zum Beispiel Flohbisse hervorrufen“, erklärt der Arzt, „aber eben auch Spinnenbisse.“

Heimische Spinnen können auch beissen

Die Behandlung ziele normalerweise darauf ab, die Entzündung einzudämmen und Kortison zu verabreichen, entweder als Salbe oder als Spritze. Rund ein Viertel Jahr habe der Patient Rötungen am Arm gehabt, die Blutwerte seien aber unauffällig gewesenen.

In der Regel verlaufen Spinnenbisse glimpflich, doch vereinzelt kommt es zu allergischen Reaktionen, Wundinfektionen oder Muskelkrämpfen, informieren Verbraucherschützer. Typisch seien zwei nur mit einer Lupe erkennbare Einstichpunkte von den Beißwerkzeugen der Spinne.

Ob sie sich noch mal zeigt?

In Deutschland siedelten sich vermehrt giftige Spinnen an. Genannt werden heimische Kreuzspinne, Dornfingerspinne, Hauswinkelspinne, Kräuseljagdspinne und die Europäische Schwarze Witwe. Waren sie einst eher in südlichen Gefilden zuhause, führt sie der Klimawandel immer weiter Richtung Norden. Jürgen Martin hat seine getigerte Mitbewohnerin seit Tagen schon nicht mehr gesehen. „Sollte sie noch einmal zurückkommen, würde ich mich sehr freuen“, sagt der Tierfreund, „das Netz bleibt erst mal so, wie es ist, und die Tür lasse ich zu, es wird ja eh langsam kälter.“

Die Chance, die Spinne noch mal zu Gesicht zu bekommen, ist allerdings gering, denn laut NABU sterben die Weibchen kurz nach Fertigstellung des Kokons ab. Dafür könnte es sein, dass sie Jürgen Martin ein „kleines Geschenk“ hinterlassen hat und er im Frühjahr eine Kinderstube voller Wespenspinnen zu Hause hat.

Ungewöhnliche Spinne gefunden - was tun?

Die Arachnologische Gesellschaft gibt den Atlas der Spinnentiere Europas im Netz heraus und verzeichnet aktuell 1 426 nachgewiesene Spezies, und mindestens 1,88 Millionen nachgewiesene Spinnen-Tiere. Dazu hat sie 3673 Quellen aus 14.477 Orten in Deutschland ausgewertet, welche ihr Funde mitteilen. Einen Fundkalender samt Kartierung von Spinnenfunden in Bayern verzeichnet zum Beispiel Michael Hohner aus Nürnberg auf seiner Website.

Während man bei Hohner stöbern kann, gibt arages.de über seinen Expertenservice auch Auskunft über gefundene Exemplare.

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